Ein Befreiungsschlag zum Saisonauftakt

Andreas Sander bei der WM in Beaver Creek.
Andreas Sander bei der WM in Beaver Creek.
Foto: dpa

Ennepetal/Oberstdorf..  Seit einigen Jahren ist es gute Tradition, dass wir im späten Frühjahr mit dem Ennepetaler Skiprofi Andreas Sander auf die Saison zurückblicken. Er stand uns Rede und Anwort.

Im Frühjahr 2014 wurde viel über die deutschen Abfahrer geredet, teils sogar die Auflösung der Mannschaft gefordert. Beschäftigte Dich das?

Andreas Sander: Natürlich beschäftigt man sich mit dem Thema. Ich bin alle möglichen Konstellationen schon einmal im Kopf durchgegangen und habe mir überlegt, was ich machen würde, wenn es wirklich zu einer Auflösung unseres Teams kommt. Als dann bekannt wurde, dass Matthias Berthold neuer Cheftrainer wird und er sich stark für das Abfahrtsteam eingesetzt hat, waren die ersten Gedankengänge schnell weg und ich habe mich auf die neue Vorbereitung gefreut.

Du hast den Trainerwechsel angesprochen. War das der Grund für Deinen nicht zu übersehenden Aufschwung?

Ja, das kann man, denke ich, schon so sagen. Auch wenn es bei mir noch etwas andere Gründe gab. Kurz nach Bekanntgabe des neuen Cheftrainers Matthias Berthold stand auch fest, dass wir einen neuen Abfahrtstrainer bekommen werden. Das wurde Christian Schwaiger, der ehemalige Trainer von Maria Höfl-Riesch. Nachdem ich dann Mitte Juni, nach einer Arthroskopie im April, wieder einsatzfähig war, ging für mich eine Vorbereitung mit vielen Veränderungen zu den Vorjahren los. Dies war dann der Beginn der Trendwende.

Bei den Auftaktrennen in Nord-Amerika hast Du nach einer gefühlten Ewigkeit erstmals wieder Punkte geholt. War das ein Befreiungsschlag?

Ja , das war im wahrsten Sinne des Wortes ein Bereifungsschlag. Nach den zwei schwierigen Wintern mit der Kreuzband-Verletzung und weiteren Knieproblemen war das ein sehr schöner Saisonstart. Besonders wichtig war, dass wir als ganzes Team einen deutlich besseren Saisonstart hatten als in den letzten Jahren.

Während Gröden weniger gut lief, hast Du dann in Santa Caterina ein erstes Ausrufezeichen gesetzt, bist dann aber nicht in Wengen gefahren. Wieso dieser Sonderweg?

Die ersten Rennen haben leider schon gezeigt wie der Rest des Winters weiter gehen würde. Es waren zwar einige gute Leistungen dabei, jedoch fehlte es etwas an der Konstanz. Dies war zwar nicht nur auf die hohe Startnummer zurückzuführen, jedoch war dies ein kleiner Grund dafür. Somit habe ich mich in Absprache mit dem Trainerteam dazu entschlossen in Altenmarkt bei den Europacup-Abfahrten an den Start zu gehen. Das Ziel dabei war es, meine FIS-Punkte zu verbessern und damit eine bessere Startnummer im Weltcup zu bekommen. Mit dem zweiten Platz in Altenmarkt ist mir das dann zum Glück auch gelungen.

Dann kam Platz 16 in Kitzbühel – immerhin auf der Piste, die einem den größten Mut abverlangt. Spürt man dann eine besondere Genugtuung?

Ja, das spürt man natürlich auch. Aber für mich war es einfach schön zu sehen wie ich mich im Verlauf der Saison entwickelt habe und dass ich auf dem richtigen Weg bin. Der Podestplatz im Europacup hat mir das nötige Selbstbewusstsein zurückgegeben – kurz vor Kitzbühel genau zum richtigen Zeitpunkt.

Im Februar dann der WM-Start. Wie zufrieden warst Du mit Deiner zweiten WM?

Ich war zunächst einmal sehr glücklich bei der WM dabei zu sein. Dies war allerdings nicht das große Ziel, sondern ich wollte möglichst bei der WM mein bestes Karriereresultat erzielen. Mit Platz 17 in der Abfahrt ist es mir leider nicht ganz gelungen. Doch am Ende war die WM immerhin zufriedenstellend, da ich in allen drei Speed-Läufen, Abfahrt, Super-G und Kombinationsabfahrt, eine konstante Leistung gezeigt habe.

Der Rest der Weltcup-Saison in Garmisch und Kvitfjell war dann eher durchwachsen. Hast Du inzwischen eine Erklärung dafür?

Leider nicht. Das waren auch für mich zwei schwierige Wochen, weil ich besonders in Garmisch in der besten Form meiner Karriere war. Ich habe es leider nur in den beiden Trainings zeigen können und nicht im Rennen.

Zum Schluss der Saison hast Du dann Deinen ersten Europacup gewonnen. Mit Startnummer 1 zum Sieg: Sicherlich ein ganz besonderer Erfolg?

Ja, ich war super erleichtert, dass die Saison mit einem so schönen Sieg zu Ende gegangen ist. Es tut immer gut ein Rennen zu gewinnen, und für mich war es ein super Moment, um die Saison zu beenden. Diesem Sieg war ich zuvor schon zweimal mit zweiten Plätzen sehr nahe gewesen.

Die Saison ist vorbei, auf den Gletschern liegt noch Schnee. Bist Du bereits wieder beim Skitraining?

Nein, leider noch nicht. Ich war noch bis Ende Mai in Hannover bei der Bundeswehr und habe dort meinen Laufbahnlehrgang zum Feldwebel absolviert. Dies gehört natürlich auch zu meinen Pflichten als Sportsoldat. Im Juni werde ich dann wieder mit dem Team zu Schnee- und Konditionslehrgängen fahren.

Gibt es für die Vorbereitung besondere Punkte, an denen Du arbeiten möchtest?

Ja, das werden aber ähnliche Punkte wie in der letzten Vorbereitung sein. Ich werde besonders im August und September an meiner Skitechnik im Riesenslalom und Super-G arbeiten. Danach werde ich versuchen viele gleichmäßige Läufe auf einem hohen Niveau zu fahren und somit hoffentlich konstanter meine Leistung im kommenden Winter abrufen können.

Die nächste Saison ist eine ohne WM und Olympia. Wo liegen dann Deine Ziele?

In der Abfahrt werde ich zu Saisonbeginn versuchen mich in die Top 30 der Weltrangliste zu fahren um mich dann mit Top 15-Platzierungen dort zu behaupten. Im Super-G werde ich dafür eventuell etwas länger brauchen. Aber genau wie in der Abfahrt werde ich versuchen am Saisonende unter den besten 30 zu stehen. Noch wichtiger für mich wird aber eine konstante Leistung über die gesamte Saison sein.