Die Meiers sind auf und abseits des Platzes ein Top-Team

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Wesel..  In den Jugendmannschaften von Schwarz-Weiß Bonn haben sie sich kennengelernt, natürlich auf dem Tennisplatz. Wie weit sie der gemeinsame Weg, sowohl auf dem Feld, als auch beruflich wie privat führen würde, konnten sie damals nicht ahnen. „Aber gerade auf Turnieren werden wir schon dafür beneidet“, sagt Gaby Meier, Gatte Jochen nickt.

Mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Mixed 60 im März in Essen ging für das Weseler Tennis-Paar bereits ein Traum in Erfüllung. Völliger Außenseiter waren die Gewinner der German International Open da aber nicht. Nun haben die Hansestädter auch international ihre Klasse bewiesen.

Bei den European Senior Open in Pörtschach (Österreich) mussten sich die beiden erst im Finale geschlagen geben und kehrten mit der Silbermedaille im Mixed 65 heim. Im Einzel der Altersklasse 65 rang Jochen Meier in Runde eins dem späteren Vizemeister Marjan Furlan (SLO/Nr. 6 der Weltrangliste) immerhin einen Satz ab. Gaby Meier kam eine Runde weiter, musste dann der an Nummer vier gesetzten Australierin Carol Campling ebenfalls erst im dritten Durchgang den Vortritt lassen.

„Im Mixed ist es wirklich gut gelaufen“, sagt Jochen Meier, dem mit seiner Gattin die große Überraschung im Halbfinale gelang. Mit 6:4, 7:6 gaben sie der australisch/nordamerikanischen Kombination Jan Johns/Bruce Barrett das Nachsehen. „Sie waren an Zwei gesetzt und haben uns nachher erzählt, dass sie seit zwei Jahren zusammen spielen und in dieser Zeit erst ein Spiel verloren hätten.“ Auch im Endspiel lieferten die Meiers den großen Favoriten Heidi Eistherlehner/Max Bates einen großen Kampf, unterlagen dem deutsch/australischen Duo mit 5:7, 5:7.

„Erst mal gucken, wo Wesel liegt“

Seit ihrer Pensionierung vor zwei Jahren geben die 65-Jährigen auf dem Court richtig Gas. „In den letzten zehn Jahren im Beruf hatten wir dafür kaum Zeit“, erläutert Gaby Meier, die mit ihrem Mann in Marburg auf Lehramt studiert hatte. Zum Berufsstart wurden sie 1976 an den Niederrhein geschickt und zogen um. „Wir waren nicht sonderlich begeistert und mussten erst einmal nachgucken, wo Wesel liegt“, erinnert sich Jochen Meier, der am heutigen Andreas Vesalius Gymnasium, dem damaligen städtischen Mädchen Gymnasium einstieg. Für Gaby Meier begann der Beruf am Xantener Stiftsgymnasium. Beide wechselten später zum Gymnasium Voerde.

Hierzulande meldeten sich zuerst beim TC BW Flüren an. Zur Medenspiel-Heimat entwickelte sich für Gaby Meier aber schnell der im Damenbereich besonders ambitionierte TC RW Dinslaken. Jochen Meier startet heute für den TC Babcock Oberhausen. Beide sind seit zehn Jahren Mitglieder des TC RG Obrighoven, kennen aber auch die anderen Klubheime der Hansestadt nicht nur vom Hörensagen.

Mit 60 Jahren hat Jochen Meier, der bereits 1967 im Jungen-Doppel einen DM-Titel für sich verbuchte, noch bei den RGO-Herren 40 in der 2. Verbandsliga aufgeschlagen. „Ich bin dann altersgerecht nach Oberhausen in die Regionalliga 60 gewechselt, bevor die Ehrfurcht der Gegner in Mitleid umschlägt“, scherzt der Pädagoge.

Ihre Partnerschaft sieht das Duo neben ihrer taktischen Variabilität als große Stärke auf dem Platz an. „Einen anderen Partner würde man sicherlich mehr anmeckern. Wir haben mit Anfang 20 damit aufgehört“, so Jochen Meier. Sein Blick zur Gattin verrät, dass diese Herangehensweise möglicherweise auf Initiative der Damenseite gekommen sein könnte. „So schaffen wir es öfters, uns nach größeren Rückständen wieder rauszuziehen“, sagt der Herr des Mixed.

Niederlage nach 6:0, 5:0, 40:0

Er verrät, welche Erfahrung seinen persönlichen Kampfgeist nachhaltig angestachelt hat. „Ich habe als Jugendlicher bei einer Deutschen Meisterschaft mal ein Spiel nach einer 6:0, 5:0 und 40:0-Führung noch verloren. Seit dem verschenke ich keinen Punkt mehr!“

Drei- bis viermal pro Woche stehen sie auf dem Platz. „Wir fahren Ski, machen Ski-Gymnastik und haben zudem im Dezember mit Gerätetraining begonnen. Besonders für die Hallenböden muss man körperlich einiges tun“, erläutert Gaby Meier. Voll in die ITF-Senioren-Tour einsteigen wollen sie trotzdem nicht. „Wir brauchen unsere Pausen und wollen auch mal die Kinder und Enkelkinder sehen.“ Der Gatte ergänzt: „Ich habe auch keine Lust, ständig mit den selben Leuten immer über die selben Netzroller zu sprechen.“ Über weitere Erfolge zu reden, das käme für die Meiers schon eher in Frage.

Übrigens: In den offiziellen Turnier-Tableaus sind die Namen Gaby und Jochen Meier nie zu finden. Kein Wunder: Die beiden heißen eigentlich Gabriele und Joachim Meier. „Aber so nennt uns wirklich niemand“, stellt Gaby Meier klar.