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Ein Lauf bewegt die Menschen

13.12.2015 | 21:00 Uhr
Ein Lauf bewegt die Menschen

Emmerich. Der Adventslauf des Emmericher TV ist Geschichte. Die 50. und letzte Auflage der Traditionsveranstaltung forderte den Teilnehmern nochmal alles ab. Aber auch die rund 120 ehrenamtlichen Helfer meisterten ihre verschiedenen Aufgaben mit Bravour. Die NRZ schaute sich daher das Geschehen auf und neben der Strecke an.

Schauplatz eins: Die erste Etage der Umkleidekabine im Eugen-Reintjes-Stadion. Dirk Wickermann hat hier sein DJ-Pult aufgebaut. Er spielt auch bei der 50. Auflage die Musik, die die Läufer zur Höchstform animieren soll. Apropos Animation. Die bietet auch Laurenz Thissen. „Das könnte auch meine Gitarre sein – lass’ knallen“, ,meint der Moderator übers Mikrofon, als Wickermann einen Rockklassiker auflegt.

Schauplatz zwei: Tartanbahn kurz vor der Zielgeraden. Hier hat sich Laurenz Thissen positioniert. Die Stimme des Laufsports am Niederrhein ist wie immer bestens aufgelegt. Doch im persönlichen Gespräch klingt Wehmut mit. So ganz hat Thissen aber die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es vielleicht doch auch einen 51. Adventslauf gibt. Er ist an diesem Vormittag nicht der einzige, der sich noch nicht endgültig mit dem Aus abfinden kann. Der Moderator hat sich Stichworte aufgeschrieben und dabei auch tief in der eigenen Erinnerung gekramt. Denn 1985 hatte er selbst die Laufschuhe geschnürt. Heraus sprang der erste Platz in der Altersklasse M35 über 5000 Meter in 19:26 Minuten. „Das Ehrenamt hat es schwer“, meint Thissen angesichts des Endes der Traditionsveranstaltung.

Schauplatz drei: Umkleidekabinen. Vor Gaby und Anne Evers steht ein Becher mit Sicherheitsnadeln und ein Karton mit Startnummern. Die Ehefrau beziehungsweise Tochter vom ETV-Vorsitzenden Christoph Evers nehmen von den Läufern ihre Startnummern wieder in Empfang. Dieses Mal sind es 794 Stück, denn so viele Teilnehmer haben sich auf die drei Strecken begeben. Wer seine Startnummer, in die ein Chip integriert ist, wieder abgibt, erhält sein Pfand zurück. „Wir hoffen aber natürlich auf Spenden“, sagt Gaby Evers.

Schauplatz vier: Gegengerade des Stadions. Etliche Ausdauersportler über die 10 000 Meter laufen dem Ziel entgegen. Doch plötzlich werden sie von einem jungen Mann im blauen Trikot in rasendem Tempo überholt. Tim Schüttrigkeit sprintet förmlich zum Sieg im Halbmarathon und wird seiner Favoritenrolle gerecht. Am Ende hat er elf Minuten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten. „Zwischenzeitlich war es ziemlich matschig, aber dennoch schön“, sagt er hinterher. Mit seiner Zeit (1:11,30 Std.) ist er dann auch hochzufrieden. Denn im Prinzip war es sein erster Halbmarathon. „Ich habe es schon mal in Köln versucht, musste da aber aufhören“, so Schüttrigkeit, der im kommenden Jahr von der LG Alpen zu Bayer Uerdingen-Dormagen wechselt.

Schauplatz fünf: Zielbereich. Ähnlich wie Schüttrigkeit ist auch Armin Gero Beus in der Laufszene kein Unbekannter. Nach Platz zwei im Vorjahr konnte er dieses Mal die 10 000 Meter gewinnen. Sein Eindruck von der Strecke deckt sich mit dem vieler Läufer. Der Regen vom Vortag hat die Bedingungen außerhalb der Stadions zu einer echten Herausforderung gemacht. Aber das ist spätestens dann vergessen, wenn die Läufer ihre Schuhsohlen wieder auf die Tartanbahn setzen. „Das Einlaufen hier ins Stadion ist schon etwas besonderes“, meint auch der Sieger über die 10 000 Meter. „Das ist einfach eine tolle Atmosphäre.“

Schauplatz sechs: Malteser-Heim an der Arnheimer Straße. Es ist noch mitten in der Nacht. Genauer gesagt ist der Sonntag erst drei Stunden alt, als die Malteser den ersten Tee kochen. Insgesamt 400 Liter des Heißgetränks werden sie später im Eugen-Reintjes-Stadion dabei haben. „Früher bin ich auch mitgelaufen“, sagt Heinz Uwe Treger von der Einsatzleitung.

Schauplatz sieben: PZ des Willibrord-Gymnasiums. In der Schule werden die verschiedenen Siegerehrungen vorgenommen. Zunächst macht das Ludger Simkes. Wenn im Stadion die Messe gelesen ist, übernimmt Laurenz Thissen auch diesen Job. Simkes selbst ist ziemlich tiefenentspannt. Das kann er auch sein, weil er weiß, dass er sich auf die Zeitmessung von Taf-Timing verlassen kann. „Das klappt wirklich reibungslos“, meint Simkes. Allerdings gab es in der Vergangenheit mal eine kleine Panne, über die immer noch gerne geschmunzelt wird. Bei einem holländischen Namen war nicht erkennbar, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt. Die Teilnehmerin war dann ziemlich überrascht, als sie bei der Siegerehrung in der Männerkategorie geehrt werden sollte.

Schauplatz acht: Hekerenfelder Weg/Ecke Heideweg. Nils Tinnemeyer gehört zu den etlichen Helfern vom THW, die für die Sicherung der Strecke zuständig sind. „Das ist jetzt hier nicht wirklich eine kritische Stelle“, erzählt er. „Die meisten Läufer nehmen ja sogar den Bürgersteig.“ Bis auch der letzte Läufer im Halbmarathon an seiner Straßenkreuzung vorbei ist, wird Nils Tinnemeyer noch auf dem Posten bleiben.

Schauplatz neun: Überall. Nur an einer Stelle kann Christoph Evers nicht bleiben. Der ETV-Vorsitzende ist ständig unterwegs. Seit 3.45 Uhr ist er auf den Beinen. Fährt die Strecke ab. Nach dem Lauf nimmt er die Markierung wieder ab. Zwischenzeitlich schaut er auch im Stadion vorbei und freut sich über die tolle Leistung von Tim Schüttrigkeit. Als er dem Sieger gratuliert, spricht Laurenz Thissen gerade von einem Wunder. Nicht in Bern, sondern in Emmerich. Nicht im Fußball, sondern beim Laufen. Der Moderator hofft auf eben dieses Wunder: Auch einen 51. Adventslauf soll es geben.

Torsten Tenbörg

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2015-12-13 21:00
Emmerich Rees Isselburg