Yvonne Kampmann setzt aufs Bauchgefühl

Am Niederrhein..  „Und jetzt spielen wir ’ne Runde?“ Yvonne Kampmann möchte ihren Sport nicht nur mit Worten, sondern auch Taten vorstellen. Nicht um anzugeben, sondern um andere Leute mit ihrer Begeisterung für Poolbillard, Snooker oder auch Karambol anzustecken. Dass Kampmann mit dem Queue umgehen kann, muss sie niemandem mehr beweisen. Als Starterin des 1. PBSC Wesel kehrte sie von den deutschen Meisterschaften mit der Silbermedaille im 8-Ball der Ladies zurück. Für den BC SB Horst-Emscher ging sie in Bad Wildungen an die Snookertische und gewann Bronze.

Vor 20 Jahren hat die in Mülheim aufgewachsene Frohnatur auf Anregung eines Arbeitskollegen mit dem Poolbillard angefangen, knapp fünf Jahre später kam „per Zufall“ auch noch Snooker dazu. Fortan genoss die technisch noch etwas anspruchsvollere Variante des Spiels bei ihr Priorität, schnell stellten sich die Erfolge ein. 2000, 2003, 2006 und 2009 landete sie bei den deutschen Snooker-Meisterschaften jeweils auf Platz drei. 2004 wurde sie Vizemeisterin, was sogar EM- und WM-Teilnahmen zur Folge hatte.

„Man kann Alltagsprobleme vergessen, unheimlich gut abschalten“, erläutert die „Snookerlady“ ihre Leidenschaft für das taktische Spiel mit den Kugeln auf dem Filztuch. „Mich fasziniert die Präzision, vielleicht auch der Versuch, die Physik zu kontrollieren.“ Kontrolle – auch über den Kopf. „Da spielt sich ganz viel ab. Als der Schiedsrichter auf einem Snooker-Turnier bei meinem Break ‚49’ sagte, habe ich prompt die nächste Rote verschossen. 50 wäre meine neue Höchstserie gewesen und ich hatte angefangen, darüber nachzudenken.“

Lieber als auf ihren Kopf hört die PBSC-Akteurin ohnehin auf ihren Bauch. „Manchmal werde ich gefragt, warum ich einen Ball genau so gespielt hätte. Häufig kann ich nur sagen: weil ich es mir zugetraut habe – ein Bauchgefühl eben.“

Materialschlacht auch am Tisch

Yvonne Kampmanns Queue – wegen des Herstellerlogos „Katze“ genannt – kostet um die 400 Euro, Anfänger werden mit Queues im zweistelligen Preisbereich glücklich. In Sachen Ausrüstung hat die Materialschlacht aber auch vor dem Billard nicht haltgemacht. „Gerade durch individuelle Verzierungen sind die Grenzen nach oben offen. Aber die 20 Euro für diese neue Kreide lohnen sich. Da muss man nicht mehr wie früher nach jedem Stoß nachkreiden“, so die Preisträgerin. „Siliciumdioxid“, beantwortet der PBSC-Vorsitzende Frank Heun die Frage nach dem Material.

Die Fähigkeiten der Stars, von denen es besonders im Snooker einige gibt, kann man seit vielen Jahren im Fernsehen bestaunen. Gerade auf den britischen Inseln sind die Spieler nicht nur Fachleuten bekannt. „Ich habe sportlich aber keine Vorbilder und wüsste auch nicht, ob ich Ronnie O’Sullivan erkennen würde, wenn er an mir vorbei liefe“, sagt Kampmann und hakt dieses Thema schnell ab. Der einfache Grund: „Seit meinem Auszug von zu Hause mit 20 Jahren habe ich keinen Fernseher mehr.“

Angesichts ihres vollgepackten Terminkalenders ist der Verzicht auf die „Glotze“ nur allzu verständlich. Die Angestellte eines Mülheimer Versorgungsunternehmens ist seit acht Jahren Snooker-Sportwartin und -Jugendsportwartin im NRW-Verband, dort für den Spielbetrieb zuständig und war in den letzten zwei Jahren zudem Vizepräsidentin für Kommunikation und Marketing der Deutschen Billard Union, dem nationalen Dachverband.

Schon lange gewandeltes Image

Aus der eigenen Erfahrung, dass ambitionierte Spieler kaum gute Fotos von sich am Tisch haben, um beispielsweise die Lokalpresse zu bedienen, kam das Fotografieren dazu. „Mittlerweile verwenden so einige Leute meine Bilder in sozialen Netzwerken als Profilbild.“

Bei aller Liebe für ihren Sport und die „tolle Gemeinschaft, auch im Wettkampf“ genießt Yvonne Kampmann ein weiteres Hobby. Seit sie vor fast drei Jahren von Dinslaken nach Voerde umgezogen und deshalb auch zum 1. PBSC Wesel gewechselt ist, hat sie unregelmäßig über ihren Vermieter die Möglichkeit, mal wieder auf eine Kutsche zu steigen. „Das macht sehr viel Spaß und ist zudem an der frischen Luft“, schwärmt sie. „Ich habe als Jugendliche das Fahrabzeichen in Bronze gemacht und freue mich immer wieder, ab und zu eine Runde fahren oder mitfahren zu können.“

Oder auf die nächste Runde am Billardtisch.