Als Peiniger den Vorsitz übernahm, stand das Turnier vor dem Aus

Dr. Michael Peiniger
Dr. Michael Peiniger
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Ennepetal..  Als er vor 18 Jahren den Vorsitz des TuS Ennepetal übernahm, stand das internationale Pfingstturnier vor dem Aus. Mittlerweile hat sich der Wettstreit der hochklassigen Fußball-A-Junioren zu einem der besten Turniere Deutschland, vielleicht sogar Europas gemausert. Im kommenden Frühjahr stellt sich Dr. Michael Peiniger nicht mehr zur Wahl als Vorsitzender.

Überhaupt sei der TuS Ennepetal zum Zeitpunkt seiner Wahl zum Vorsitzenden herunter gewirtschaftet gewesen. Die Erste dümpelte in der Kreisklasse, mit der Jugend war auch nicht viel los. Glück für die Klutertstädter, dass seinerzeit Paul Daus den Unternehmer überzeugen konnte, zu kandidieren, sich wählen zu lassen.

Zu seiner Turnierpremiere in 1998 gab es im Finale das Derby von Dortmund gegen Schalke, welches die Borussia gewannt. Die U18 aus der Ukraine wurde Dritter vor Southampton. Thomas Oettinghaus war noch Turnierleiter, wollte aufhören, hatte sich bereit erklärt noch ein weiteres Jahr dran zu hängen.

Nur Wetter ist nicht vorher zu sehen

„Das Aus des Turniers war geplant“, erinnert sich Peiniger. So begann der Ennepetaler mit dem Verein, mit dem Turnier bei Null. „Das Niveau war damals längst nicht da, wo wir jetzt sind“, so Peiniger zur Entwicklung der letzten 18 Jahre. „Mittlerweile passiert außer mit dem Wetter nichts Unvorhergesehenes mehr“, stellt er fest. Gemeint ist, dass das Turnier aus festen wirtschaftlichen Beinen nach und nach gestellt werden konnte – vor allem mit Hilfe von Spax aus dem Ennepetaler Hause ABC. Allerdings: Der Kontrakt mit dem Schrauben-Unternehmen läuft noch bis zum kommenden Jahr. Das nächste Turnier, die 43. Auflage, ist gesichert. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Und mit dieser Aussicht richtet Michael Peiniger den Blick in die Zukunft, für die er einen Generationswechsel anstrebt. Wobei er dem Verein helfen will, diese zu bewerkstelligen. Denn er will und wird sich nicht ganz zurück ziehen. Er will und wird seine Erfahrungen in weitere Turnierplanungen mit einfließen lassen. Allen voran mit den bisherigen Mit-Verantwortlichen Stephan Kirsch („Er hat ein unglaublich großes Netzwerk mit hundert potenziellen Mannschaften.“) und Thorsten Rottmann an der Spitze sowie seiner Frau Angelika, die im „Sekretariat“ unglaublich viel leiste.

Substanzielle Änderung nötig

Wenn er, Peiniger, nicht mehr in der Verantwortung als Vorsitzender stehe, habe er mehr Zeit, sich fürs Turnier einzubringen. „Aber wir müssen unser Engagement substanziell ändern und müssen noch professioneller werde.“ Das macht Peiniger vor allem an der Hochklassigkeit der teilnehmenden Mannschaften und deren Stars von morgen fest. „Es ist einfach einmalig, dass ein Spieler wie Max Meyer vor zwei Jahren bei uns kostenlos aufläuft“, so Peiniger, der dies nicht für selbstverständlich hält. Peiniger: „Es wird deutlich schwieriger werden, dieses Turnier künftig auf die Beine zu stellen. Aber grundsätzlich können wir das stemmen.“

Vieles hänge auch damit zusammen, dass die Beanspruchung der U19-Spieler immer größer werde. Meisterschaft, Pokal und die Champions-League für den Nachwuchs sorgten dafür. Beispiel: FC Schalke 04. Die Knappen nehmen nicht teil, weil sie Pfingstmontag im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft stehen. „Auch wenn sie nicht so weit gekommen wären, hätten sie in Ennepetal ausgesetzt“, weiß Peiniger. „Schalke wollte einfach eine Pause machen, um zu regenerieren.“

Zunehmender Kommerz

„Wir sind schon irgendwie verrückt, dass wir damals das Turnier weiter gemacht haben und dafür gesorgt haben, dass es sich so entwickelt hat“, so Peiniger. Verrückt, weil die vielen Helferinnen und Helfer sich bis zur Schmerzgrenze engagieren. „Alle ehrenamtlich, das ist einmalig klasse“, lobt Peiniger. Er hoffe, dass es weiter gehe. „Man braucht eine große Portion optimistischer Naivität“, beschreibt Peiniger eine Voraussetzung für weiteres Engagement künftiger Verantwortlicher sowie Helferinnen und Helfer.

Ein Grund für die anstehenden Schwierigkeiten sieht Peiniger in der zunehmenden Kommerzialisierung und der größer werdenden Turnier-Konkurrenz wie in Katar. „Wir stellen uns gerne dieser Konkurrenz“, sagt er. „Aber ich fürchte, dass starke Mannschaften und starke Spieler irgendwann nur noch gegen ein Startgeld antreten werden.“

Das „Catering“ outsorcen?

Ein weiterer Punkt sei das ehrenamtliche Engagement im TuS Ennepetal. „Wir haben einen Rückgang ehrenamtlicher Helfer“, weiß Peiniger zu beobachten. Vor allem der Verkauf von Getränken, Wurst und Pommes betrifft dies – eine der Haupteinnahmequellen. „Vielleicht müssen wir überlegen, dieses Catering in Lizenz abzugeben. Dann brauchen wir aber andere finanzielle Quellen“, so Peiniger.

Eine schwere Bürde für seine Nachfolger in Sachen Spax-Turnier? „Das hängt vom neuen Vorstand ab“, so Michael Peiniger. „Für mich ist aber klar, dass wir uns substanziell und strukturell verändern müssen. Nicht auf einmal, sondern Schritt für Schritt.“ Und wenn dies nicht gelinge, muss man eben einsehen, dass es dies war. Dennoch blickt Michael Peiniger zuversichtlich nach vorne. „Schließlich macht dies alles hier einen riesigen Spaß. Das ist einfach eine geile Geschichte.“ Zumal der Spax-Cup einen außerordentlichen Identifikations-Fakor in Ennepetal und Umgebung habe.