Hans-Jürgen Hornen (63) vor seinem sportlichen Höhepunkt
11.08.2009 | 17:02 Uhr 2009-08-11T17:02:00+0200
Hans-Jürgen Hornen steht vor dem Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn. Der Fachschaftsleiter für Leichtathletik im Ennepe-Ruhr-Kreis ist bei der Weltmeisterschaft in Berlin im Team der Kampfrichter verantwortlich für alle Starts.
Seit 40 Jahren steht Hornen an der Startpistole, hat unzählige Läufer - Kinder und Jugendliche, Hobbysportler und Spitzenstars - auf der Tartan-bahn ins Rennen geschickt. „Die Weltmeisterschaft ist aber das absolut Größte”, schwärmt der 63-Jährige, der hauptberuflich als Bankkaufmann arbeitet.
«Die Koordination
ist sehr stressig. Ein
stressiger Startet ist
kein guter Starter»
Sieben Starter sind für die am Samstag beginnende Weltmeisterschaft nominiert worden, Hornen fungiert dabei als Koordinator. „Wahrscheinlich werde ich deshalb keinen Schuss selbst abgeben”, sagt er. Statt dessen teilt er die Kollegen für die Rennen ein, beordert Starterpodeste, Fahnen und Anzeigen an die richtigen Stellen und stimmt sich mit den Verantwortlichen des Fernsehens ab, damit ein Rennen nicht genau dann gestartet wird, wenn gerade ein Interview gesendet wird.
Eine Rolle, die dem Wittener durchaus vertraut ist: Denn schon 2002, bei der Europameisterschaft in München, war er Start-Koordinator. Mit dieser Erfahrung im Rücken wird Hornen aus gutem Grund nicht selbst zur Pistole greifen: „Die Koordination ist sehr stressig”, sagt er, „und ein gestresster Starter ist kein guter Starter.”
Vor allem bei den Sprints schießt das Adrenalin durch die Körper der Athleten. „Es kann dauern, bis alle ruhig in den Blöcken sitzen”, weiß Hornen. Erst dann darf aber das Kommando „fertig” kommen, danach beginnt das Spiel bis zum Schuss wieder von vorne. Geduld und Ruhe sind gefragt, denn das kann ein paar Sekunden dauern.
Der Platz an der Seite der Spitzenstars ist für Hans-Jürgen Hornen längst nichts Besonderes mehr. Viele kennt er seit vielen Jahren. So ist es nicht leicht, einen ganz be-sonderen „Schützling” zu benennen. „Donovan Bailey war kurz nach seinem Olympiasieg 1996 bei der DLV-Gala in Dortmund”, sagt er schließlich. Als Starter ist Hornen längst selbst ein wichtiges Rädchen in der Maschinerie Spitzensport.
Angefangen hat alles mit den ersten Kampfrichter-Einsätzen Ende der 1960er Jahre. 1975 wurde er schließlich in Kaiserau zum Starter ausgebildet und durfte noch im gleichen Jahr im Gelsenkirchener Parkstadion erstmals bei einer Deutschen Meisterschaft schießen: „Ich glaube, es war ein Rennen über 3 000 Meter Hindernis”, sagt Hornen heute.
Das Besondere von damals ist heute Routine. Im Terminkalender des Witteners stehen Woche für Woche Deutsche Meisterschaften und Länder-kämpfe, aber auch Kreismeis-terschaften der Kleinsten. Und weil Hans-Jürgen Hornen auch auf der Tartanbahn zu den besten westfälischen Sprintern seiner Altersklasse zählt, bekommt Ehefrau Irene ihren Mann im Sommer am Wochenende nur selten zu sehen.
«In zwei Jahren
gehe ich auch
beruflich in
den Ruhrstand»
Zwei Jahre noch, dann will Hornen kürzer treten. „Dann gehe ich beruflich in den Ruhestand”, kündigt er den doppelten Rückzug an. Auch für den Kreissportbund beginnt dann eine neue Ära: Denn seit vielen Jahren koordiniert der Wittener die Kreisauswahl der Leichtathleten für die Ruhrolympiade.
Beim Blick in die Unterlagen der vergangenen Jahre fällt ein Name besonders auf: Sina Schielke. Die mehrmalige Deutsche Meisterin und U23-Europameisterin aus Herdecke stand als Jugendliche zweimal im Aufgebot. Für die Nachwuchs-Leichtathletik im Kreis war das etwas ganz Besonderes, für Hans-Jürgen Hornen nur eine von unzähligen prominenten Begegnungen - in einer erfolgreichen Laufbahn am Rande der Laufbahn.
17:23
Herzlichen Glückwunsch
von deinem ehemaligen Sportkameraden
Wolfram Demmer