Erstmals zwei Mannschaften aus Brasilien

Freuen sich auf das Turnier (v.l.) Edgard Maba (Akademieleiter Fluminense), Luiz Felipe Santos (Trainer Fluminense), Kai Schievelbusch (Dolmetscher aus Gevelsberg), Diogo Giacomini-Schüler (Trainer Mineiro) und Turnierleiter Stephan Kirsch.
Freuen sich auf das Turnier (v.l.) Edgard Maba (Akademieleiter Fluminense), Luiz Felipe Santos (Trainer Fluminense), Kai Schievelbusch (Dolmetscher aus Gevelsberg), Diogo Giacomini-Schüler (Trainer Mineiro) und Turnierleiter Stephan Kirsch.
Foto: WP

Ennepetal/Schwelm..  Dass Borussia Dortmund und der FC Schalke 04 sich in diesem Leben noch einen Bus teilen? Da ist es wahrscheinlicher, dass Manuel Neuer mal Torschützenkönig der Bundesliga wird. Doch dass sich zwei eigentliche Konkurrenten abseits des Feldes sowohl den Flieger als auch den Bus als auch das Hotel teilen können, ohne sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, zeigen die U19-Mannschaften von Atletico Mineiro und Fluminense aus Rio de Janeiro. Beide sind brasilianische Traditonsklubs. Beide haben viele Stars hervorgebracht. Und beide nehmen in diesem Jahr am Spax-Cup in Ennepetal teil.

„Auf dem Feld wird sich nichts geschenkt“, weiß Betreuer und Dolmetscher Kai Schievelbusch zu berichten. Seit Jahren betreut der mit einer Brasilianerin verheiratete Gevelsberger Portguiesisch sprechende, meist aus dem WM-Land von 2014 kommende Mannschaften, die ihr Können beim Turnier im Bremenstadion zeigen. Doch wie die beiden Klubs aus Südamerika, die im Hotel „Haus Friedrichsbad“ in Schwelm wohnen, miteinander umgehen, das beeindruckt sogar Kai Schievelbusch. Gemeinsam seien die Mannschaften vom Turnier aus Terborg (NL) angereist. „Ohne Probleme.“

Trikottausch abgelehnt

Schievelbusch hat beim Spax-Cup schon einige Dinge miterlebt. „Im vergangenen Jahr wohnte Mineiro mit den Spielern von Galatasaray Istanbul im Hotel“, erinnert er sich, „da war vorher ausgemacht, dass man nach dem Spiel Trikots und Klamotten tauschen wollte. Danach waren die Türken aber total sauer, weil sie verloren hatten. Mit angeblich unfairen Fußballern aus Brasilien wollten sie nichts mehr zu tun haben.“ Die Spieler vom Bosporus seien daraufhin weitestgehend von den Spielern aus Mineiro ferngehalten worden.

Ganz anders läuft es in diesem Jahr. Zum ersten Mal ist es Gastgeber TuS Ennepetal gelungen, direkt zwei Teams aus Brasilien ins Bremenstadion zu holen. „Die verstehen sich sehr gut. Man unterhält sich mal so, setzt sich zusammen und bespricht auch private Dinge, die gar nichts mit Fußball zu tun haben. Die Stimmung ist gut, der Respekt ist da“, hat Kai Schievelbusch festgestellt. Auch Turnierleiter Stephan Kirsch freut das. Gemeinsam mit dem Ennepetaler Partnerturnier im niederländischen Terborg sei es immer wieder möglich, südamerikanische Hochkaräter nach Europa zu lotsen. „Für die Brasilianer haben solche Turniere wie der Spax-Cup einen hohen Stellenwert“, weiß Kirsch, „hier können sich die Spieler vor europäischen Scouts und gegen die besten Teams Europas beweisen.“ Es wäre nicht das erste Mal, dass noch während des Ennepetaler Pfingstturniers mancher Spieler aus Südamerika seinen ersten Vertrag als Profi unterschreibt.

Mineiro hat Kultstatus

Titelverteidiger Atletico Mineiro hat im Bremenstadion schon Kultstatus. Früher war, wenn die „Galos“ aus der Millionenstadt Belo Horizonte selbst nicht spielen mussten, stets zu hören, ob sie im Stadion waren oder nicht. „Aber die Zeit, in der die Spieler mit Trommeln und Rasseln unterwegs waren, ist vorbei“, sagt Kai Schievelbusch grinsend. Schuld sei die Erfindung des Smartphones. „Ich bin sicher“, sagt Schievelbusch, „wenn man damit auch Trommelmusik machen oder es gegen die Wand hauen könnte, dann wäre das anders. Aber so sind die Spieler froh, wenn sie Internet haben und mit der Heimat kommunizieren können.“ Das „Samba-Gefühl“ ergreift einen dennoch, wenn man mit den höflichen und aufgeschlossenen Brasilianern ins Gespräch kommt. Die berühmte Lebensfreude springt schnell über.

Hoher Stellenwert

„Für uns hat der Spax-Cup in Ennepetal eine ganz hohe Wichtigkeit“, sagt Atleticos Akademie-Leiter André Figueiredo, während er in der Lobby des Schwelmer Hotels sitzt. Für Mineiro ist das „Haus Friedrichsbad“ wie eine deutsche Heimat geworden, schließlich kehren sie beinahe jährlich hierher zurück. Zum siebten Mal sind die Schwarz-Weißen dabei, dreimal durften sie den Spax-Wanderpokal mit nach Hause nehmen. In diesem Jahr ist sogar der neue Vereinspräsident Daniel Nepomuceno der Mannschaft nachgereist, um auch mal in Ennepetal vorbeizuschauen. Schon sein mittlerweile verstorbener Vater war mit den „Galos“ an der Ennepe und zeigte sich vom Land und vor allem vom Turnier begeistert. „Es ist bei Mineiro wohl noch nie vorgekommen, dass ein Präsident mit dem Jugendteam zu einem Turnier kommt“, freut sich Stephan Kirsch auf den hohen Besuch, der die Anerkennung für das U19-Turnier zeige.

Fluminense will den Pott

Wer die besseren Brasilianer seien, das vermag Luiz Felipe Santos, Trainer von Fluminense, nicht so ganz zu sagen. Im niederländischen Terborg holten seine „Tricolores“ den Turniersieg, Mineiro wurde Dritter. „Ich hoffe, dass beide Mannschaften zeigen, dass wir in Brasilien auch guten Fußball spielen“, sagt Santos. Dass Deutschland im Fluminense-Stadion, dem berühmten „Maracanã“, Weltmeister wurde, sei natürlich eine zusätzliche Motivation. „Unsere Nationen haben international viel für den Fußball getan. Ich wünsche mir, dass man das auch beim Spax-Cup sieht.“ Eine Konkurrenz zu Atletico Mineiro sei da. Aber das auch nur auf dem Rasen. „Das sind zwei der etabliertesten und angesehensten Teams unseres Landes“, schwärmt Luiz Felipe Santos, „ich bin sicher, dass wir tollen Fußball zeigen können.“ Dass seine Jungs natürlich den „Pott“ mit nach Rio de Janeiro nehmen wollen, sei klar.

Doch vielmehr reize es den Turnierneuling, sich mit den besten Nachwuchsakademien Europas zu messen. Vor allem auf Borussia Dortmund sei er gespannt. „Ich denke, dass wir mit unserer Spielphilosophie überzeugen werden“, sagt Santos, ehe er, nachdem Betreuer Kai Schievelbusch es ihm zugeflüstert hat, auf Deutsch sagt: „Wir freuen uns auf den Spax-Cup in Ennepetal.“