Olympioniken und Bratwürstchen
02.06.2010 | 21:03 Uhr 2010-06-02T21:03:00+0200
Duisburg.Von Freitag bis Sonntag trifft sich die internationale Elite zum Kanu-Weltcup in Duisburg.
Das klingt erst einmal nicht ungewohnt. Von Freitag bis Sonntag trifft sich die internationale Elite zum Kanu-Weltcup auf der Regattabahn. Und dennoch ist das Treffen früherer und künftiger Olympioniken in Wedau diesmal etwas Besonderes.
Da wäre zunächst einmal die Finanzierung: Denn der Kanu-Regatta-Verein Duisburg muss erstmals ohne die Unterstützung der allzu klammen Stadt Duisburg auskommen. „Als wir die Zusage der Sponsoren und des Landes NRW hatten, konnten wir loslegen“, sagt Vereinschef Otto Schulte. Das andere Punkt ist die neue Ausrichtung des Kanusports. Denn völlig überraschend wurde das Olympiaprogramm bereits für London 2012 geändert. „Vereinfacht gesagt: Die 500-Meter-Strecken fallen weg, dafür gibt es nun auch bei Olympia die 200-Meter-Sprintdistanz“, fasst Jens Kahl, der Sportdirektor des Deutschen Kanu-Verbandes, zusammen. Eine Neuerung ist zudem, dass es über 200 Meter einen Einer-Start beim Kanu-Weltcup im Canadier der Frauen gibt. Diese Disziplin war bislang eine Männerdomäne. Nur in Nordamerika und einige anderen englischsprachigen Ländern stiegen Frauen in den Canadier (der mit viel Kraftaufwand kniend vorangetrieben wird; im Kajak „paddeln“ die Sportler sitzend). So starten in Duisburg gerade einmal fünf Frauen – ein Rennen, und die Bahnen sind nicht einmal komplett besetzt.
„Wir wollen die Entwicklung nicht verschlafen“, will Kahl künftig auch weibliche Talente in dieser Disziplin fördern. Derweil zeigt sich Ulrich Feldhoff, Ehrenpräsident des Kanu-Weltverbandes ICF, verblüfft über die Entwicklung. „Eine mögliche Umstellung war ursprünglich für 2016 abgesprochen. Dass das nun vom neuen ICF-Präsidium Hals über Kopf geändert wurde, ist, sagen wir einmal, überraschend. Freundlich formuliert“, so der Oberhausener. „Wir haben uns selbst unnötig unter Zeitdruck gesetzt. Das ist für die Entwicklung einer Sportart nicht gut.“ Das sieht auch Sportdirektor Kahl so. „Die Zielvereinbarung für 2012 waren neun Medaillen, davon drei goldene. Wenn wir nicht bald neue Trainer einstellen können, müssen wir diese Vorgabe überdenken“, warnt er.
Dennoch können sich die Besucher am Wochenende auf Kanusport auf Weltniveau freuen. 39 Nationen treten bei hervorragendem Wetter in Duisburg gegeneinander an. Die Wettkämpfe am Freitag zwischen 19 und 20.35 Uhr hat der Kanu-Regatta-Verein zur „After-Work-Party“ erklärt. Zu den Rennen gibt es Bierwagen, einen Grillstand und Musik – und der Eintritt ist am Freitag frei; am Samstag und Sonntag kostet die Tageskarte jeweils zehn Euro.
Beim Weltcup geht es auch um die Normerfüllungen der Athleten für die anstehenden Europameisterschaften im Juli in Trasona (Spanien) und die Weltmeisterschaften im August in Posen (Polen). So treten beispielsweise Ronald Rauhe und Jonas Ems im Einer-Kajak über 200 Meter gegeneinander an. Ähnliches gilt in der gleichen Disziplin bei den Frauen im Duell zwischen Fanny Fischer und Nicole Reinhardt. Das Canadier-Duo des Ex-Duisburgers Tomasz Wylenzek mit Erik Leue ist übrigens gesprengt. Wylenzek tritt im Einer über 500 Meter sowie im Vierer über 200 Meter auf der Wedauer Regattabahn an.
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