Qual und Leichtigkeit

Im letzten Jahr Überraschungssieger, nun Favorit: Christian Bröring will morgen zum zweiten Mal in Folge gewinnen.
Im letzten Jahr Überraschungssieger, nun Favorit: Christian Bröring will morgen zum zweiten Mal in Folge gewinnen.
Foto: Fabian Strauch
Was wir bereits wissen
Beim 32. Rhein-Ruhr-Marathon gehen geübte Läufer ebenso an den Start wie Sportler, bei denen das Ankommen das Ziel ist. Eisschnelllauf-Ikone Claudia Pechstein startet auf Inline-Skates.

Duisburg..  Es gibt Marathonläufer, die quälen sich ein Jahr lang bei Wind und Wetter durch das Training. Sie haben nur das eine, heiß ersehnte Ziel vor Augen. Irgendwie ankommen. Zur Not auch in fünf Stunden – mit allen Schmerzen, die dazu gehören. Und es gibt Marathonläufer wie Karsten Kruck. „Ich war zuletzt auf den unteren Distanzen unterwegs. Am Pfingstmontag habe ich mal einen längeren Lauf gemacht. Ansonsten habe ich nicht trainiert“, sagt der Mann vom ASV Duisburg. Das mag für jene, die sich am Sonntag beim 32. Rhein-Ruhr-Marathon quälen, eine schreiende Ungerechtigkeit sein: Wenn es für Kruck perfekt läuft, kann er den Lauf sogar gewinnen.

Damit rechnet Kruck, der federführend auch die Marathon-Messe in der Schauinslandreisen-Arena stemmen muss, nicht. „Ich muss zu viele Kisten schleppen“, sagt der Sieger von 2004. Völlig unbelastet – und durchtrainiert – geht Vorjahressieger Christian Bröring aus Lemwerder an den Start. Er gilt auch in diesem Jahr als Favorit. Björn Tertünte aus Essen – ein Mann aus der Trainingsgruppe von Karsten Kruck – hat als Zweiter aus dem vergangenen Jahr ebenfalls gute Karten. „Björn hat zum richtigen Zeitpunkt seine Form gefunden“, sagt Kruck.

Oder es wird dann doch wieder Magnus Kreth. Er gewann den Rhein-Ruhr-Marathon bereits viermal – zuletzt 2013. Im vergangenen Jahr erreichte er den Zielbereich nur mit der Straßenbahn. Von einem Virus geschwächt musste der ASV-Läufer vorzeitig aufgeben und stieg auf den öffentlichen Nahverkehr um.

In der offiziellen Pressemappe des Stadtsportbundes, der den Marathon gemeinsam mit dem LC Duisburg ausrichtet, firmiert Sandra Klein von der SG Wenden bereits als „Siegerin 2015“. Das ist natürlich ein Druckfehler, könnte sich aber als eine selbsterfüllende Prophezeiung erweisen. Eine ernsthafte Konkurrentin ist nicht in Sicht. Marathon-Queen Antje Möller, die kürzlich traditionell den Lauf auf Helgoland gewann, wird gegen die Drei-Stunden-Marke und für den zweiten Platz kämpfen.

Auf der halben Distanz läuft alles auf Karol Grunenberg vom ASV Duisburg hinaus, er wird aber nicht so flott wie im Vorjahr unterwegs sein, als er in 1:07 Stunde siegte. Hier kommt wieder Karsten Kruck ins Spiel. Der ist auch Grunenbergs Trainer und sagt: „Karol ist noch besser drauf als im letzten Jahr. Er läuft aber nur auf Sieg.“ Grunenberg will bei einem Lauf mit stärkerer Konkurrenz eine Zeit von 1:06 Stunde erreichen und muss mit seinen Kräften haushalten.

Bei den Schülerläufen waren am Mittwoch 1302 Kids am Start. Diese Zahl fließt mit in die Gesamtbilanz ein. Stadtsportbund-Geschäftsführer Uwe Busch hofft, dass insgesamt mehr als 6000 Menschen in allen Disziplinen dabei sein werden. Gestern stand der SSB noch bei rund 5700 Meldungen. Ob die Zahl also geknackt wird? „Eine Prognose will ich nicht abgeben. Es wird nicht so warm wie am Freitag, aber dennoch schön“, hat Busch die magische Marke im Blick.

Auf dem Programm stehen neben Marathon und Halbmarathon die Staffeln, die Ekiden-Staffeln, der Handbiker-Marathon und der Inline-Marathon. Die Skater ermitteln in Duisburg ihre Deutschen Meister. Kurios: Die Ziellinie für die DM-Wertung liegt außerhalb der Arena bei 41 703 Metern, da die Wettkampfordnung einen Zieleinlauf im Stadion untersagt. Danach rollen die Inliner noch weiter bis ins Marathon-Ziel in der Arena. Die prominenteste Teilnehmerin kommt gar nicht vom Fach, sie hat es eher mit dem Eis als mit dem Asphalt: Claudia Pechstein, sechsmalige Olympia-Teilnehmerin im Eisschnelllauf, ist aber nicht nur auf Kufen, sondern auch auf Rollen flott unterwegs. Bei den Deutschen Inline-Meisterschaften erreichte sie im vergangenen Jahr den achten Platz und siegte in ihrer Altersklasse.