Nachbarn gehen jetzt gemeinsam auf Torejagd

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Max Kruse verfolgt das Training der Mannschaftskameraden in der Sporthalle vom Rand aus. Eine Erkältung zwingt den 16-Jährigen zum Zuschauen. Anspielungen auf seinen prominenten Namensvetter kennt der Bienener schon. „Ich bin Schalke-Fan“, entgegnet Kruse sofort, als das Gespräch auf den Nationalspieler von Borussia Mönchengladbach kommt. Durchaus vergleichbar sind die Rollen auf dem Platz. Wie der Bundesliga-Profi ist der Nachwuchskicker ein offensiver Mittelfeldspieler mit Stürmer-Blut.

Als Kapitän führt Kruse seine B-Jugend-Mannschaft in dieser Saison aufs Feld. Die setzt sich aus Spielern von zwei Vereinen zusammen: BW Bienen und der RSV Praest haben beschlossen, im Nachwuchsbereich Spielgemeinschaften zu bilden. Die neue Truppe aus dem Emmericher Süden und dem Reeser Norden hat die erste Serie in der Kreisklasse dominiert und sich mit 72 Toren in acht Partien als echte Torfabrik präsentiert. „Die Offensive ist unsere Stärke“, unterstreicht Max Kruse. In der Rückrunde nimmt das Team nun den Aufstieg in die Leistungsklasse in Angriff – der ist inzwischen im Kreis 11 auch als Spielgemeinschaft möglich.

Dass es auch in anderen Vereinen längst nicht mehr so gut um den Nachwuchs bestellt ist, haben die bisherigen Partien der JSG Praest/Bienen gezeigt, in denen die Gegner größtenteils nur als Achter-Mannschaft angetreten sind. „Und die geburtenschwachen Jahrgänge kommen erst noch“, bekräftigt Steven Sehm, der die B-Junioren zusammen mit Benedikt Ising betreut.

Positive Testphase

Sehm ist auch als Jugendleiter beim RSV Praest tätig und hatte die Initiative in punkto Spielgemeinschaft ergriffen. In Bienen stieß er beim Jugendvorstand mit Leiterin Petra Baumann und Geschäftsführerin Natalie Holzum auf offene Ohren. Und nach mehreren Gesprächen stand fest: Es gibt grünes Licht für die „Fusion“ der schwarz-gelben und der blau-weißen Nachwuchskicker. In der vergangenen Saison probten zunächst die C- und die D-Junioren den Zusammenschluss. Mit Erfolg. Inzwischen haben die A-, B-, E- und F-Junioren nachgezogen. „Die Eltern sind erst skeptisch gewesen. Für die Kinder bedeutet das ja oft weitere Wege“, nennt Sehm einen Knackpunkt. „Das ist aber inzwischen kein Thema mehr. Die Resonanz ist durchweg positiv. Bisher haben wir alle nur gewonnen“.

Neue Trikots in blau-gelb

Der Spielerpass der Jugendlichen bleibt beim Stammverein, bei dem der Nachwuchs gegebenenfalls auch bei den Senioren eingesetzt werden kann. Momentan haben sich die Kooperationspartner darauf geeinigt, dass der RSV für die B- und D-Junioren hauptverantwortlich ist, Bienen für die anderen Teams. „Das wird aber sicherlich noch weiter zusammenwachsen. Wir befinden uns ja immer noch in der Testphase“, geht Petra Baumann von weiteren Synergien aus.

Welche Mannschaften in Praest oder Bienen kicken, wird von Fall zu Fall entschieden. „So wie es am besten von der Platzbelegung passt. Wir sind jetzt insgesamt viel flexibler und man kann auch ganz anders trainieren“, findet Sehm, der inzwischen auch neue Trainingsanzüge besorgt hat – mit JSG-Aufdruck. Das künftige Trikot ist noch in der Mache. „Es wird blau-gelb sein“, verrät der 44-jährige Übungsleiter.

Blau-weiß waren die Trikots der B-Junioren zuletzt noch bei den Stadtmeisterschaften. Kurios: Die Spielgemeinschaft siegte sowohl bei den Titelkämpfen in Rees als auch in Emmerich. „In Emmerich haben unsere A-Junioren die Praester Trikots benötigt“, erklärt Steven Sehm, warum sein Team auch in der Hansahalle im Bienener Outfit auflief.

Ghettoblaster sorgt für gute Laune

Hallensport ist aufgrund der winterlichen Witterung momentan auch beim Training angesagt. Immer dabei ist ein Ghettoblaster – aus dem gerade „I could be the one“ von Avicii dröhnt. „Mit Musik macht’s einfach mehr Spaß“, findet „DJ“ Niklas Holzum, der für die Musikauswahl verantwortlich ist. Schon als vierjähriger Knirps hat der heute 15-Jährige seine ersten Fußball-Erfahrungen in Bienen gemacht. Dass es nun eine Spielgemeinschaft gibt, begrüßt der Esserdener: „Das Team ist auf jeden Fall stärker geworden.“

Dem kann Max Kruse nur beipflichten: „Anfangs hatte ich schon ein paar Bedenken, wir sind aber eine richtig gute Truppe geworden und haben viel Spaß zusammen.“