„Nicht nur das Spiel hat mich aufgewühlt“

Sein letztes Spiel als hauptverantwortlicher Trainer: Hans Peter Müller
Sein letztes Spiel als hauptverantwortlicher Trainer: Hans Peter Müller
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Gevelsberg..  Dieser 9. Mai 2015 ist durchaus als historisch zu bezeichnen. Weniger, weil die HSG Gevelsberg-Silschede das Patent für die Handball-Oberliga verlängert hat. Vielmehr, weil es das letzte Spiel des 61-jährigen Hans-Peter Müller als hauptverantwortlicher Trainer war. Nach vier Jahren Gevelsberg und 36 Jahren überhaupt ist Schluss. „HaPe“, wie Müller allerorten gerufen wird, tritt ins zweite Glied zurück, wird sich ab dem Sommer beim VfL Eintracht Hagen engagieren.

Frage: Wie geht es Ihnen? Haben Sie am Samstagabend noch lange gefeiert?

Müller: Mir geht es sehr, sehr gut. Ich habe nicht lange gefeiert und gegen 22 Uhr die Halle verlassen. Die Jungs haben die Nacht noch zum Tage gemacht. Das haben die sich verdient.

Wie ist Ihr aktueller Adrenalin-Pegel? Sind Sie, wie man so sagt, inzwischen runter gekommen?

Das dauert noch. Es sind nicht nur das Spiel und der Klassenerhalt die mich aufgewühlt haben.

Der Abschied war sehr emotional. Sie haben geweint. Auch Keeper Patrick Huhn. Hat sich da die besondere Beziehung ausgerückt?

Absolut. Schließlich sind „Hühnermann“, wie Patrick gerufen wird, und ich gemeinsam vor vier Jahren nach Gevelsberg gekommen, sind diese Strecke gemeinsam gegangen. Er war mehr als nur ein Spieler.

Im und neben dem Spiel?

Ja, zunächst war Patrick Huhn mein verlängerter Arm auf der Platte. Aber auch außerhalb von Spiel und Training war er da, um Probleme zu lösen. Das schweißt zusammen.

Gilt das auch für den Start in Gevelsberg, als Ihre Achillessehne gerissen war?

Da sind wir als Mannschaft richtig zusammen geschweißt. Die Jungs haben bei uns zu Hause geholfen und geräumt, wo sie nur konnten. Neben Huhn waren das vor allem die Luciano-Brüder, Hoppe, Fleischhauer und Entrich.

In einem unserer Gespräche haben Sie erwähnt, dass Ihnen Kevin Kliche und Björn Rauhaus eng ans Herz gewachsen sind. Beide haben Sie seit neun Jahren begleitet.

Beide habe ich in der Bezirksliga der B-Jugend quasi übernommen. Jetzt spielen beide wichtige Rollen in der Oberliga. Es war für mich nicht abzusehen, dass beide diese erfolgreiche Entwicklung machten. Das erfüllt mich mit Stolz.

Björn Rauhaus hat oft die Rolle eines Führungsspielers übernommen. Gleichzeitig, so ein Eindruck, gab es von der Seitenlinie viel Anregung von Ihnen als Trainer. Hat sich das widersprochen?

Nein! Denn von einem Führungsspieler verlange ich mehr, also meckere ich mehr. Björn hat irgendwann begriffen, dass ich das mache, um mehr aus ihm herauszuholen. Überhaupt hat er noch viel Entwicklungspotenzial. Er ist noch sehr jung für diese Rolle, manchmal zu jung.

Ebenso kann Kevin Kliche als Führungsspieler bezeichnet werden, wenngleich er als Kreisläufer weniger für den Spielaufbau verantwortlich ist.

Kevin zeigt auf dem Feld stets ein unglaubliche Präsenz. Er hat sich von einem Kämpfer zu einem Spieler entwickelt, der großen Respekt in der Liga genießt.

Kevin Kliche zählt auch zu den Personen, die maßgeblich an der Wiederbelebung nach Ihrem Herzinfarkt am 11. Januar 2014 war. Auch das prägt.

Ganz klar: ja. Und nicht nur deswegen freut es mich, dass er so einen Top-Werdegang im Beruf hat.

Aktuelle HSG-Spieler, die zu Ihrem Start in Gevelsberg dabei waren, sind noch Fabian Kling und mit Abstrichen Yannick Brockhaus. Sind beide ebenfalls als Stützen der Mannschaft zu sehen?

Natürlich. Mich hatte gefreut, dass Kling im Sommer 2014 doch noch bei uns geblieben und nicht gewechselt ist. Das hat ihm und der Mannschaft sehr gut getan. Brockhaus war mit etwa viermonatige Unterbrechung weg. Ich habe ihn gerne wieder in den Kader aufgenommen. Das hat er mit toller Leistung gedankt.

Allerdings gab es auch einige personelle Wechsel in der Zeit. Es gab Befürchtungen der mangelnden Identifikation. Können Sie diese Befürchtungen teilen?

Nein! Gerade der Zuspruch in den letzten Spiele haben genau das Gegenteil bewiesen. Wir haben eine unglaubliche Unterstützung erfahren.

Die am vergangenen Samstag abgelaufene Saison begann alles andere als gut. Gevelsberg stellte die jüngste Truppe, hatte viele Verletzte, wurde von vielen als Absteiger Nummer eins abgestempelt. Hat Sie das nervös gemacht?

Nicht unbedingt. Aber es stimmt, dass wir zunächst ohne Kling, Fischer, Breuker und Schrouven spielen mussten. Kliche, Bradtke und Huhn waren immer mal wieder verletzt. Kliche hat seit Oktober nicht mehr trainiert. Dazu war Akuinor nur kurz bei uns. Insgesamt sind uns immer wieder acht Spieler weggebrochen.

Aber trotzdem keine nervöse Grundstimmung?

Nein! Denn wir konnten immer in Ruhe arbeiten. Auch der Vorstand hat die Ruhe bewahrt. Außerdem hat mich beruhigt, dass wir in den vorherigen Spielzeiten immer wieder zur Rückrunde oder spätestens in den letzten Spielen stark genug wurden. Das war auch in dieser Saison so.

Dabei sah es nach dem „Abstiegs-Endspiel“ gegen Senden gar nicht so gut aus. Die Hoffnung blieb?

Natürlich! Wir hatten überdies zum Schluss das Glück, was andere Mannschaften zu Beginn der Saison hatten. Wir konnten mit komplettem Kader antreten, andere hatten mehr und mehr mit personellen Problemen zu tun. Am Ende hatten wir mehr Körner – und Glück. Außerdem haben wir immer an uns geglaubt.

In der Tat großes Glück. Schließlich gab es fremde Hilfe aus Nordhemmern und Soest, um die Liga zu halten.

Stimmt. Und ich glaube, in zehn Fällen gibt es nur einmal solches Glück.

Routiniers wie Stratenschulte oder Bradtke haben zuletzt mit die Partien bestimmt. Jüngere wie Stippel, Maschin oder Dudczak sind dagegen abgefallen. War das die Kompensation die eine erfolgreiche Saison braucht?

Das kann man so sehen. Im letzten Drittel der Saison haben die Youngster abgebaut. Doch gehen sie gestärkt aus diese und in die nächste Spielzeit.

Wie geht es in den nächsten Tagen mit Ihnen und er Mannschaft weiter?

Wir lassen die Saison aktiv und gemütlich ausklingen. Minigolf, Fußball oder gemeinsames Essen gehören dazu.

Wann geht es beim VfL Eintracht Hagen los?

Im Juni werde ich die Arbeit mit den Eintracht-Trainern Lars Hepp und Rainer Hantusch aufnehmen. Dabei müssen wir noch die Relegation zur Zweiten Bundesliga abwarten. Pfingsten sind in Dresden unsere Gegner Elbflorenz und Springe. Dann wird die Vorbereitung für die Teams geplant.

Ihr Gevelsberger Fazit?

Ich freue mich unwahrscheinlich, dass die Jungs handballerisch so weit sind und ich sie so weit ausbilden konnte.