Vorbereitung wird zur Farce

Foto: Sahara Force India NRZ
Was wir bereits wissen
Formel 1. Bei Force India sieht es alles andere als rosig aus. Wann Nico Hülkenberg das erste Mal in diesem Jahr ins Cockpit steigt, ist zurzeit vollkommen ungewiss. Immerhin laufen Tests im Windkanal

Emmerich..  Einmal war Force India in diesem Jahr ganz vorne. Als erstes Formel 1-Team stellten die Inder ihren Boliden für die Saison 2015 in Mexiko vor. Dort sitzt einer der Großsponsoren. Zudem ist das lateinamerikanische Land auch die Heimat von Nico Hülkenbergs Teamkollegen Sergio „Checo“ Perez. Doch seit der Enthüllung des VJM08 ist mächtig Sand ins Getriebe gekommen. Der ursprünglich terminierte Zeitplan ist vollkommen aus den Fugen geraten.

Besonders besorgniserregend: Aus der Force India-Zentrale in Silverstone kommen seit Wochen keine klaren Aussagen. Viele verschleiernde Worten bilden daher auch einen perfekten Nährboden für Spekulationen. Dass Force India ein Rennstall ist, der finanziell nicht auf Rosen gebetet ist, bleibt ein offenes Geheimnis. Doch im Moment könnte sich das Team in einer existenzbedrohenden Lage befinden.

Das behauptet zumindestens das Fachmagazin Motorsport-Total. So sollen einige Zulieferer ihre Zusammenarbeit mit Force India vorübergehend beendet haben, wegen offener Rechnungen in Millionenhöhe. So soll unter anderem bei Toyota in Köln, wo die Inder den Windkanal nutzen, eine siebenstellige Summe ausständig sein. Gerade die Nutzung des ultramodernen Windkanals wurde im vergangenen Jahr noch als der große Pluspunkt für diese Saison gesehen. Zudem scheint auch der Kohlefaser-Hersteller EPM Technology noch auf Geld zu warten. Angeblich verweigert EPM die Auslieferung des Monocoques. Die Folge: Das Herzstück des Wagens, neben dem Motor versteht sich, fehlt. „Es gibt keine Schulden bei unserem Lieferanten“, widerspricht Force India-Sportdirektor Otmar Szafnauer den Gerüchten.

Doch Fakt ist: Es gab lange auch kein neues Chassis. Wieso? Gegenüber dem Fachblatt Auto, Motor und Sport sagt Szafnauer, dass es Lieferschwierigkeiten gab, weil EPM mittlerweile so viele neue Aufträge aus der IndyCar- und Sportwagenszene bekommt, dass die alte Produktionsstätte aus allen Nähten platzte. Nun sei das Unternehmen im Winter umgezogen. Bei diesem Umzug seien Maschinen beschädigt und neue offenbar nicht fristgerecht angeliefert worden. Das Chassis für den neuen Force India hatte Anfang Dezember Termin. Als es am Ende des Monats wegen der genannten Probleme noch immer nicht fertig war, musste sich der Rennstall um Ersatz bemühen.

Keine Schulden bei Mercedes

„Ausgerechnet zu einer Zeit in der diese Firmen Hochkonjunktur haben. Wir mussten zwei weitere Wochen auf einen Slot warten“, erklärt Szafnauer das Problem. Deshalb traf das neue Chassis erst vor gut zwei Wochen in der Fabrik in Silverstone ein.

Beistand erhält Force India im Übrigen von Niki Lauda. Der Aufsichtsrat vom aktuellen Weltmeister Mercedes GP bestätigte am Rande der Testfahrten in Jerez: „Wir haben unser Geld von Force India für 2014 bekommen.“ Denn sowohl Mercedes als auch der Hersteller der Tanks (die Firma ATL besitzt hier ein Monopol) geben den Kunden nur wenig Spielraum. ATL setzt nach schlechten Erfahrungen mittlerweile sogar auf Vorkasse.

Doch durch die vielen Verzögerungen wird Force India in keinem Fall an der zweiten Testwoche in Barcelona mit dem neuen Auto teilnehmen können.

„Der Verzicht auf Jerez fiel uns nicht schwer. Auf der Rennstrecke lernst du nicht viel. Dass wir die erste Testwoche in Barcelona sausen lassen müssen, schmerzt uns mehr“, wird Szafnauer zitiert. Deshalb sollen die Stammpiloten und ein Testfahrer auf dem Vorjahresmodell wenigstens die neuen Reifen kennenlernen, hieß es dazu zunächst noch in der vergangenen Woche.

Doch Robert Fernley, stellvertretender Teamchef bei Force India, sprach kurz danach davon, dass es keine Teilnahme an der zweiten Testwoche geben wird. Und selbst die Abschlusstests, ebenfalls in Barcelona, sind nicht gesichert. Ob es vom 26. Februar bis zum 1. März eine komplette Teilnahme gibt, steht in den Sternen. Offen sei, wie viel von diesem Test bestritten werden könne, erklärte Fernley beim britischen Sender BBC.