Florian Preuss verpasst WM knapp

Der Sprockhöveler Florian Preuß (Trickski Slopestyle)
Der Sprockhöveler Florian Preuß (Trickski Slopestyle)
Foto: Kim Kemper

Sprockhövel/Kreischberg..  Er ist im Trickski so etwas wie der Ennepetaler Andi Sander im alpinen Skizirkus: Der Exot in einer von Athleten aus dem Süden der Republik dominierten deutschen Mannschaft. Und ganz knapp nur hat der Sprockhöveler Florian Preuss die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im österreichischen Kreischberg verpasst. So musste er von Zuhause mit ansehen, dass die beiden deutschen Herren in der Qualifikation ausschieden. Für Preuss geht es jetzt für einen Monat nach Amerika.

So richtig rund lief es nicht in der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft. Nicht für Florian Preuss, nicht für das Team. „Drei von vier Fahrern waren verletzt“, sagt der 22 Jahre alte Sprockhövler. Ihn selber erwischte es im Trainingslager am Stubaigletscher im Oktober am linken Knie: Innenbandanriss. Erst Mitte Dezember, nach Reha und reichlich Krafttraining, kehrte der Slopestyler zurück auf die Piste.

Dabei waren die Chancen des einzigen Westfalen im Weltcup-Team gar nicht schlecht, bei der WM in Kreischberg zu starten, wo seit der vergangenen Woche die globalen Meister in den Freestyle-Disziplinen ermittelt werden. Sie waren so gut, dass am Ende ein internes Ausscheidungsrennen den Ausschlag gab. Am Ende fehlten dem talentierten Skifahrer zweieinhalb Punkte.

Ziemlich enttäuscht

„Im ersten Moment war ich ziemlich enttäuscht“, gibt Florian Preuss zu. Der junge Mann gehört zu Deutschlands besten Slopestylern, jenen lässigen Artisten, die auf Skiern alles machen – nur nicht in geordneten Bahnen die Piste hinunter zu fahren. Sie drehen sich um die vertikale oder horizontale Körperachse, greifen an die Ski, gleiten vereiste Geländer hinunter. Während der Fahrt, wohlgemerkt.

„Flo“ Preuss kann das sehr gut. Sieben Monate im Jahr fährt der Maschinenbau-Student Ski, seine Ausbildung nimmt in den Sommermonaten eine ähnliche Fahrt auf wie seine winterlichen Aktivitäten. „Eine Klausur muss ich noch schreiben“, sagt er und klingt, als habe er auch das Griff.

Denn es ging gut los nach der Verletzung. Bei der letzten Möglichkeit Anfang Januar in Kaprun FIS-Punkte zu sammeln, gewann Florian den Contest. Für die WM-Nominierung ausschlaggebend war aber schließlich eine interne Ausscheidung. Keine leichte Situation. „Da geht doch das Konkurrenzdenken los“, sagt Preuss, bei aller Leichtigkeit und allem Spaß, der sonst im Team herrscht. „Wir haben uns aber gesagt, egal, wie es ausgeht, wir akzeptieren das. Aber es war schon emotional.“

Am Ende entschieden sich die Trainer für Sebastian Geiger, der neben Benedikt Mayr nun die deutschen Farben in Kreischberg vertrat. „Die Trainer haben mit uns gesprochen. Ich habe viel dazugelernt und werde jetzt beim Weltcup in Park City wieder angreifen“, gibt sich Preuss Tage nach der für ihn negativen Entscheidung wieder kämpferisch. Zwei Wochen wird er in Colorado trainieren, zwei Wochen ist er dann in Park City. Und im März geht es zu den European Open in Laax in der Schweiz.

Schub durch Sotschi

Seit bei den Winterspielen von Sotschi im vergangenen Jahr die Slopestyler das erste Mal um Medaillen mitfahren durften, hat die noch junge Sportart einen ungeahnten Aufschwung erfahren. „Olympia war wirklich gut für uns“, sagt Preuss, der Ski fährt seit er 18 Monate alt ist. Bei Weltmeisterschaften ist sein Sport das dritte Mal dabei. Nahezu parallel zur WM, in allen anderen Sportarten wohl die wichtigste Veranstaltung, steigen die X-Games ab 22. Januar in Aspen in den USA. „Dort ist so ein hohes Niveau“, winkt Florian Preuss ab. „Da starten nur ganz wenige Europäer.“ Bei den X-Games treffen sich die besten Sportler in den verrücktesten Actionsportarten. „Aber hier sind eigentlich immer die Gleichen am Start“, sieht Florian Preuss das Ganze als eher geschlossene Gesellschaft.