Georg Molineus ist seit 30 Jahren Tennisprofi

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Schwelm..  Georg Molineus weiß nicht, wie oft er die Frage schon beantworten musste, wenn er auf dem Tennisplatz steht: „Was machen Sie eigentlich beruflich?“ Molineus ist Profi, Tennisprofi. Seit 30 Jahren greift der inzwischen 55-Jährige beim TC Blau-Weiß Schwelm beruflich zum Schläger. Und ein wenig ist Boris Becker daran schuld, dass es soweit gekommen ist.

„Tup, tup, tup – kleine Schritte!“ „Ausholen, ausholen!“ „Koooooooomm!“ „Jetzt!“ Die Kommandos klingen energisch an diesem sommerlichen Hitzetag über die herrlich gelegenen Tennisplätze der Blau-Weißen am Haus Martfeld. Eigentlich braucht der Mensch heute keinen Sport, um Schweiß zu vergießen. Selbst der Profi legt einen Schongang ein.

Georg Molineus ist ein Trainer, der seine Schüler dazu bringen will, ihre Grenzen neu zu setzen. Er will sie aber nicht überfordern. Molineus trainiert Kinder und Rentner. Und irgendwie empfinden sie ihn alle als den Kumpeltyp. Auch wenn eine Dame sich einmal empörte: „Wenn ich soviel Geld für Ihre Stunden bezahle, dann kann ich auch verlangen, dass sie mir die Bälle genauer zuspielen.“

Eigentlich sollte Tennis das Hobby von Georg Molineus bleiben. Er wurde 1960 in Köln geboren, kam im Alter von elf Jahren nach Wuppertal-Langerfeld und ist seitdem beim TC Blau-Weiß Schwelm aktiv.

Er spielte zunächst auf der Anlage am Brunnen, später auf der neuen Anlage am Martfeld. Der Sport liegt ihm, das war schon in frühen Jahren klar. Als Jugendlicher erspielte sich Molineus den Titel des Bezirksmeisters und holte sich den des Wuppertaler Stadtmeisters gleich noch dazu. Im zarten Alter von 15 Jahren verstärkte er bereits die erste Herren-Mannschaft von Blau-Weiß.

Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre machte Molineus die Ausbildung erst zum C- und dann zum B-Trainer mit. Er arbeitete in seinem erlernten Beruf als Speditionskaufmann weiter und nebenbei gab er auch noch Tennisunterricht. 1985 verließ der damalige Trainer dann überraschend den Verein. „Mein Arbeitgeber, selbst Mitglied bei Blau-Weiß, stellte mich für den Sommer frei, um dem Verein kurzfristig zu helfen“, erinnerte sich Georg Molineus.

Am 7. Juli 1965 – also vor ziemlich genau 30 Jahren – änderte ein rothaariger 17-Jähriger Leimener beim Tennisturnier in Wimbledon aber dann nicht nur sein eigenes Leben, sondern indirekt auch das von Georg Molineus.

Der Aushilfs-Trainer wurde von der deutschen Tennis-Welle, die der historische Sieg damals ausgelöst hatte, überrollt. „Der Boom ließ kein Zurück mehr in den alten Beruf zu“, sagt Molineus. Konsequent machte der Schwelmer an der TU in München eine zwei Jahre dauernde Ausbildung zum staatlich geprüften Tennislehrer.

Den größten Teil seines bisherigen Lebens steht der 55-Jährige inzwischen schon auf dem Platz. Heute bringt er den Kindern der Jugendlichen, die er früher trainierte, das Tennisspielen bei. Es ist schwer zu sagen, wie vielen Schülerinnen und Schülern er Vor- und Rückhand, Schmetterball oder Volley, Aufschlag und Stopp näher gebracht hat. „So rund tausend“, glaubt Georg Molineus, „werden es im Laufe der vielen Jahre wohl gewesen sein.“

Der Boom, den die beiden Tennislegenden Boris Becker und Steffi Graf in Deutschland vor Jahrzehnten ausgelöst haben, ist inzwischen deutlich abgeebbt.

Georg Molineus glaubt allerdings nicht, dass die Kinder von heute kein Interesse mehr daran haben, zu Schläger und Filzball zu greifen. „Der Unterricht an den Nachmittagen in den Schulen lässt ihnen aber einfach keine Zeit mehr dazu, noch intensiv auf dem Tennisplatz zu stehen“, glaubt Georg Molineus den wahren Grund zu kennen, warum der Nachwuchs in den Sportvereinen fehlt.

Trainingseinheiten könne es oft nur noch an den späten Nachmittagen und den Samstagen geben. Auch die Mannschaftsspiele seien dadurch stark beeinträchtigt. Wer die Zeit für den Sport doch aufbringt, dem will Georg Molineus auch noch eines vermitteln – vielleicht die wichtigste Lektion: „Spaß am Sport zu haben.“