TuS Mündelheim stellt wieder ein Frauenteam

TuS-Trainer Rainer Esperschidt (Mitte, links) und sein Team. Immer dabei: Tochter Hannah (vorn rechts).Ganz hinten winkt Kapitänin Svenja von Lackum.
TuS-Trainer Rainer Esperschidt (Mitte, links) und sein Team. Immer dabei: Tochter Hannah (vorn rechts).Ganz hinten winkt Kapitänin Svenja von Lackum.
Foto: WAZ FotoPool
Nach 25 Jahren ist für die TuS Mündelheim wieder eine Frauenfußball-Mannschaft in den Ligenbetrieb zurückgekehrt.

Duisburg..  Wenn’s mal wieder länger dauert, muss Hannah ran. Hannah ist die kleine Tochter von Rainer Esperschidt und darf all das tun, was ihr Vater in seinem Job als Trainer der TuS Mündelheim eben nicht tun darf. Und das ist vor allem eines: vor dem Spiel unangemeldet in der Umkleidekabine auftauchen. Denn seit dem Sommer ist Rainer Esperschidt, der am Rheinheimer Weg früher den männlichen Nachwuchs von den Bambini bis zur B-Jugend betreut hat, für das neue Mündelheimer Frauen-Team verantwortlich. Nach 25 Jahren ist die TuS mit einer eigenen Mannschaft in den Spielbetrieb zurückgekehrt.

In Duisburgs südwestlichstem Zipfel ist alles immer noch ein bisschen anders. Ländlicher, ruhiger. Man hält zusammen. Deshalb spricht Axel Wunderlich, der sportliche Leiter des Vereins, auch gern von der „TuS-Familie“. Und dass die Frauen-Mannschaft ein „schöner bunter Farbfleck in der Männer-Abteilung“ sei.

Das Zwischenfazit nach einem guten halben Jahr klingt positiv. Dass es so ausfallen würde, war im Sommer zumindest nicht selbstverständlich gewesen. Es war so etwas wie ein Sprung ins Ungewisse, den die Mündelheimer unternahmen, als sie die zuvor praktizierte Spielgemeinschaft mit der Turnerschaft Rahm auflösten. „Daraus waren ganze vier Spielerinnen übrig geblieben“, erinnert sich Wunderlich.

WM-Sieg sorgte für Zuwachs

Als Trainer holte er einen alten Bekannten an seine Seite. „Wir waren beide im 84er-Ausbildungsjahrgang bei der Sparkasse“, erzählt Rainer Esperschidt. Er ist dem Kreditinstitut seitdem treu geblieben, fungiert dort inzwischen als Personalleiter. „Daher ist Kommunikation für mich etwas Geübtes“, sagt er. Nach kurzer Bedenkzeit gab er grünes Licht und machte sich an der Aufbau eines schlagkräftigen Kaders. „Als ich aus meinem Urlaub in Kanada zurückkehrte, hatten wir so neun bis 13 Spielerinnen. Dann hat aber der Sieg der Männer bei der Weltmeisterschaft für eine gewisse Euphorie gesorgt.“ Durch Mundpropaganda wuchs das Team auf rund 20 Kickerinnen an – genug, um sinnvoll arbeiten zu können.

Eine von ihnen ist Svenja von Lackum. Sie wechselte mit einigen Teamkolleginnen von der aufgelösten Mannschaft des VfL Süd zum Lokalrivalen. Die Frau mit dem auffälligen roten Haarschopf trägt inzwischen die Kapitänsbinde und kann nur Gutes über die neue Heimat berichten: „Die Kampfkuhle ist super!“ So haben die Mündelheimer augenzwinkernd ihre Platzanlage getauft, die bei den Spielen der Frauenmannschaft mittlerweile das Publikum in vergleichsweise großer Zahl anlockt. „In der Spitze sind 150 Zuschauer dabei“, sagt Axel Wunderlich nicht ohne Stolz – für eine Mannschaft in der Frauen-Kreisliga ein üblicherweise eher unrealistischer Wert. Das weiß auch Svenja von Lackum: „Beim VfL Süd hatten wir fünf Stamm-Fans – einer davon war meine Mutter . . . Hier vor so vielen Leuten zu spielen, ist definitiv ein erhebendes Gefühl.“

Die Chemie zwischen Mannschaft und Trainer scheint auch zu stimmen. „Rainer ist sehr organisiert“, lobt die TuS-Kapitänin ihren Coach, der umgekehrt auch nur Positives sagen kann: „Ich wusste vorher nicht, wie es ist, mit einem Frauenteam zu arbeiten. Sie wollen alle lernen, fragen immer nach. Das ist ähnlich wie bei einer Jugendmannschaft.“

„Wir werden immer besser“

Die kleinen Unterschiede fallen da kaum ins Gewicht. Wenn doch, muss eben Tochter Hannah ran. Das geht in der Regel planmäßig ab; nur ein einziges Mal musste der Coach bislang darauf drängen, seinen Platz in der Kabine endlich einnehmen zu können: „Da fehlte unsere Torhüterin, und es gab eine lange Diskussion darüber, wer für sie spielt, obwohl das im Vorfeld längst festgelegt worden war.“ Wenn das schon alles an Disharmonie ist . . .

Das vor Saisonbeginn verkündete Ziel, „eine vernünftig spielende gute Mannschaft“ auf die Beine zu stellen, ist offensichtlich längst erreicht. „Spieltechnisch werden wir immer besser“, sagt Rainer Esperschidt nicht ohne Stolz. Und ihren Platz in der TuS-Familie haben sich die Frauen ohnehin längst gesichert.

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