Elf Freunde sollt ihr sein – oder neun

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Was wir bereits wissen
Der Kreis Rees-Bocholt möchte am Niederrhein eine Vorreiterrolle beim so genannten Norweger Modell für die Kreisliga C einnehmen.

Am Niederrhein..  Der Trainer telefoniert, der Trainer textet, der Trainer hofft – doch zu viele Kicker sind verletzt oder haben plötzlich wieder eine Oma mit rundem Geburtstag. Vielleicht war es doch keine so gute Idee, die Mannschaft mit einem so dünn besetzten Kader zu melden. Um den Vereinen die Entscheidung zu erleichtern, in der Fußball-Kreisliga C trotz knappem Personal eine Mannschaft in den geregelten Spielbetrieb zu schicken, denkt der Fußball-Kreis 11 über das so genannte Norweger Modell nach. „Wir wären auch gerne der Pilot-Kreis am Niederrhein“, sagt Markus Schürbüscher.

Die Idee des Norweger Modells ist, dass Mannschaften auch mit neun oder zehn Spielern melden und antreten können. Der Gegner muss sich dann in Sachen Spieleranzahl der Mannschaft mit der geringeren Mannschaftsstärke anpassen – egal, wie viele Spieler er zur Verfügung hätte.

Im Badischen Fußball-Verband wird diese Neuerung bereits praktiziert. Auch in Westfalen ist das Modell für die Kreisligen C und D sowie für die Kreisligen der Frauen für diese Saison genehmigt – allerdings nicht so flexibel, wie es sich die Verantwortlichen im Kreis Rees-Bocholt wünschen.

„Die Idee kommt aus dem Nachwuchsbereich, wo ja teilweise bereits mit reduzierter Spieleranzahl gespielt wird. Das wichtigste ist, dass die Mannschaft am geregelten Spielbetrieb teilnehmen kann. Nicht-Antreten ist teuer und bei drei Absagen ist die Mannschaft raus aus der Saison“, erläutert Schürbüscher.

Der Vorsitzende des hiesigen Kreis-Fußballausschusses weiß, dass es noch viele Fragen zu klären gibt. „Aber das grundsätzliche Interesse ist da. Ohne Kenntnis von diesem Modell hatten wir uns selbst überlegt, Spiele auch mit Acht gegen Acht zu ermöglichen. Auf eine erste Anfrage an die Vereine kamen daraufhin acht positive Rückmeldungen.“

In Westfalen ist die Resonanz gering bis nicht vorhanden. „Ich persönlich halte auch nicht viel davon“, so der Vorsitzende des Kreises Siegen-Wittgenstein, Marco Michel. „Das ist einfach zu weit weg vom Fußball, wie ihn der Zuschauer sehen will.“ Schürbüscher entgegnet: „Eine schwache Resonanz kann auch damit zusammen hängen, dass es vorher nicht mit den Vereinen besprochen, sondern im Verband hinter verschlossenen Türen beschlossen wurde. Genau so etwas wollen wir hier vermeiden.“

Spielordnung berücksichtigen

Das Norweger Modell, wie es der Badische Verband handhabt, ermöglicht den Vereinen sogar, innerhalb einer Spielzeit seine Mannschaftsgröße zu variieren. Dies muss natürlich frühzeitig dem Staffelleiter mitgeteilt werden und bei der Ansetzung sichtbar sein. Flexibel ist man dort auch bei der Spielfeldgröße. Zehn gegen Zehn wird häufiger noch auf dem kompletten Feld gespielt, bei Neun gegen Neun wird aber auch schon mal ein großes Tor an den Strafraum gestellt.

„Man könnte auch die Feldgröße belassen und dafür die Spielzeit reduzieren“, so Schürbüscher. „Allerdings müssen wir auch immer die Spielordnung berücksichtigen. Aber wie gesagt: wir wären gerne der Kreis im FVN, der damit erste Erfahrungen sammelt.“

Auf die fünf C-Ligen verteilt würden die wenigen „Norweger“ auch nur selten dafür sorgen, dass sich der Gegner umstellen muss. Klar ist für den KFA-Vorsitzenden aber schon jetzt: „Diese Mannschaften würden am geregelten Spielbetrieb, aber ohne Aufstiegsrecht teilnehmen. Denn diese neue Option könnte dann doch dazu führen, dass Mannschaften mit einem kleinen Kader an guten Spielern es lieber als Neuner-Team probieren, anstatt eine normale Mannschaft zu melden.“

Markus Schürbüscher hofft, in den kommenden Tagen vom FVN Grünes Licht für seine Initiative zu bekommen. „Auf der Arbeitstagung am 28. Juli in Ringenberg muss klar sein, was wir den Vereinen darüber erzählen können“, so der KFA-Vorsitzende. „Falls es kein Grünes Licht gibt, werden wir uns wohl direkt an Peter Frymuth wenden müssen. Der Präsident hatte doch gefordert, dass sich die Kreise Gedanken machen sollen, wie man den Vereinen entgegenkommen kann“, erinnert Markus Schürbüscher. „Dies ist so ein Gedanke.“