Der Osthoff-Truppe fehlt das Selbstvertrauen

Am Niederrhein..  Ein 1:1 gegen einen Bezirksliga-Sechsten ist kein schlechtes Ergebnis. Die Umstände können aber auch bei einer Punkteteilung das Fass zum Überlaufen bringen. Zum siebten Mal gab der SV Spellen am letzten Hinrunden-Spieltag gegen die SGE Bedburg-Hau zwei Zähler ab. Trainer Markus Osthoff hatte genug und kündigte seinen Abschied zum Ende der Saison an, weil der ehemalige Fußball-Profi „kein Alibi“ mehr sein möchte. Der Satz blieb über die Winterpause in Erinnerung, der direkte Wiederabstieg soll aber nicht folgen. Den will Osthoff noch verhindern, weil „wir das Zeug dazu haben, diese Klasse zu halten“.

Bis der Aufstieg in die Bezirksliga feststand, brauchte der SVS länger als nötig, ließ einige Chancen fahren, um den Sprung aus der Kreisliga A dingfest zu machen. Diese Halbherzigkeit schien den Tabellen-13. auch zum Schluss der Hinrunde wieder heimzusuchen, als die „Schweizer“ gleich mehrmals die Gelegenheit hatten, die Abstiegsplätze zu verlassen. Sowohl gegen den SC 26 Bocholt (2:3) als auch gegen Alemannia Pfalzdorf (1:1) konnte der SVS keinen Dreier holen, drei Punkte, die vor Weihnachten gut getan hätten. Das Selbstvertrauen ist wie der SVS – im Keller. „Wir hatten die Chance zu punkten“, hadert Osthoff mit den ausgelassenen Möglichkeiten. Weder ist der Schuldige im Schiedsrichter zu suchen noch im Gegner oder im launischen Schicksal. „Da muss sich jeder an die eigene Nase packen“, fordert Osthoff.

Nur drei Siege

Als Aufsteiger wog der Druck nicht besonders hoch auf den Schultern. Der SVS konnte befreit aufspielen und schauen, was möglich ist in der Bezirksliga. Zu Beginn der Saison spürten Spellens Kicker die Freiheit des Newcomers und boten der Liga trotzig die Stirn. Auch vom benachbarten Aufstiegskandidaten und momentanen Spitzenreiter SV 08/29 Friedrichsfeld ließen sich die Spellener nicht einschüchtern, spielten frech auf und brachten die Vereinigten nicht nur in Bedrängnis, sondern auch zu einem Zwei-Punkte-Verlust. Osthoff erinnert sich gern an die ersten Monate: „Wir haben klasse Fußball gespielt.“ Doch im Laufe der Saison bröckelte die Lockerheit, Unentschieden reihte sich an Unentschieden, mehrfach kassierte Spellen erst in den Schlussminuten den Ausgleich. Auf drei magere Siege kommt der SV Spellen in einer Gruppe, in der der Klassenerhalt kein guter Vorsatz fürs neue Jahr ist. Der Liga-Neuling konnte gegen jede Mannschaft mithalten. Das macht Mut, doch den muss sich der SV Spellen zurückholen. Weniger ist es das Personal, das Sorgen bereitet, sondern der Kopf der Spieler. „Wir müssen an der Fitness und an der Konzentration arbeiten. Es fehlt das Selbstvertrauen. In der Bundesliga ist es bei Borussia Dortmund nicht anders“, vergleicht Osthoff die Schieflage des SV Spellen mit der des krisengeschüttelten Ruhrpott-Clubs.

Um aus der Misere herauszukommen, muss der SV Spellen mit dem auskommen, was vorhanden ist, sagt Osthoff: „Es ist nicht die Philosophie des SV Spellen, Spieler zu kaufen. Das ist auch nicht notwendig.“ Als Konsequenz folgt daraus, dass die Gesetzten in der Pflicht sind. „Der SVS kann mehr von seinen Spielern erwarten. Ich fordere von meinen Spielern, dass sie sich mehr einbringen werden.“ Bemüht sich jemand nicht, wird er sich in der zweiten Mannschaft wieder finden. „Die Spieler, die ich habe, nehme ich in die Pflicht.“ Mit der richtigen Einstellung kann der Klassenerhalt noch gelingen. Sollte der SVS in der kommenden Saison wieder in der Kreisliga spielen, hat er es selbst verbockt.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE