Es war einfach ein großartiges Halbfinale

Des einen Freud, des anderen Leid: Wahrscheinlich hat keiner mit diesem Ergebnis gerechnet. Deutschland gewinnt mit einem unglaublichen 7:1 das Halbfinale der Fußball Weltmeisterschaft 2014 gegen Brasilien und wird wenig später Weltmeister. Ein wahres Sommermärchen.Foto:DPA
Des einen Freud, des anderen Leid: Wahrscheinlich hat keiner mit diesem Ergebnis gerechnet. Deutschland gewinnt mit einem unglaublichen 7:1 das Halbfinale der Fußball Weltmeisterschaft 2014 gegen Brasilien und wird wenig später Weltmeister. Ein wahres Sommermärchen.Foto:DPA
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Ennepe-Ruhr..  Was war das doch für ein Sommermärchen. Mario Götze traf zum 1:0 gegen Argentinien und machte damit Deutschland zum Vier-Sterne-Land. Doch Geschichte schrieb die Nationalmannschaft bereits ein Spiel zuvor: Im Halbfinale gegen Brasilien – heute vor genau einem Jahr – trafen einmal Thomas Müller, einmal Miroslav Klose, zweimal Toni Kroos, einmal Sami Khedira, zweimal André Schürrle. Es war ein regelrechtes Torgewitter. Und schließlich, in der 90. Minute, erzielte Oscar den Ehrentreffer für die Brasilianer zum 1:7-Endstand. An den Brasilianern ging das alles nicht spurlos vorüber.

Das Spiel, in dem sie die bis dahin höchste Niederlage überhaupt im Halbfinale einer Fußball Weltmeisterschaft einfahren mussten, erhielt von ihnen den Beinamen: Mineirazo – Schock von Mineirao (sinngemäß). In Deutschland dagegen: Freudentaumel. Ob mit Freunden daheim oder beim Public Viewing.

Und wie haben die Schwelmer das geschichtsträchtige Halbfinale erlebt? Unsere Redaktions machte die Stichprobe auf der Straße. „Ich war im Urlaub in Usedom“, sagt Wilfried Drake. Und eigentlich habe er ein hart umkämpftes Spiel erwartet. „Doch nach 25 Minuten war ich völlig baff.“ Zu dieser Zeit traf Sami Khedira und brachte der deutschen Nationalmannschaft die 5:0-Führung ein.

„Es war einfach ein Ergebnis, das ich niemals getippt hätte“, erzählt Adriane Hegenberg. Und hinter vorgehaltener Hand: „Eigentlich dachte ich, dass wir spätestens im Halbfinale rausfliegen.“ Wobei die 31-Jährige das Finalspiel gegen Argentinien in viel besserer und schönerer Erinnerung hat. „Ich habe bei mir in Schwelm mit Freunden geguckt und anschließend haben wir einen Abstecher zum Märkischen Platz gemacht.“

Norbert Scheer sah das Spiel beim Public Viewing in Voerde. „5:0 nach nur 30 Minuten Spielzeit – damit hat doch keiner gerechnet“, lässt er sich das Ergebnis noch einmal auf der Zunge zergehen. Und mit seinem Tipp von einem 2:0-Sieg habe er nicht annähernd richtig gelegen. Das Spiel habe ihm jedenfalls eine Menge Spaß gemacht. Ob er es in Erinnerung behält? „Na logisch!“

Manche waren von dem Torhagel richtig überrascht. „Ich war kurz im Gespräch vertieft, achtete nicht auf das Spiel und dachte schon, dass die ganze Zeit Wiederholungen der vorangegangenen Tore gezeigt wurden“, sagt Thomas Lemmen aus Hückeswagen. Das Spiel sah er bei der Hückeswagener Feuerwehr, gemeinsam mit seinem Kamerad Sören Bender. „Ich wollte beim 5:0 schon einen Korso starten“, sagt er. Direkt vor Ort in Brasilien – wenn er auch keine Karten für das Endspiel bekam – war Carsten van der See. „Ich war zu der Zeit drei Wochen in Salvador“, erzählt er. Und die Brasilianer seien noch mal eine Spur fußballverrückter als die Deutschen. „Für sie war es die ganze Zeit ein Volksfest.“

Klaus-Dieter Staak sah sich eigentlich jedes Spiel am Schwelmer Neumarkt an. „Mein Tipp war schon recht hoch und ich rechnete mit einem 5:2-Sieg für unsere Nationalmannschaft.“ Das Halbfinale sei für ihn schon ein klasse Ereignis gewesen. „Die Reaktion der Brasilianer – nach ihrem Ausscheiden – hat mich aber besonders beeindruckt. Denn als es im Finale gegen Argentinien ging, feuerten sie unsere Elf an.“