Plötzlich Torhüterin

Da geht’s lang! Scarlett Hellfeier pariert nicht nur souverän gegnerische Chancen, sie dirigiert auch ihr Team.
Da geht’s lang! Scarlett Hellfeier pariert nicht nur souverän gegnerische Chancen, sie dirigiert auch ihr Team.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Scarlett Hellfeier ist Innenverteidigerin – normalerweise. Aufgrund einiger Ausfälle steht sie nun beim MSV-Regionalliga-Team zwischen den Pfosten

Duisburg..  Die Trainer sind voll des Lobs. „Scarlett bietet eine starke Leistung. Sie hält richtig stark“, sagt ihr Trainer Erwin Althoff. „Auch unser Torwarttrainer Achim Schumacher ist begeistert.“ Mit dieser Wertschätzung hätte Scarlett Hellfeier vor der Saison nicht gerechnet. Nicht weil sie keine gute Torhüterin wäre – sondern weil sie gar keine Torhüterin ist. Eigentlich zumindest.

„Das ist halt aus der Not geboren“, sagt die 23-Jährige auf die Frage, wer die Idee hatte. Die Trainer? Oder sie selbst? „Ich hatte vorher aus Spaß schonmal im Tor gestanden. Bei Hallenturnieren zum Beispiel“, berichtet die junge Frau, die an sich in der Innenverteidigung des Frauenfußball-Regionalligisten MSV Duisburg II spielt. Das Problem: Für die Teams in der Bundes- und Regionalliga standen den Zebras insgesamt drei Torhüterinnen zur Verfügung: Gaëlle Thalmann und Meike Kämper in der ersten, Sarah Deinert in der zweiten Mannschaft. Nach Bedarf sollten die U-17-Keeperinnen Richtung Regionalligateam aushelfen. „Doch dann hat sich Gaga verletzt und Sarah musste hoch“, so Hellfeier. Später fiel dann auch noch Sarah Deinert selbst aus. „Als dann klar war, dass keine neue Torhüterin kommen würde, war es irgendwie klar, dass ich das machen würde.“ An sich ging Scarlett Hellfeier nur davon aus, im letzten Vorrundenspiel gegen Eintracht Solingen im Tor zu stehen – nun sieht es eher so aus, als würde sie die gesamte Rückrunde zwischen den Pfosten bestreiten.

Ein Problem? Könnte man meinen – doch Hellfeier macht ihre Sache erstaunlich gut, blieb schon bei ihrem Torwart-Debüt gegen Solingen ohne Gegentor. Dennoch ist die neue Rolle verständlicherweise noch ungewohnt. Auch beim 4:1-Sieg zum Rückrundenstart gegen Warendorf strahlte sie eine Menge Souveränität aus. „Ich muss aber zugeben, dass ich vor dem Spiel richtig nervös war. Das wäre als Feldspielerin nicht so gewesen. Du machst als Keeper einen Fehler – und der Ball ist drin.“

Trotz Anfangsnervosität hat sie sich mit der neuen Aufgabe schon angefreundet. „Ich hätte echt nicht gedacht, dass mir das so viel Spaß machen würde.“ Während der Wintervorbereitung absolvierte sie natürlich ein Torwarttraining. „Dennoch treffe ich immer noch ab und zu eine falsche Entscheidung, wann ich rauslaufe und wann nicht. Aber das passiert richtigen Torhütern ja auch“, sagt sie. „Manchmal ist es auch noch ungewohnt, bei flachen Bällen mit der Hand dorthin zu gehen statt mit dem Fuß.“ Die typische Aufgabe einer Torhüterin, die ihre Mannschaft auch dirigieren muss, fällt ihr dagegen nicht schwer. „Das war ja schon als Innenverteidigerin so.“

Und nächste Saison? „Da spiele ich wieder im Feld“, sagt Scarlett Hellfeier. „Zumindest gehe ich davon aus.“