Wo der Trainer Sir genannt wird

Jan Striewe (rechts) lief beim Stadtpokal für die Viktoria auf. Hier bestreitet er einen Zweikampf mit dem Homberger Almir Sogolj.
Jan Striewe (rechts) lief beim Stadtpokal für die Viktoria auf. Hier bestreitet er einen Zweikampf mit dem Homberger Almir Sogolj.
Foto: Lars Fröhlich
Jan Striewe von Viktoria Buchholz hat das erste Semester am Williams Baptist College in Arkansas absolviert. Beim Fußballteam der Uni, den WBC Eagles, wurde er sofort zum Stammspieler

Duisburg..  Viktoria Buchholz spielt in der Fußball-Bezirksliga. Wenn weite Auswärtsfahrten anstehen, dann geht es nach Oberhausen oder Mülheim. Keine Weltreise. Jan Striewe ist inzwischen anderes gewohnt. „Unsere kürzeste Auswärtsfahrt dauerte drei Stunden – die längste acht Stunden.“ Nun hat der 20-jährige Defensivspieler die Viktoria nicht Richtung Bundesliga verlassen, wohl aber Richtung USA. Er studiert am Williams Baptist College „Business“ – Striewe: „Das ist so etwas wie BWL“ – und spielt dort auch für die WBC Eagles Fußball. Uni-Sport – das ist in den Vereinigten Staaten eine normale und mitunter auch große Sache.

Das Niveau in der American Midwest Conference, in der die WBC Eagles aus Walnut Ridge, Arkansas spielen? „Ich denke, das bewegt sich zwischen Landes- und Bezirksliga. Das hängt immer von den jeweiligen Mannschaften ab“, berichtet Striewe, der einen wichtigen Unterschied aber sofort ausgemacht hat. „In Deutschland haben wir natürlich auch viele erfahrene Spieler dabei, sodass die Altersspanne in einer Mannschaft von 18 bis 35 Jahren reicht. Bei einem Uni-Team ist es eher 18 bis 24 Jahre.“ Platzhirsche gibt es dort also nicht. Und weil der junge Duisburger sein Metier beherrscht, ist er sofort zum Stammspieler der Adler geworden.

Wenn die Saison läuft, besteht seine Uni-Woche vornehmlich aus Unterricht und Training – deutlich mehr, als es bei einem hiesigen Landes- oder Bezirksligisten möglich ist. „Im kommenden Semester ist das anders. Dann pausiert die Fußball-Saison – auch wetterbedingt.“ Das Training wird etwas heruntergefahren, zudem stehen dann noch einige Freundschaftsspiele an. Für Striewe ist es allerdings eine gute Gelegenheit, sich die anderen Sportarten, die an seinem College betrieben werden, anzusehen. „Unsere Volleyballerinnen sind ganz gut. Denen schauen wir schon ganz gerne zu“, sagt er mit einem Lächeln. Basketball, Baseball und Softball – das steht am Williams Baptist College in der so genannten Winter- oder Frühlingssaison auf dem Terminplan. Fußball, Volleyball und Crosslauf finden in der Herbstsaison statt.

Ein weiterer Unterschied: Professoren, Lehrer und Trainer werden im Regelfall mit „Sir“ angesprochen. „Das ist ein ganz anderer Umgangston als bei uns in Deutschland. Eine größere Distanz, dabei aber durchaus sehr respektvoll“, beschreibt Striewe die Atmosphäre in einem US-amerikanischen Uni-Team.

Eine neue Lebenserfahrung

Seine Entscheidung, nach Arkansas zu gehen, hat der 20-Jährige noch keine Sekunde bereut. „Am Anfang war es sicherlich schwierig, dem Unterricht zu folgen – gerade, wenn es um Fachbegriffe geht. Ich würde lügen, wenn ich sage, es wäre anders. Aber man findet dann doch schnell hinein und fängt sogar an, auf Englisch zu denken.“ Doch es sind halt nicht nur die reinen universitären und fußballerischen Elemente, die Striewe beeindrucken. „Es geht ja um viel mehr. Das ist eine ganz neue Lebenserfahrung.“ Künftige Semesterferien würde er auch gerne mal in den USA verbringen, um mehr vom Land zu sehen.

Über Weihnachten war er allerdings zu Hause Dabei spielte er auch beim Stadtpokal für seine Viktoria. Inzwischen ist Jan Striewe aber wieder zurück in seiner Wahlheimat Walnut Ridge.

Die Teambilanz der WBC Eagles

Die WBC Eagles haben im Männerfußball erst zum zweiten Mal seit Einführung des Fußballprogramms an dieser Uni die Play-offs in der American Midwest Conference erreicht. Dabei mussten sich die Adler im Viertelfinale den Cougars vom Columbia College mit 1:7 geschlagen geben. Den Ehrentreffer erzielte Jan Striewe. Das Team ist international besetzt. Im Wohnheim teilt sich der Duisburger ein Zimmer mit einem Mitspieler aus Brasilien. Die Gesamtbilanz weist für die Eagles sechs Siege, acht Niederlagen und ein Unentschieden aus.