Zeitstrafen-Festival beim Spiel des OSC Rheinhausen
13.02.2012 | 11:10 Uhr 2012-02-13T11:10:00+0100
Duisburg 30:30 endete das Drittligaspiel zwischen dem OSC Rheinhausen und Eintracht Hagen.
OSC Rheinhausen –
Eintracht Hagen30:30 (13:13)
OSC: Reckzeh (Bothe) – Szymanowicz (11/3), Gentges, Schürmann (je 3), Ranftler , Backhaus, Bernau , Wernicke, Bochwitz (je 2), Schneider, Dickel, Loschinski (je 1).
Gut 50 Minuten lang war das Drittliga-Handballspiel zwischen dem OSC Rheinhausen und dem VfL Eintracht Hagen so spannend wie ein Kurkonzert in Bad Kreuznach. Doch dann überschlugen sich an der Krefelder Straße die Ereignisse. Nach dem Match, das 30:30 (13:13) endete, schleuderte Mirko Bernau, beim OSC Manager und Spieler in Personalunion, vor Wut einen Kasten Sprudelwasser aufs Spielfeld. Höhepunkt einer kuriosen und bizarr anmutenden Schlussphase war die Situation, als Hagen angesichts von fünf Zeitstrafen nur noch einen Feldspieler auf dem Parkett hatte.
Beide Trainer – Jörg Förderer (OSC) und Khalid Khan (Hagen) – konnten sich hinterher nicht entsinnen, in ihrer langen Laufbahn schon einmal so etwas erlebt zu haben. Dem OSC kamen die Turbulenzen in der Schlussphase entgegen. Sie ließen zahlreiche spielerische Unzulänglichkeiten der Rheinhauser in der zweiten Halbzeit in den Hintergrund rücken: Der OSC war schon längst mit Höchstgeschwindigkeit auf die Verliererstraße eingebogen.
In der Phase, als ein Hagener nach dem anderen – auch Khalid Khan dezimierte durch eine Zeitstrafe sein Team – das Parkett verließ, drehte der OSC ein schon verlorenes Match von 25:27 auf 30:27. Bei nur einem Gegenspieler traf der OSC durch Mirko Szymanowicz zum 27:27. Das hätte vermutlich auch die D-Jugend des OSC geschafft.
Wernicke gesperrt
Los ging der Ärger mit einer Roten Karte gegen den Hagener Maciej Dmytruszynski, der mit OSC-Spieler Patrik Ranftler zusammengeprallt war. Die Schiedsrichter sahen eine Tätlichkeit, Hagens Trainer Khalid Khan eine Schauspieleinlage des Rheinhausers. „Patrik hat bei mir verschissen. So etwas macht man nicht“, wetterte Khan.
Jörg Förderer hatte andere Sorgen. Zwar sprach er am Ende von einem Remis, „mit dem beide leben können“, trotzdem ärgerte er sich über den leichtfertig verspielten Drei-Tore-Vorsprung in den letzten Minuten. Erst eine Sekunde vor dem Abpfiff traf Hagen zum 30:30. Zuvor hatte beim OSC Tim Gentges einen Angriff eigenwillig und überhastet mit einem Fehlwurf abgeschlossen.
Nach einer Rangelei mit einem Gegenspieler sah auch Marcel Wernicke kurz vor Schluss eine Rote Karte. Der Ex-Düsseldorfer wird den Rheinhausern nun mindestens für eine Partie mit einer Sperre nicht zur Verfügung stehen.
11:23
Sorry, Herr Retzlaff, aber auch die ersten 50 min waren spannend. Hagens Trainer Khalid Khan hatte sich eine interessante Strategie ausgedacht. Er nahm von Anfang an OSC-Spielmacher Tim Gentges aus dem Spiel, ließ ihn von Spielbeginn an durch Ben Schütte manndecken. Für den Zuschauer stellte sich die Frage, wie der OSC mit dieser Situation klar kommen würde. Szymanowicz rückte in die Position des Spielmachers, kurzzeitig Loschinski, am Ende dann Mirko Bernau.
Daß die Punkteteilung am Ende das gerechte Ergebnis war muss man wohl beiden Mannschaften zubilligen. Schlimm nur, welch gute Einwurfmöglichkeiten der OSC verballerte (Wernicke übers Tor, Gentgens Pfosten).
Noch schlimmer allerdings die letzten beiden Spielminuten. Da führt der OSC mit 3 (!) Treffern, verfällt in Hektik, anstelle die Führung routiniert herunterzuspielen und die Chance bis an den Rand des Zeitspiels auszureizen.
Man hatte fast den Eindruck, als hätte die Truppe (alles intelligente Spieler) das Hirn auf der Reservebank gelassen, so konfus spielten die Olympischen. Fast schon, als seien manche Spieler in Gedanken schon bei anderen Vereinsemblemen für die kommende Saison.
Viel Arbeit noch für Trainer Jörg Förderer und seine Mannen.