Oliver Gies blickt auf sein Jahr zurück

Éin sportlich turbulentes Jahr erlebte Oliver Gies mit dem Rumelner Tv. Es gab aber auch schöne sportliche Momente.
Éin sportlich turbulentes Jahr erlebte Oliver Gies mit dem Rumelner Tv. Es gab aber auch schöne sportliche Momente.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Oliver Gies hatte sich vor einem Jahr für seinen Rumelner TV in der 2. Volleyball-Liga viel vorgenommen. Nach dem Rückzug hat der Student zum Jahreswechsel neue Träume .

Duisburg..  Silvester 2013. Die sportlichen Vorsätze für die kommenden Monate hatte Oliver Gies klar formuliert. „Der Vorsatz war, besser abzuschneiden als im Vorjahr. Platz vier sollte es also mindestens werden“, erinnert sich der 29-Jährige zwölf Monate später. Mit dem Rumelner TV, seinem Heimatverein seit Kindertagen, hatte Gies das Jahr in der 2. Volleyball-Liga auf einem starken dritten Platz beendet. Für die Zukunft musste Bescheidenheit also keine Tugend sein.

Die Hinrunde war unglaublich gut gelaufen, das Ziel somit nicht unrealistisch. Gies konnte an diesem Winterabend nicht ahnen, dass er im Dezember 2014 von Abstiegsnöten, einem Rückzug und einem Vereinswechsel würde sprechen müssen. Nur der Blick in die Glaskugel hätte dieses Drama offenbaren können. Rückblickend gab es viele Gründe für die Wandlung des RTV vom sportlichen Überflieger zum traurigen Tiefflieger.

„Unsere Mannschaft war ja nicht schlecht. Es gab mehrere Faktoren, die eine Rolle gespielt haben, bei dem, was passiert ist“, weiß Gies. So stellte der Ausfall von Leistungsträger Thomas Stark (Weltreise) das Trainergespann Freddy und Oliver Gies vor massive Probleme. Die kurzfristigen Neuverpflichtungen Marten Weßel und Robert Böttcher trugen das RTV-Trikot nur selten. Youngster Henning Hogenacker, in den Gies und Co. viel Hoffnung gesetzt hatten, zog sich einen Bänderriss zu und hängte die Volleyballschuhe in der Folge gleich ganz an den Nagel. Und dann schlug auch noch die Rückenverletzung von Zuspieler Torben Tidick-Wagner ein wie eine Bombe. „Das ganze Gebilde ist auf einmal ins Wanken geraten“, seufzt Oliver Gies.

Erst am allerletzten Spieltag konnten die Rumelner, die wochenlang kein Bein auf den Boden brachten, im Endspiel gegen Humann Essen den Abstieg verhinden. Der Ligaverbleib aber stand da längst auf der Kippe.

Gerade noch gemeinsam gejubelt, begann das eingeschweißte Mannschaftsgebilde Risse zu zeigen. Urgestein Nils Lieber hatte schon vor Saisonbeginn seinen Abschied angekündigt. Torben Mols und Tidick-Wagner konnten aufgrund beruflicher Veränderungen ebenfalls für die kommende Saison nicht fest zusagen. Von der heiligen Vierfaltigkeit, dem erfahrenen Gerüst des Teams, blieb nur Gies selbst übrig. „Nils wäre schon schwer zu kompensieren gewesen, aber so . . .“ Bis zur Meldefrist versuchten Oliver und Freddy Gies doch noch, eine schlagkräftige Truppe auf die Beine zu stellen – ohne Erfolg. „Ich bin nach Saisonende zu einem Beachcamp in die Türkei geflogen. Jeden Tag haben wir telefoniert. Die Telefongesellschaft hat sich so gefreut, sie hat mich erst einmal zu einem Platinkunden hinaufgestuft“, schmunzelt der Volleyballfanatiker. „Letztlich mussten wir entscheiden, dass es nicht mehr weitergeht.“

Das Herz blutet, denn der Außenangreifer hätte sich noch so viel vorstellen können für seinen RTV. „Ein schönes Ziel wäre für mich gewesen, dass Rumeln auch ohne die älteren Leistungsträger in der 2. Liga funktionieren kann. Ich hatte gehofft, dem RTV, meinen Heimatverein, etwas zurückgegeben zu können. Unsere Heimspielstätte, das Helferengagement und das Drum und Dran stimmten, auch die Zuschauer sind immer mehr geworden – das war schon schön“, so Gies.

Militär-WM in Rio

Viel Zeit zu trauern, blieb dem angehenden Grundschullehrer, der noch an zwei Abenden die Volleyball-Mannschaft der International School of Düsseldorf betreut, nicht. Im Juli, nur Stunden nachdem die frischgebackenen Fußball-Weltmeister den Flieger Richtung Heimat bestiegen hatten, machten sich Gies und die deutsche Bundeswehr-Auswahl auf zur Militär-WM nach Rio, um sich dort mit Teams aus Kanada, den USA, China, Südkorea, den Niederlanden und Brasilien, aber auch aus Katar, Iran oder Inden zu messen. „Man trifft Leute aus aller Welt, die man so sonst nie hätte kennenlernen können. Es ist eine schöne, große Gemeinschaft“, erzählt Gies, der von 2004 bis 2006 der Sportförderkompanie der Bundeswehr angehörte und im kommenden November noch einmal bei den Military World Games in Seoul auf dem Feld stehen möchte. Auch ein schönes Ziel für das neue Jahr.

Silvester 2014. Wieder kann Gies, der mittlerweile bei den TSG Solingen Volleys als spielender Co-Trainer am Ball ist seine Vorsätze klar formulieren: „Mit Solingen wollen wir mindestens unter die Top-Drei kommen, meinen Bachelor möchte ich machen, damit ich mit dem Masterstudium beginnen kann, denn das ist ein wichtiger Aspekt für die weitere Familienplanung und ein schöner Urlaub mit meiner Freundin Katharina wäre auch ganz nett.“