Extra-Motivationsschub durch neue Gruppe

Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Bezirksliga. Beim RSV Praest ist die abgelaufene Spielzeit gründlich aufgearbeitet worden. Trainer Roland Kock wünscht sich eine Saison, in der seine Mannschaft nichts mit dem Abstieg zu tun hat

Praest..  Die Vorfreude auf die neue Saison ist rund um den Offenberg förmlich spürbar. Die Verantwortlichen des RSV Praest wollen nach vorne gucken. Wohl auch weil die abgelaufene Spielzeit nicht nach Wunsch lief. Es blieb aber bei ein paar Beulen. Der Totalschaden – sprich Abstieg in die Kreisliga A -- wurde vermieden. Die letzte Spielzeit ist mittlerweile aufgearbeitet worden. Gründlich. Das wird schnell deutlich, wenn man mit Roland Kock spricht.

„Die letzte Saison war zunächst auch mal eine Erfahrung für mich“, sagt der Cheftrainer des Bezirksligisten erstmal ganz nüchtern, ehe er auch Einblick in sein Seelenleben gewährt. „Aber in so einer Situation lernt man manche Leute dann doch noch mal anders kennen.“

Woran es in der vergangenen Saison haperte, hat der 48-Jährige messerscharf analysiert. Zum einen konnten die Abgänge der beiden erfahrenen Routiniers Sebastian Kaul und Benedikt Derksen nicht zu 100 Prozent kompensiert werden. Der Schritt zur Verjüngung des Teams sei zwar richtig gewesen, doch gerade taktische Unzulänglichkeiten bei den jüngeren Akteuren musste Kock von der Seitenlinie immer wieder mit ansehen. „Ich habe mich wirklich gewundert, wie wenig manche Spieler taktisch ausgebildet waren“, lautet eine Bestandsaufnahme des RSV-Coachs. „Viele haben nur den Blick auf den Ball.“

Weniger Karten

Genau aus diesem Verhalten habe sich dann eine echte Fehlerkette gebildet. Die Laufwege stimmten nicht, auf dem Platz entstand Konfusion, es gab zu große Lücken zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen, die Abstände zum Gegner stimmten logischerweise auch nicht mehr und es musste zu oft gefoult werden.

Genau diese Punkte will Kock in der kommenden Saison abstellen. Seine Forderung ist eindeutig: „Wir müssen runter von den vielen gelben und roten Karten.“ Darüber hinaus will der 48-Jährige die Zehnerposition stärken. Eine Maßnahme, die auch Stürmer Dennis Thissen zu gute kommen soll.

Das Problem der Laufwege wird in der Vorbereitung auch mittels Videoanalysen angegangen. Zudem wird Kock bei den anstehenden Testspielen quasi ein doppeltes Coaching vornehmen, in dem er zum einen Anweisungen an die Akteure auf dem Feld gibt und zum anderen den Ersatzspielern systemtaktische Vorgaben erläutert.

Darüber hinaus erwartet Kock von seinem 19 Mann starken Kader Pünktlichkeit und Disziplin: „Das ist mit sehr, sehr wichtig“, betont der Praester Übungsleiter. „Alle Spieler haben den Anspruch, Bezirksliga spielen zu wollen, dann müssen sie sich auch dementsprechend verhalten.“

Diesen Leistungsgedanken erwartet Kock nicht nur im Spiel sondern auch in den Übungseinheiten. Deswegen wird während der Saison auch nur zweimal pro Woche trainiert. „Ich bin mit zwei Einheiten pro Woche immer gut gefahren. Bei einer dritten Einheit setzt mir zu schnell der Schlendrian ein“, erläutert Kock, der in der kommenden Spielzeit weiterhin auf sein bewährtes Trainerteam mit Co Ralf Knist und Torwarttrainer Ulf Zwiekhorst zurückgreifen kann. In der Vorbereitung wird sich auch wieder Patrick Prehn um die Fitnesswerte der Spieler kümmern.

Dabei wird er auf viele bekannte Gesichter stoßen, denn die Praester verzeichnen lediglich drei Abgänge: Markus Jansen (TuS Haffen-Mehr), Marcel Heiliger und Jan-Peter Eyting (beide Fortuna Millingen). Genau den umgekehrten Weg von Milllingen an den Praester Offenberg ist Dennis Döring angetreten, der mit Sascha Zwiekhorst um den Stammplatz zwischen den Pfosten kämpfen wird. Kock deutet bereits an, dass er sich nach der Vorbereitung eindeutig positionieren will und eine klare Nummer eins nominieren wird.

Gute Erinnerungen an den Ruhrpott

Mit Nihat Örge (zuletzt VfB Rheingold) stößt ein vielseitig einsetzbarer Akteur zum Kader, der in der Viererkette sowohl innen als auch außen spielen kann. Eine guten Eindruck in den ersten Trainingseinheiten hat der technisch versierte Offensivakteur Serhat Akpinar, der aus der A-Jugend des 1. FC Bocholt kommt, hinterlassen. Aus der eigenen A-Jugend wird Leon Elders zur Kock-Elf kommen. Sebastian Brömmel wurde wegen guter Leistungen aus der zweiten Mannschaft hochbeordert.

Durch die neue Gruppeneinteilung stehen nun auch für die Praester die Reisen ins Ruhrgebiet an. Für Kock ist das ein Extra-Motivationsschub. Konnte er doch zu seiner aktiven Zeit vor allem mit dem VfB Rheingold immer wieder gute Spiele gegen Teams aus dem Pott abliefern. Die Erinnerung lebt. „Ich mag den Menschenschlag, die sind hart, aber ehrlich und gerade heraus. Das gefällt mir“, so Kock, der in seine zwölfte Saison als Praester Übungsleiter geht.

Allerdings ist es auch für den erfahrenen Coach schwierig, die Stärke der Gegner aus dem Kohlenpott einzuschätzen. Beim Blick auf die bekannten Vereine in der Gruppe sind die Favoriten aber klar ausgemacht: Die SV 08/29 Friedrichsfeld und Lokalkonkurrent SV Vrasselt schätzt Kock als potenzielle Kandidaten für einen Aufstiegsplatz ein. Bei den Praestern sind auch unter dem Eindruck der vergangenen Saison die Ambitionen bescheidener. „Mein Ziel ist erst einmal, dass wir nichts mit unten zu tun haben“, sagt Kock.