Pressing ist der nächste Schritt

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Was wir bereits wissen
Nach Platz drei in der abgelaufenen Saison will der SV Vrasselt auch in der kommenden Spielzeit in der Bezirksliga oben mitspielen. Auswärtsspiele im Ruhrpott sind für viele Spieler Neuland.

Vrasselt..  Der SV Vrasselt hat in der vergangenen Spielzeit am Aufstieg geschnuppert. Im Endeffekt schlossen die Blau-Weißen aus dem Emmericher Süden die Saison auf dem dritten Tabellenplatz ab. „Das kann natürlich auch Begehrlichkeiten wecken“, weiß auch Coach Sascha Brouwer. Das Wort Aufstieg nimmt der 40-Jährige zwar nicht in den Mund, aber das Saisonziel ist trotzdem ehrgeizig gesteckt. „Wir wollen oben mitspielen“, sagt Brouwer kurz und knapp.

Ob das gelingt, steht in den Sternen. Denn auch die Verantwortlichen rund ums Stadion Dreikönige wissen nicht, wie sie die neu eingeteilte Bezirksliga-Gruppe 6 einordnen müssen. „Ich denke, erst nach etwa zehn Spieltagen wird sich herauskristallisieren, welche Mannschaften oben dabei sein werden“, meint Brouwer, der als Aufstiegsfavoriten die SV 08/29 Friedrichsfeld und Adler Osterfeld nennt.

Die vielen Fahrten ins Ruhrgebiet sind für den Vrasselter Trainer aber keineswegs unangenehme Aufgaben. Im Gegenteil. Vielmehr können die Spieler dort Erfahrungen im Seniorenbereich sammeln, die sie bisher gegen Mannschaften vom Unteren Niederrhein so noch nicht gemacht haben. „Da wird es schon anders zur Sache gehen“, ist sich der Übungsleiter sicher, der selbst zu Beginn seiner Laufbahn beim SVV häufig gegen Teams aus Oberhausen oder Duisburg antrat. Die Befürchtung, dass auswärts zukünftig oft auf Asche angetreten wird, wischt der Coach weg: „Das ist doch Schnee von gestern. Mittlerweile haben die meisten Vereine im Ruhrgebiet doch Platzanlagen, auf denen es Kunstrasenplätze gibt.“

Schwäche bei Standards

Apropos Kunstrasen. Nach der ersten Saison auf dem künstlichen Grün hat sich der Natur-Rasenplatz im Stadion Dreikönige zu einer Fläche entwickelt, die auch Greenkeeper auf Golfplätzen vor Neid erblassen lässt. Unlängst wurde noch mal extra Sand aufgetragen, was auch für die Fläche direkt vor dem Vereinsheim gilt, so dass auch dort Trainingseinheiten abgehalten werden können. Die Vrasselter werden aber auch weiterhin in die Infrastruktur investieren. So ist angedacht, dass eine kleine Flutlichtanlage am hinteren Teil der Platzanlage installiert wird, um die dortige Rasenfläche im Winter ebenfalls als Übungsgrund zu nutzen.

Bereits seit knapp einer Woche läuft das Training beim Südstaatenclub. Der 22 Mann starke Kader wird in intensiven Einheiten auf die 32 Saisonspiele vorbereitet. Unter anderem steht an diesem Wochenende auch ein Trainingslager im niederländischen Braamt an. Dort wird auch auf das so genannte Teambuilding gesetzt – mit Paintball und Kanufahrten.

Einen Systemwechsel wird Brouwer, der in der kommenden Saison weiterhin von Co-Trainer Markus Urselmans und Torwarttrainer Marcel Meisters unterstütz wird, nicht vornehmen. Das gewohnte 4-5-1, was auch zu einem 4-2-3-1 werden kann, bleibt erhalten. Dennoch möchte das Trainerteam spielerisch einen Schritt nach vorne machen. Während der SVV bisher immer aus einer gesicherten Deckung agiert hat, will Brouwer nun bei Bedarf auch auf ein aggressives Pressing umstellen. Darauf wird auch in den Trainingseinheiten besonders Wert gelegt. „Die Umstellung auf das Pressing ist sicherlich genauso trainingsintensiv wie damals, als wir die Viererkette eingeführt haben“, sagt der SVV-Coach. Nichtsdestotrotz hält sich Brouwer auch die Türe offen, dass man zur alten Spielweise zurückkehren kann, sollte das Pressing nicht wie gewünscht funktionieren.

Die vergangene Saison wurde zudem am Stadion Dreikönige aufgearbeitet. Die Zielvorgabe – das die Defensive sicherer stehen muss – wurde zum Großteil erfüllt. Aber ein Manko ist dem Trainerteam sauer aufgestoßen. Der SV Vrasselt hat überdurchschnittlich viele Tore nach Standardsituationen kassiert. Eine Tatsache, die zunächst verwundert. Schließlich verfügt der SVV mit Luca Pollmann über einen herausragenden Torhüter und hat obendrein etliche gute Kopfballspieler in seinen Reihen. Dennoch sagt Brouwer: „Die vielen Gegentore nach Standards waren extrem auffällig. Es gab ganz viele zweite Bälle, wo wir nicht wach genug waren.“ Diese Konzentrationsschwächen gelte es abzustellen.

Neuzugänge aus der eigenen Jugend

Während bei der Konzentration noch Luft nach oben ist, bewertet der Übungsleiter die Konditionswerte seines Teams hingegen als sehr gut. Dies habe sich auch daran gezeigt, dass man Spiele in der zweiten Hälfte noch drehen konnte.

Der SV Vrasselt will in der anstehenden Saison wieder mit einer eingespielten Mannschaft punkten. Mal abgesehen von Karlo Rempe, der eher sporadische Einsätze in der Bezirksliga hatte, gibt es keinerlei Abgänge. Groß zugeschlagen auf dem Transfermarkt hat der SVV auch nicht. Vielmehr profitiert der Verein nun von seiner engagierten Jugendarbeit, die Brouwer vor einigen Jahren federführend mit Wolfgang Nitsche angestoßen hat. So rücken aus der eigenen Jugend Domenic Langanke, Niklas Weyenberg und Lennard Derksen in den Kader der ersten Mannschaft. Mit Nils Rütjes und Rainer Offergeld werden zwei A-Jugendliche frühzeitig zu Senioren erklärt. Als weiterer Torhüter konnte Dominic Trarbach gewonnen werden, der zuletzt wegen einer Verletzung eine längere Pause einlegen musste.

Dass einer der Neuzugänge sich auf Anhieb einen Stammplatz erobern wird, ist laut Brouwer nicht ausgeschlossen. „Alle Spieler haben die gleiche Chance. Es hängt aber natürlich von der Leistung ab“, so Brouwer. „Die neuen Spieler im Kader haben aber in jedem Fall alle das Potenzial für die Bezirksliga.“

Brouwer selbst, der zurzeit eine Fußverletzung auskuriert, möchte sich noch mehr dem Coaching widmen, schließt aber auch nicht aus, dass die SVV-Anhänger ihn in der kommenden Saison auf dem Feld sehen werden. „Ich werde mich in jedem Fall fit halten“, so der 40-Jährige.