Hülkenberg auf der Vertrags-Achterbahn

Im kommenden Jahr sitzt Nico Hülkenberg in einem Renault-Boliden.
Im kommenden Jahr sitzt Nico Hülkenberg in einem Renault-Boliden.
Foto: Franck Robichon/dpa
Was wir bereits wissen
  • Im September des vergangenen Jahres unterschrieb der Emmericher einen Zweijahresvertrag bei Force India
  • Im Juni 2016 stellte Teamchef Vijay Mallya klar, dass er mit der gleichen Fahrerpaarung weitermachen möchte
  • Doch dann kam alles ganz anders. Nico Hülkenberg wechselt nun doch zum Werksteam von Renault

Emmerich..  Die Sommerpause in der Formel 1 wird nicht umsonst als Silly Season (Sauregurkenzeit auf Deutsch) bezeichnet. Denn im Fahrerlager werden regelmäßig die wildesten Gerüchte losgetreten. Häufig war auch Nico Hülkenberg ein Teil dieser Spekulationen. Am Ende blieb er dann aber doch bei Force India.

In diesem Jahr war es ganz anders. Eigentlich schien der Verbleib des Emmerichers beim britisch-indischen Rennstall so früh wie noch nie eingetütet worden zu sein. Die komplizierten Vertragsverhandlungen und Strukturen innerhalb der Formel 1 wurden beim Wechsel von Hülkenberg zu Renault aber wieder einmal offensichtlich. Die NRZ zeigt exemplarisch, wie sich eine eigentlich eindeutige Ausgangslage dann doch drehen konnte. 1. September 2015: Force India verlängert den Vertrag mit Nico Hülkenberg gleich um zwei Jahre. „Es ist fantastisch, dass er unser Fahrer für die nächsten beiden Saisons sein wird“, sagt Teamchef Vijay Mallya. 25. September 2015: Auch mit Sergio Perez wird der Vertrag verlängert. Allerdings nur für eine Saison. Angeblich soll es eine Option für 2017 geben.
24. Juni 2016: Im Paddock beim Premieren-Grand-Prix in Baku werden erstmals Gerüchte laut, dass Mercedes Pascal Wehrlein bei Force India unterbringen möchte. Perez schielt auf das Ferrari-Cockpit von Kimi Räikkönen, der angeblich seine Laufbahn beenden möchte. 7. Juli 2016: Am Rande des Großen Preis von Großbritannien bestätigt Vijay Mallya, dass er auch im kommenden Jahr mit der Fahrerpaarung Hülkenberg/Perez plant. Derweil gibt Ferrari bekannt, dass Räikkönen ebenfalls eine weitere Saison dran hängt. 8. Juli 2016: Perez widerspricht seinem Teamchef. „Ich habe schon gesagt, dass ich noch keine Entscheidung getroffen habe, wo meine Zukunft sein wird. Ich möchte mir eine kleine Auszeit nehmen und in der Sommerpause darüber nachdenken“, erklärt der Mexikaner. 29. Juli 2016: Beim Heimrennen am Hockenheimring beseitigt Hülkenberg letzte Zweifel. Auf die Frage, ob er auch 2017 für Force India fahren werde, sagt der Emmericher: „Ja! Alles ist easy und entspannt, Vijay hat gesagt, wie die Situation ist.“ 25. August 2016: Robert Fernley, stellvertretender Teamchef von Force India, öffnet Spekulationen Tür und Tor. „Checo steht wie Nico kurz davor, vielleicht zu einem Team zu wechseln, das um den WM-Titel kämpfen kann“, sagt Fernley, der aber nicht konkretisiert, welchen Rennstall er meint. 26. August 2016: Der Emmericher bestätigt vor dem Training in Spa, dass er weiter Formel 1 fahren werde, „vermutlich in diesem Auto“. Seiner Meinung nach gibt’s ansonsten noch Vakanzen bei McLaren, Williams und Renault. „Das sind alles Teams, die man sich angucken würde, klar“, so Hülkenberg. 4. September 2016: Beim Italien GP kocht die Gerüchteküche im Fahrerlager mal wieder über. Hülkenberg soll nun ein ganz heißer Kandidat beim Haas-Team sein, wo er Esteban Gutiérrez ersetzen soll, weil dieser zu Renault wechseln wird. Renault will eigentlich Perez verpflichten, doch der soll keine Freigabe von Force India erhalten. 1. Oktober 2016: Pascal Wehrlein und Esteban Ocon werden mit Force India in Verbindung gebracht. Hülkenberg sagt dazu: „Ich werde keinem den Gefallen tun, das Team freiwillig zu verlassen.“
2. Oktober 2016: Die Pressestelle von Force India gibt ein offizielles Bulletin heraus: Sergio Perez bleibt beim britisch-indischen Rennstall auch in der kommenden Saison. 6. Oktober 2016: Vor dem Japan GP sagt Otmar Szafnauer, Betriebsdirektor von Force India, dass eine offizielle Bestätigung zu Hülkenberg nicht nötig ist: „Beide haben Verträge mit uns. Im Fall Perez haben wir uns dazu entschlossen, einfach um die Gerüchte einzudämmen und damit die Sponsoren Klarheit haben.“ 7. Oktober 2016: „Sieht nicht so aus“, lautet auch die Einschätzung von Hülkenberg, als er gefragt wird, ob er im kommenden Jahr für ein anderes Team fahren werde. 10. Oktober 2016: Mehrere Medien berichten übereinstimmend, dass eine Vertragseinigung zwischen Renault und Hülkenberg unmittelbar bevorsteht. Erste Details sickern bereits durch. So soll der Emmericher einen Zweijahresvertrag erhalten mit Option auf eine dritte Saison. 14. Oktober 2016: Am Vormittag gibt es eine offizielle Verlautbarung von Force India – nach insgesamt fünf Jahren verlässt Nico Hülkenberg das Team, „um sich innerhalb der Formel 1 neuer Aufgaben zu widmen“. Am späten Nachmittag verkündet dann auch Renault, dass man sich mit dem Emmericher über einen mehrjährigen Kontrakt geeinigt habe.