Anpfiff in neuen Vereinsfarben

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Alle gegen alle kennt nur wenige Regeln. Und macht deshalb besonders viel Spaß. Gerade Kindern und Jugendlichen. Die toben gern ungezügelt. Elisabeth Naß und Sabrina Angenendt wissen das genau. Die Übungsleiterinnen werfen drei butterweiche Schaumgummibälle in die motivierte Menge aus gut 30 Bewegungswilligen. Die Mitstreiter treffen und eigene Treffer vermeiden, so heißt die simple Zielvorgabe. Ohne freilich beim wilden Umherrennen rowdy-haften Körperkontakt zu suchen.

Unter der Hand geht’s natürlich darum: sich für die folgenden leichtathletik-spezifischen Übungen in der kleinen, gedrungen wie ein Schuhkarton wirkenden Turnhalle der St. Georg-Grundschule zu Hüthum spielerisch warm zu machen.

Mit dem neuen Jahr steht der Nachwuchs auch in neuen Startlöchern. Eine fast 40-köpfige Gruppe hat die Vereinsfarben gewechselt. Statt Blau-Weiß für die DJK Hüthum-Borghees ist nun Grün-Weiß für den TV Elten angesagt. Die Trainingsstätten bleiben gleich, nur die T-Shirts sind getauscht. Auch wenn das im Training noch nicht alle Kinder konsequent umsetzen.

Sabrina Angenendt will über den Clubwechsel aus den letzten Wochen des alten Jahres nicht viele Worte verlieren. „Es hat mit den Fußballern keine Harmonie mehr gegeben“, sagt sie nur. Dass die DJK in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist und eventuell als Verein sogar komplett vor dem Aus stehen könnte, kommentiert sie nicht.

Es gibt Wichtigeres. Nele beispielsweise. Die zweijährige Tochter von Sabrina Angenendt ist so ein wenig das Maskottchen der Neu-Eltener Trainingsgruppe. Ob sie mal in die Fußstapfen der Mama tritt, die einst als Speerwerferin durchaus Ambitionen hatte? Es war und ist schließlich möglich, von Hüthum aus zu Deutschen Meisterschaften durchzustarten. Wenn man eine gewisse sportliche Klasse aufbaut.

Jeannine Derksen gelang das 1995. Im 100-Meter-Endlauf im Bremer Weserstadion wurde sie Sechste. Melanie Paschke, die 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta startete und 2001 mit der Staffel WM-Gold gewann, siegte da in 11,04 Sekunden. Mit Christian Pommerin gab es 2001 einen zweiten Hüthumer bei der „DM“. Der Langstreckler startete allerdings im Stuttgarter Daimler-Stadion für den TV Nütterden.

Zurück in Hüthum. Elisabeth Naß sitzt im Umkleideraum der Turnhalle. Wirkt drahtig wie eine Marathonläuferin. Hatte aber wegen der Geburt ihrer vier Kinder lange pausiert. Seit einiger Zeit ist die 52-Jährige wieder in Sachen Leichtathletik unterwegs. Gibt Kurse an Schulen in Praest und Elten. Dazu natürlich auch beim TV Elten. Die zehn Kilometer schafft sie immer noch in respektablen 45 Minuten. Beim ersten Strong-Man-Lauf in Weeze über 16 Kilometer mit 26 Hindernissen war sie vor gut sieben Jahren auch dabei.

Naß winkt allerdings sofort ab, als das Gespräch auf mögliche hohe Ziele eines blutjungen Sportlers zudriftet. „Nein“, sagt die ehemalige Mittelstrecklerin bestimmt, „uns geht es um den Spaß am Laufen und an der Bewegung. Bei Kindern sollte kein Druck hinter den Übungseinheiten stehen.“ Eine Runde „freier Brennball“ zum Aufwärmen unterstreicht Naß’ Vorhaben.

Auch Sabrina Angenendt mag niemanden aus der Hüthumer Leichtathletik-Gruppe hervorheben, der vielleicht einmal größere Ambitionen auf Starts jenseits des Eugen-Reintjes-Stadions hegen darf. Es läge allerdings in der Natur der Sache, dass aufs spielerische Miteinander irgendwann der Wettbewerb folgt. „Das wollen die Kinder auch so, weil es Selbstvertrauen aufbaut. Der eine ist hier, der andere dort vorn“, sagt die 31-jährige ausgebildete Krankenschwester.

Die Leichtathletik mit ihren unterschiedlichen Disziplinen fördert das Individuum. Und, über Hilfestellungen, Staffeln oder auch die simple akustische Rückendeckung, die Gruppendynamik obendrein. Dazu lässt sich ein Jahn’scher Sportgedanke gut umsetzen: vom Einfachen zum Schweren. Es muss ja nicht gleich technisch ambitioniert sein. Wie beim Hochsprung.

Turnhalle ist gut gefüllt

An diesem Freitagabend ist die Turnhalle in Hüthum gut gefüllt. Was kaum selbstverständlich ist. Stundenlanges Spielen auf dem unwiderstehlichen I-Phone ist allerdings nicht der Hauptgrund, warum es bei vielen Vereinen an Nachwuchs mangelt. „Es liegt daran, dass in vielen Schulen am Nachmittag Unterricht läuft. Es ist schwer, sich danach für den Sportverein aufzuraffen“, hebt Angenendt hervor.

Bei den Jüngsten ab fünf Jahren ist das noch relativ leicht. Dazu gestalten sich die Vorlieben simpel. Laufen und Weitsprung liegen vorn. „Schlagballwerfen ist eher langweilig, weil die Erfolgserlebnisse in diesem Alter übersichtlich sind“, weiß Sabrina Angenendt.

Bei den Älteren gibt es einige gute Speerwerferinnen. Roxana Peters schaffte es im vergangenen Jahr bis zu den Nordrhein-Meisterschaften. Anna Jantzen war dort im Weitsprung und Mehrkampf mit dabei.

Ambitionen haben nicht nur die Sportler. Sondern auch der TV Elten. Dessen Chef Christoph Kukulies ist schließlich Läufer aus Leidenschaft. 2006 startete das Embrica-Ratsmitglied bei den Deutschen Meisterschaften im 100-Kilometer-Lauf beim SSC Hanau-Rodenbach nahe Frankfurt. 9:47,22 Stunden und Platz 108 nötigen immer noch großen Respekt ab.

Kukulies jedenfalls hievte erst einmal Sabrina Angenendt als neue 2. Vorsitzende mit ins Eltener Vereinsboot. „Wir haben weder abgeworben, noch uns aufgedrängt“, bekräftigt Kukulies zum Clubwechsel der Hüthumer Leichtathleten, „es ist allerdings gut für den Verein, die Mitgliederzahl zu steigern.“ Genauer geschrieben: um 40 auf knapp 400.

Neben dem 39. Grenzlauf mit dem 5. pro-kids-Rennen am 31. Mai sind die Eltener im neuen Jahr auch Gastgeber eines Trainingscamps des Kreises Kleve zwei Wochen zuvor. Dazu steht das Leichtathletik-Sportfest nebst Kreismeisterschaften im Eugen-Reintjes-Stadion auf dem Kalender. Einige aus den Ex-Hüthumer Gruppen wollen dann ihr Können unter Beweis stellen. Und in guter Form in den Startlöchern stehen.