Vogt trifft im letzten Moment zum 2:1-Sieg

Nach dem Landeslioga-Aufstieg in 1965 gab es in gevelsberg einen Autokorso.
Nach dem Landeslioga-Aufstieg in 1965 gab es in gevelsberg einen Autokorso.
Foto: WP

Gevelsberg..  Die Partie von BW Voerde gegen SSV Hagen am heutigen Samstag (18 Uhr, Silschede, erstes Spiel um Bezirksliga-Aufstieg), ist keineswegs eine Premiere, wenn es Relegationen oder Entscheidungsspiele um Auf- oder Abstiege geht. So ist es ein halbes Jahrhundert her, als ein „Endspiel“ Massen elektrisierte. Vor 50 Jahren schaffte der VfL Gevelsberg mit einem 2:1-Sieg gegen Westfalia Weitmar den Aufstieg in die Landesliga.

Es war seinerzeit auch der Beginn einer erfolgreichen Fußball-Ära des VfL Gevelsberg. Sie endete in der Saison 1994/1995 mit der Abmeldung der ersten Mannschaft aus der Verbandsliga, am 1. Juni 1996 mit der Gründung des VfL „Fußball“ Gevelsberg, schließlich mit der Auflösung durch die Gründung des FSV Gevelsberg im Dezember 2004 – hier schlossen sich die VfL-Fußballer mit der Fußball-Abteilung der SE Gevelsberg zusammen.

Meistertrainer Jochen Menze

Es war der 13. Juni 1965, als die Saison der Bezirksliga den Höhepunkt mit dem Endspiel um die Meisterschaft hatte. Im Sprockhöveler Baumhof kam es zum Showdown von VfL Gevelsberg und Westfalia Weitmar – auf einem Ascheplatz. Von 2 900 Zuschauern war die Rede. „Und es gab damals noch nicht die Querspange“, erinnert sich Ernst Külpmann, der in der Meister-Mannschaft im Mittelfeld spielte. „Es gab nur die Straße, die durch Obersprochövel führt. Und die war vorher und nachher rappelvoll.“

Elf Spieler hatte der inzwischen verstorbene Meistertrainer Jochen Menze zur Verfügung. Ein- und Auswechselungen waren seinerzeit nicht üblich. Völlig anders auch die taktische Aufstellung. Vor Keeper Peter Göbelsmann (bereits verstorben) agierten Gerd Kappe und Erwin Utermann in der Abwehr. Doch es war keine Zweier-Kette, wie man nach heutigen Ansichten vermuten könnte. Denn das Mittelfeld hatte Aufgaben in der Defensive zu verrichten. Neben Ernst Külpmann spielten dort noch Helmut „Hase“ Neugart und Friedhelm Buckert. Letzterer sozusagen als Libero. Und vorne spielten fünf Mann, wobei mit dem Linksaußen Wilfried „Peppi“ Krüger, Mittelstürmer Oswald Röder und Rechtsaußen Jürgen „Noppi“ Homberg drei echte Stürmer auf dem Feld agierten. Der linke und rechte Halbläufer – Gustav Weschke (bereits verstorben) und Wolfgang „Celle“ Vogt agierten auf diesen Positionen – mussten dabei auch nach hinten arbeiten.

Motivationsschub in der Pause

Besonders an die Pause erinnert sich Ernst Külpmann. Denn dort gab es den wohl entscheidenden Motivationsschub für ihn und seine Mitspieler. „Der Schiedsrichter sprach mit beiden Kapitänen. Er erläuterte, dass es bei einem Unentschieden zur Verlängerung und gegebenenfalls zum Elfmeter-Schießen kommen würde“, so Külpmann. „Da sagte der Bochumer Kapitän, dass es nicht so weit kommen würde. Das hat uns angestachelt. Da haben wir uns gesagt: Jetzt erst recht.“

Doch bevor es schließlich so kam, war Hochspannung angesagt. Zur Pause hatte es noch 1:1 gestanden. Wilfried „Peppi“ Krüger hatte früh die 1:0-Führung markiert (10.). Nur fünf Minuten später mussten die Gevelsberger den Ausgleich hinnehmen. Es drohte tatsächlich, dass es einen Verlängerung gibt. Quasi mit der letzten Aktion in der regulären Spielzeit war es Wolfgang „Celle“ Vogt vorbehalten, den entscheidenden Treffer zum 2:1-Sieg zu erzielen. „Celle kann Dir heute noch genau sagen, wo er gestanden und wie er das Tor erzielt hat“, so Ernst Külpmann.

Arbeitsfrei? Kein Problem

Klar, dass der Sieg und der Aufstieg ausgiebig gefeiert wurden. Ein Autocorso ging durch Gevelsberg. Vorweg der VfL-Spielmannszug. Die Spieler machten schließlich Station im Gevelsberger Stadtgarten. „Wir haben drei Tage lang gefeiert und alle Fußballlieder rauf und runter gesungen“, erinnert sich Külpmann. „Wir waren alles Gevelsberger, da war der Zusammenhalt besonders groß.“ Dass die elf Kameraden bei ihren Arbeiten fehlten, machte damals nicht allzu viel aus. Die Chefs waren dem Fußball im VfL Gevelsberg wohl gesonnen und ließen sie diese drei Tage feiern.

Vier D-Mark Prämie

Übrigens gab es auch eine Prämie für jeden Meisterspieler. Zunächst hatte der Vorstand um Vorsitzenden Herbert Muthmann je vier D-Mark ausgelobt. „Wir hatten gehört, dass jeder Spieler von Weitmar 200 D-Mark pro Spieler erhalten sollte“, weiß noch Külpmann. „Da hat Peter Göbelsmann als Kapitän insisiert und neu verhandelt.“ Nun, erfolgreich. Schließlich gab es fünf D-Mark pro Spieler . . .