Dowe feiert Überraschungssieg

Am Niederrhein..  Die Temperaturen in der Abreithalle konnten der Grund kaum sein. Hendrik Dowe zitterte. Adrenalin und Glücksgefühle brachen sich bei dem 25-Jährigen Bahn. Der Springreiter aus Heiden brauchte ein wenig, um das gerade Geschehene zu realisieren. „Ich hatte nie damit gerechnet, dass Con Touch so schnell, so frisch ist. Sie hat mit gekämpft“, sagte der Überraschungssieger des Großen Preises von Gahlen. Für Dowe war das 21. Springturnier des RV Lippe-Bruch Gahlen erst die zweite Teilnahme an der Nierleistraße – und sein überhaupt erster Sieg bei einem Drei-Sterne-Springen der Klasse S. Im Stechen der zehn nach dem Normalumlauf fehlerfreien Paare hatte er sich ohne Abwurf vor dem langsameren Hans-Thorben Rüder (Fehmarn) und dem Schnellsten Gerrit Schepers (Emscherquelle) durchgesetzt, bei dem am letzten Hindernis allerdings eine Stange fiel.

Es war sein „mit Abstand bestes Pferd“, das Hendrik Dowe für den Großen Preis gesattelt hatte. Die neunjährige Stute, Enkelin von Ludger Beerbaums Olympia-Siegerin Classic Touch, hatte gerade eine zweimonatige Auszeit hinter sich gebracht. Zur Schonung, „um für Gahlen und nächste Woche Münster wieder frisch und munter zu sein“, wie Dowe berichtete. Dabei hatte er ein ganz gutes Gefühl. „Es kribbelte schon den ganzen Tag in den Fingern, hier eine schöne Null-Runde zu reiten“, so der Sieger. Aus einer wurden zwei und da im Stechen außer ihm nur Hans-Thorben Rüder dieses Kunststück gelang – allerdings mit einem Sicherheitsritt und fast zehn Sekunden langsamer – war der Überraschungssieg perfekt. „Bei einem ganz tollen Turnier“, lobte Dowe den Veranstalter.

Der konnte sich zum Großen Preis über mehr als 3000 Zuschauer freuen. Die hatten einen Normalumlauf gesehen, der erst ab dem zehnten Starter Fahrt aufnahm. Mit Markus Renzel (Marl), Iver Börnsen (Ahlhorn), Hubertus Dieckmann (Kirchhellen) und Markus Merschformann (Osterwick) mussten vier ehemalige Gahlen-Sieger vorzeitig die Segel streichen. Dagegen zogen Christian Ahlmann (Marl), Mario Stevens (Lastrup) und Titelverteidiger Toni Haßmann (Lienen) ins Stechen ein. Dazu gesellte sich mit Felix Haßmann auch noch ein Geburtstagskind, er wurde 29 Jahre alt.

„Da waren im Stechen die schnellsten Reiter Deutschland vertreten“, meinte der spätere Sieger. Nicht wirklich dazu zählte Hans-Thorben Rüder, der bei seinem fehlerfreien Ritt im Normalumlauf ganze drei Hundertstel Sekunden unter der erlaubten Zeit blieb. Als siebter Starter im Stechen kam er als Erster ohne Abwurf ins Ziel. „Eigentlich ist es nicht meine Art, so zu taktieren. Aber ich habe Compagnon erst seit kurzem“, so der 40-Jährige. 47,28 Sekunden benötigte das Paar für die sieben Hindernisse, Dowe 37,88 Sekunden. Wie auch der Sieger zeigte sich Rüder überrascht, dass nur ein Duo im Stechen ohne Abwurf auskam. „Aber um zu gewinnen, hätte ich mehr riskieren müssen“, sagte der Zweitplatzierte, der auch ein Lob dem Veranstalter aussprach: „Gahlen hat super Bedingungen, immer ein volles Haus und es gibt auch was zu gewinnen.“ 1750 Euro für Rang zwei, 750 Euro weniger als der Sieger erhielt.

Eben diesen Sieg verpassten die Brüder Felix und Toni Haßmann, Mario Stevens und Gerrit Schepers, die im Stechen volles Risiko gegangen waren. Doch bei dem Quartett zahlte sich das nicht aus, jeweils eine Stange fiel. Mit ein Grund, warum Hendrik Dowe, letztjähriger Gahlen-Erster in einem Zwei-Pferde-Zeitspringen der Klasse M **, trotz Zitterns die Temperaturen völlig egal waren.