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Rassismus

Spruchkammer sperrt Torwart nach Flaschenwurf in Bottrop

04.04.2013 | 22:58 Uhr
Spruchkammer sperrt Torwart nach Flaschenwurf in Bottrop
Der Hamborner Torwart Ikenna Onukogu (links) vor der Spruchkammersitzung. Der Keeper erhielt eine zusätzliche Sperre.Foto: Kerstin Bögeholz/WAZ FotoPool

Duisburg.   Im Streit um rassistische Beleidigungen gegen den afrikanisch-stämmigen Torwart von Hertha Hamborn hat die Bezirksspruchkammer des Fußballverbands Niederrhein am Donnerstagabend eine überraschende Entscheidung gefällt. Der Fall hatte für Wirbel gesorgt, auch weiter über Duisburg hinaus.

Das ZDF erschien mit einem Kamerateam, eine überschaubare Zahl an Journalisten war in der Sportschule Wedau zugegen, hinzu kamen nur wenige Besucher – den Einsatz eines Sicherheitsdienstes hätte sich der Fußball-Verband Niederrhein am Donnerstagabend auch sparen können. Der Fall „Ikenna Onukogu“ endete vor der Bezirksspruchkammer 3 nicht so spektakulär wie es manche Beobachter erwartet hatten. Aber das Urteil überraschte. Torwart Ikenna Onukogo erhält eine zusätzliche Sperre bis zum 16. Mai. Das Verfahren wegen rassistischer Äußerungen gegen Dostlukspor Bottrop wurde eingestellt.

Die Kammer verhandelte unter Vorsitz von Hans-Günter Drießen aus Rees den Spielabbruch der Bezirksliga-Partie zwischen Dostlukspor Bottrop und Hertha Hamborn. Hamborns Keeper Ikenna Onukogu hatte den Abbruch mit einem Wurf einer Trinkflasche ins Publikum herbeigeführt, berief sich aber auf rassistische Anfeindungen aus dem Kreis der Zuschauer.

Es lief von Beginn an nicht gut für den Torhüter von Hertha Hamborn. Rechtsanwalt Heiner Kahlert aus München, der den Nigerianer kostenlos verteidigte, dürfte sich sein freiwilliges Mandat im Vorfeld leichter vorgestellt haben. Hertha Hamborn konnte vor der Bezirksspruchkammer 3 nicht den Beweis erbringen, dass es aus dem Bottroper Publikum rassistische Anfeindungen gegen Onukogu gegeben hatte.

Die eigene Trinkflasche?

Onukogus Problem: Der Bottroper Seite, ebenfalls durch einen Rechtsanwalt vertreten, gelang es, die Glaubwürdigkeit des Torhüter in Frage zu stellen. Der Keeper schilderte vor der Kammer, dass die berüchtigte Trinkflasche, die er später ins Publikum zurückwarf, zuvor von Zuschauern auf den Platz in den Fünfmeterraum geworfen worden sei. Diese Version war zwei Stunden nach Sitzungsbeginn nicht mehr haltbar. Offenbar war es Onukogus eigene Trinkflasche, die außerdem während der zweiten Halbzeit im Hamborner Tor gelegen hatte. Der beim Spiel anwesende Pressefotograf, dessen Bilder bundesweit bekannt wurden, belegte dies mit Aussage und Fotos, die er der Kammer zur Verfügung stellte. Auch Schiedsrichter Thorsten Aretz aus Mönchengladbach bezeugte dies.

Die Tumulte, die kurz vor dem regulären Ende des Spiels zum Abbruch führten, beschrieb Ikenna Onukogu so: Er habe nach zahlreichen rassistischen Anfeindungen die Zuschauer zur Rede stellen wollen und sei Schubsern ausgesetzt gewesen. Andere Zeugen beschrieben, dass die Leute im Publikum eine Abwehrhaltung eingenommen hätten, da Onukogu auf sie zugestürmt sei.

„Der Torwart ist wie verrückt auf dem Platz herumgesprungen“, so Schiedsrichter Aretz, der die Tumulte in Bottrop als ein „wildes Hin und Her“ beschrieb. Um 22.30 Uhr sprach Hans-Günter Drießen schließlich das Urteil. Dostlukspor erhält zudem auch die drei Punkte und gewinnt am Grünen Tisch 2:0. Zum Zeitpunkt des Spielabbruchs hatte Bottrop 1:0 geführt.

Dirk Retzlaff und Sven Kowalski



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