Wanheimerorter wollen weiter kämpfen

Michael Kosmell und seine Mitstreiter wollen für den Fortbestand der DJK kämpfen.
Michael Kosmell und seine Mitstreiter wollen für den Fortbestand der DJK kämpfen.
Foto: Michael Dahlke
Was wir bereits wissen
Ein halbes Jahr nach dem Umzug zieht die DJK Zwischenbilanz. Ein Team ist übrig geblieben – dessen Kapitän zeigt aber Durchhaltewillen.

Duisburg.. Die DJK Wanheimerort musste schon wieder umziehen. Im langjährigen Vereinslokal wird der Fokus nun aufs Essen gerichtet, deshalb trinken die Fußballer ihr Bier nach dem Spiel künftig im Hultschiner Stübchen. Praktisch, die Gaststätte im Herzen Wanheimerorts gehört Cheftrainer Michael Kosmell.

Dieser Umzug hat die DJK nicht so hart getroffen wie jener, der mittlerweile ziemlich genau ein halbes Jahr zurückliegt. Der Konflikt mit dem Nachbarklub DSV 1900 um die Nutzung der Platzanlage an der Düsseldorfer Straße schlug hohe Wellen, am Ende musste die DJK weichen. Die Fusion per Beitritt zum ungeliebten Konkurrenten wurde ausgeschlossen, stattdessen zog die erste Mannschaft zum SV Wanheim 1900 und spielt dort nun als Gast. Die Jugendteams schlossen sich größtenteils Wanheim an, die Frauenmannschaft hat sich aufgelöst. „Rund 150, 160 Mitglieder haben wir noch“, sagt der Vorsitzende Joachim Schneider. 350 waren es mal.

Die Verbitterung sitzt tief

Nach einem Verein mit großer Zukunft klingt das nicht. „Wir machen weiter, mindestens bis 2019. Das schwöre ich“, zeigt sich Yannik Kosmell kämpferisch. Beim Sohn des Trainers, gleichzeitig Kapitän der „Ersten“, sitzt die Verbitterung tief. Aber bei wem nicht, der trotzdem der DJK treu geblieben ist? Auch der 2. Vorsitzende Ralf Fleischer ist immer noch empört: „Hier wurde ein gesunder Verein kaputt gemacht.“

Der Ärger richtet sich unverdrossen gegen die Stadt, die voreingenommen gegenüber der DJK gewesen sei, den Stadtsportbund, der keine Hilfe angeboten habe, und naturgemäß gegen den DSV 1900. Oder? „Nein, nicht gegen den DSV in seiner Gesamtheit. Nur gegen Thomas Brag“, betont Joachim Schneider. Der Zwist mit seinem Amtskollegen bestimmte bekanntlich den Ton in der Auseinandersetzung, an deren Ende die DJK Abschied von ihrer angestammten Heimat nahm. „Emotional ist das alles beschissen gelaufen“, sagt Yannik Kosmell. Das gute Verhältnis innerhalb des Vereins, zwischen Senioren und Jugend, sei unwiderruflich zerstört.

Kader praktisch unverändert

Der Dank gegenüber Wanheim 1900, den heimatlosen Klub aufgenommen zu haben, ist groß. „Das funktioniert alles bestens“, so Joachim Schneider. Doch Ralf Fleischer betont: „Ein Heimatgefühl stellt sich nun einmal nicht ein. Das ist gewiss kein Vorwurf an Wanheim, es ist eben so.“

Wie lange dieses Konstrukt noch funktionieren kann? Das Nahziel heißt 2019, dann wird die DJK 100 Jahre alt. „Unsere Mannschaft besteht aus lauter Jungs, die seit den Bambini oder der F-Jugend im Verein sind. Die hängen mit dem Herzen dran“, sagt Michael Kosmell. Deshalb ist der Kader auch praktisch unverändert. Verlockungen zu Wechseln gab es, sie blieben unbeantwortet. Neue Spieler kamen nicht hinzu. „Es ist schwierig, Leute zu kriegen, wenn man mit einem Bein im Abgrund steht“, glaubt Ralf Fleischer. Coach Kosmell hätte natürlich gern noch ein paar Alternativen mehr. Schließlich soll auch in dieser Saison wieder ein vorderer Platz angepeilt werden. Ein Ziel heißt: Stadtpokal. Da war die DJK in diesem Jahr schon qualifiziert, doch die Mannschaft entschied sich zum Boykott. „Diesmal“, sagt Yannik Kosmell, „treten wir an.“