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Laufsport

Von Brautkleidern und Elefanten

23.01.2015 | 08:00 Uhr
Von Brautkleidern und Elefanten
2008 lief Jumane Boki aus Kenia selbst Serien-Rekordsieger Manuel Meyer (Nr. 2877) deutlich davon.Foto: Alexandra Umbach

Duisburg.   Der ASV Duisburg blickt auf 30 erfolgreiche Jahre Winterlaufserie zurück – und vermisst die Anerkennung der Stadt .

Elefanten in Duisburg? Da staunten die Starter der Winterlaufserie nicht schlecht. Die Organisatoren des ASV Duisburg wollten einen in Wedau gastierenden Zirkus als Attraktion für ihren noch jungen Lauf-Dreiteiler nutzen und stellten die Dickhäuter an die Spitze des Feldes. Doch als die Elefanten den Weg für den Startschuss frei machten, lief erst einmal gar nichts mehr. „Große, dampfende Misthaufen versperrten den Weg“, erinnert sich Friedhelm Abel. Heute lachen der Mitorganisator und die weiteren Macher des ASV gern über diesen – im wahrsten Sinne – kleinen Griff ins Klo in den Anfängen der Winterlauf-Geschichte. Inzwischen ist die Serie eine feste Größe im Terminkalender etlicher Athleten. Mit der Auftaktetappe am 31. Januar begeht die Winterlaufserie ihr 30-jähriges Jubiläum.

Von der Idee zur Perfektion

1809 Starter warteten damals bei der fünften Ausgabe auf die Beseitigung der Misthaufen. Eine gewaltige Steigerung gegenüber den 694 Meldungen im Jahr 1986, als der ASV der nach Europa überschwappenden Joggingwelle aus den USA folgte und die Lauftrilogie ins Leben rief. Doch selbst diese Zahlen lassen die „Plattfüße“ heute schmunzeln. Die einstige Idee, der damals noch geringen Akzeptanz des Ausdauersports mit einem breit gefächerten Streckenangebot von 5000 Metern bis zur Halbmarathondistanz entgegen zu treten, hat sich nach ASV-Angaben zu „Deutschlands, vielleicht sogar Europas größter Serie ihrer Art“ entwickelt.

Zum Jubiläum begrüßt der ASV 5500 Läuferinnen und Läufer im Leichtathletikstadion. Binnen drei Wochen war die Serie ausgebucht. Tausende Meldungen mehr lagen vor. Doch der ASV hat sich das Teilnehmerlimit selbst auferlegt. „Klasse statt Masse“, lautet der Slogan. „Die Qualität der Veranstaltung hatte von Beginn an oberste Priorität“, erklärt Abel. „Nicht die volle Kasse stand im Vordergrund, sondern die Zufriedenheit der Aktiven.“ Sicherheit, Service, Kritikfähigkeit und das ständige Bestreben nach Verbesserung sind die Schlagworte für den Erfolg.

An Pannen kam auch der ASV nicht vorbei. Doch ob es nun Elefantenmist war, der 200-Meter-Stau vor dem Ziel bei der ersten Serie oder aber Läufer, die von Verkehrspolizisten aufgehalten wurden – nach 30 Jahren sind es Anekdoten, an die sich die ASVler ebenso gern erinnern wie an den Zieleinlauf von Bernadett Schneider im Jahr 1993: als die frisch vermählte Ratingerin ihre Hochzeitsreise eigens für den Winterlauf verschoben hatte und im Brautkleid antrat. Wetterkapriolen vom Orkan über vereiste Straßen bis hin zu sengender Hitze im März konnten die Plattfüße nicht in die Knie zwingen. Und auch wenn sie sich inzwischen nahe an der Perfektion sehen, ruhen sie sich nicht auf ihren Lorbeeren aus. Der dritte Verpflegungsstand mitten im Wald sowie die Einführung der 7500-Meter-Strecke bei der zweiten Etappe der Kleinen Serie sind nur zwei Beispiele für Neuerungen zum Jubiläum, mit denen die Organisatoren nach intensiver Ausarbeitung Wünschen der Läufer und neuen Ideen nachgekommen sind.

„Über eine halbe Million Besucher“

Selbst Top-Athleten aus Kenia gingen schon an den Start der Serie. Weitaus wichtiger als das internationale Profi-Flair ist den Machern der Serie jedoch ihre Bedeutung als Repräsentant der Stadt Duisburg. „Die Verbesserung des Images liegt uns sehr am Herzen“, stellt Friedhelm Abel heraus. Über eine halbe Millionen Besucher aus 175 Städten hat die Serie laut Abels Hochrechnungen in den letzten 30 Jahren nach Duisburg gelockt. Und all diesen Menschen habe man „mit den Läufen durch die grüne Lunge Duisburgs, entlang der Regattabahn und der Sechs-Seen-Platte das positive Erscheinungsbild der Stadt präsentieren können“, so Abel. Dass Duisburg mehr zu bieten hat als das in vielen Köpfen behaftete Schwerindustrie- und Schimanski-Image, das die Loveparade-Katastrophe noch negativ verstärkte.

Gleichzeitig drückt die Plattfüße in diesem Punkt der Laufschuh: „Wir sind seit vielen Jahren ein treuer Partner, der die Infrastruktur wie kaum sonst noch jemand nutzt, ohne dass es die Stadt auch nur einen Cent kostet. Für die genutzten Einrichtungen zahlen wir ja“, erklärt Mitorganisator Erwin Schmitz. Doch zurück käme wenig bis nichts. Dabei geht es dem ASV nicht um finanzielle Unterstützung. „Aber uns fehlt etwas das Miteinander. Das ist sehr einseitig“, führt Schmitz aus.

Vor fünf Jahren schien der Schulterschluss erreicht. Die Stadt wollte sich bei der Serie präsentieren, unter anderem mit Zoo-Gutscheinen dazu beitragen, dass die Läufer auch außerhalb der Veranstaltung den Weg nach Duisburg finden. „Doch passiert ist gar nichts“, berichtet Abel. Dass es auch anders geht, weiß Frank Zahn, der im Orga-Team der Serie den Posten von ASV-Boss Felix Brüll übernommen hat, aus eigener Erfahrung: „Beim Triathlon in Roth oder dem Kraichgau lebt die ganze Stadt die Veranstaltung“, berichtet Zahn, „bis hin zum Bürgermeister, der die Athleten persönlich einweist. Dort hat man verstanden, was das Event für die Stadt bedeutet.“

Dass dies auch in Duisburg geschieht, darauf können die Macher der Winterlaufserie auch zum 30. Jubiläum nur hoffen. Fest steht: Elefanten wird es bei der ersten Etappe über 5000 Meter in der Kleinen und 10 000 Meter in der Großen Serie am 31. Januar nicht geben. Für den bunten Zirkus in Wedau sorgen 5500 Läuferinnen und Läufer inzwischen selbst.

Sven Kowalski

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2015-01-23 08:00
Duisburg