Kay kreuzt Klingen

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Das Piepen in der Halle ist unerbittlich. Immer wenn ein Stoß gesetzt wird, schlägt der Melder an. Die Geräte der Firma „Uhlmann“ mit den weißen, roten und grünen Lampen haben in der Klever Spyckhalle fast schon antiquarischen Wert – wie die Sportstätte selbst. Von den Fechtern des VfL Merkur Kleve wird viel Improvisation verlangt.

„Wir müssen vor jedem Training alles wieder komplett neu aufbauen“, erzählt Trainerassistent Horst Terfehr, der seit Jahrzehnten die gute Seele der Abteilung ist. Die stand 2013 am Scheideweg, als die Zahl der Aktiven in den einstelligen Bereich gesunken war. Dann erwies sich die Verpflichtung von Wojtek van Barneveld als wahrer Glücksgriff für die Fechter. Seitdem der Niederländer die Übungseinheiten leitet, erlebt die Abteilung einen Boom. „Entscheidend war die Bereitschaft der Eltern, sich finanziell am Training zu beteiligen“, erklärt Terfehr.

Inzwischen sind es mehr als 40 Sportler, die auf den acht Bahnen in der Halle die Klingen kreuzen, darunter auch einige Studenten von der Hochschule Rhein-Waal, die ebenfalls einen Teil der Kosten übernimmt.

Seit anderthalb Jahren ist Kay Wanders aktiv. Die Emmericherin hatte in der Schule einen Flyer von ihrem Lehrer bekommen – und war dann einfach mal nach Kleve gefahren. „Ich habe viele Sportarten ausprobiert, Fechten fand ich aber gleich so interessant, dass ich dabei geblieben bin“, sagt die 14-Jährige – nachdem sie ihre grüne Maske vom Gesicht genommen und einige Schweißtropfen aus dem Gesicht gewischt hat. „Ich bin schon viel beweglicher geworden, dennoch muss vor allem meine Beinarbeit noch deutlich besser werden“. Im Laufe dieses Jahres will die Emmericherin ihren ersten richtigen Wettkampf absolvieren.

Intensives Aufwärmen gehört für Wojtek van Barneveld unbedingt dazu. „Nicht quatschen, jetzt ist
Training!“ Wenn der 33-Jährige in der Halle Kommandos gibt, wird pariert. Der zweifache Familienvater aus Arnheim ist ein echter Experte im Umgang mit den Sportwaffen. Er ist Gründer der „Fencing Academy Brabant“ in Oss, hat Trainererfahrungen in Amsterdam, Kopenhagen und London gesammelt. Besonders begehrt bei seinen Schützlingen ist das Einzeltraining, bei dem jeder Athlet individuelle Tipps bekommt, wie er sich verbessern kann.

International erfahrener Trainer

Geübt wird in zwei Gruppen. Die erste besteht hauptsächlich aus Anfängern, die zweite setzt sich aus Fortgeschrittenen, Studenten und Erwachsenen zusammen.

„Alle sind total nett hier, das ist wie eine große Familie und das Training ist richtig gut“, findet Nicole Verfondern, die ihre Kinder Kira (11) und Chris (9) des Öfteren beim Sport mit dem Degen und Florett beobachtet. „Wir sind durch einen Zeitungsartikel auf die Abteilung aufmerksam geworden“, erzählt die gebürtige Emmericherin. „Ich wollte früher selbst fechten, damals gab es aber keinen Verein in der Nähe“. Inzwischen hat sie selbst wieder Blut geleckt – und die ersten zwei Trainingseinheiten schon hinter sich. Ein anderes Hobby sorgt bei der Kleverin für weiterhin regelmäßigen Kontakt in die rechtsrheinische Heimat. „Mein Pferd steht dort auf dem Hof einer Freundin“.

Zwei, die ebenfalls richtig Spaß am Fechten haben, sind Maya van Eyckels und ihr Vater Magnus. „In unserer Familie wurde schon immer gefochten“, sagt Magnus van Eyckels, der aber längere Zeit die Stichwaffen beiseite gelegt hatte – bis seine Tochter zum Florett griff. „Ich kann nur jedem raten, diesen Sport mal auszuprobieren“. Man müsse schnell sein, eine gute Beinarbeit und natürlich sehr gute Reflexe haben, nennt der Wiedereinsteiger wichtige Voraussetzungen für einen guten Fechter. Davon gibt es inzwischen einige beim VfL Merkur. Allen voran Sophie Irene Brunets, die 2014 Deutsche Meisterin in der B-Jugend wurde. Dieser Erfolg ist umso bemerkenswerter, da die Bedingungen in der kleinen Halle alles andere als ideal sind. Daher sehnen die Sportler eine neue Dreifachturnhalle herbei, die von der Stadt Kleve momentan in Planung ist. „Hoffentlich klappt das auch wirklich“, kann es Horst Terfehr kaum noch abwarten, mit seinen Fechtern die Planche zu wechseln.