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2. Bundesliga : Achterbahnfahrt in Lautern

MSV, 17.05.2009, Dirk Retzlaff

Zebras geben einen 4:0-Vorsprung beinahe noch aus der Hand. Entscheidung drei Minuten vor Schluss durch Chinedu Ede.

Laufduell: Cedrick Makiadi verfolgt Lauterns Sidney Sam. (Foto: imago) Foto: imago sportfotodienst

Wer auf der Lautrer Kerwe, dem größten Volksfest in der Westpfalz, mit dem Riesenrad fährt, hat vom höchsten Punkt aus einen schönen Blick auf das Fritz-Walter-Stadion. Eine Achterbahn gibt es auf dem Rummelplatz am Fuße des Betzenbergs nicht. Eine rasante Berg- und Talfahrt erlebten aber die 43 679 Zuschauer beim Zweitliga-Kick des MSV Duisburg beim 1. FC Kaiserslautern. „Das Spiel war kurios. So kurios wie der Saisonverlauf, seitdem ich beim MSV bin”, stellte MSV-Trainer Peter Neururer nach dem 5:3 (3:0)-Erfolg am „Betze” fest.

3:0 führte der MSV nach 28 Minuten, 4:0 nach 54 Minuten. Die Roten Teufel: platt und scheinbar erledigt. Eine wahre Galavorstellung des MSV. Wie konnte das Team zuletzt Punkte gegen Koblenz, Frankfurt und Oberhausen liegen lassen? Diese Gedanken schossen Peter Neururer wenige Minuten nach dem Spiel gestern unweigerlich durch den Kopf. „Wenn wir in diesen Spielen auch so viel Herzblut gezeigt hätten, wären jetzt einige Punkte mehr auf unserem Konto.” Und der MSV wäre womöglich noch im Aufstiegsrennen.

Das ist der 1. FC Kaiserslautern seit gestern nicht mehr. Die Lauterer hatten vor dem Spiel noch minimale Chancen auf den Aufstieg, doch das Team des früheren MSV-Kickers Alois Schwartz trat ähnlich lethargisch auf wie unlängst der MSV beim FSV Frankfurt. Überragender Mann in dieser Phase war Christian Tiffert, der das frühe 1:0 für die Zebras selbst erzielte und das 2:0 durch Sandro Wagner vorbereitete Auch beim 4:0 durch Dorge Kouemaha nach der Pause war Tiffert der Vorbereiter.

Kaiserslautern, das schon in Mainz in dieser Saison einen 0:3-Rückstand aufholen konnte, kam gestern erst nach dem 0:4 ins Spiel. Das lag auch daran, dass die notgedrungen neu formierte MSV-Abwehr nicht mehr stabil stand. Bernd Korzynietz war angeschlagen, Pablo Caceres ohne Spielpraxis, und Tiago spielte erstmals nach seiner Achillessehnenverletzung für die Zebras durch. „Die Abwehr hatte am Ende Probleme. Aber dafür mache ich ihr keinen Vorwurf”, so Neururer. Tiago spielte in der ersten Halbzeit stark, im zweiten Durchgang schwanden seine Kräfte.

Trotzdem ärgerte sich Neururer darüber, dass seine Mannschaft noch Probleme bekam. „Wenn ich 4:0 führe, muss ich ein Spiel locker nach Hause fahren”, so Neururer, der indes auch einen dicken Hals auf Schiedsrichter Peter Sippel hatte. Der Münchener gab den Gastgebern zwei Elfmeter. „Beide Elfer waren unberechtigt”, schimpfte Abwehrchef Björn Schlicke. Torwart Tom Starke, der den ersten Strafstoß von Erik Jendrisek beim Stande von 0:4 noch parieren konnte, beklagte, dass Elfmeterschütze Sidney Sam vor dem Pfiff des Schiedsrichters den Ball ins Tor befördert hätte. „Typische Betzenberg-Entscheidungen”, so Manager Bruno Hübner, früher selbst Bundesliga-Profi beim FCK.

Zittern mussten die MSV-Fans nicht bis zum Schlusspfiff, sondern bis zur 87. Minute. Chinedu Ede, nach langer Verletzungspause erstmals eingewechselt, setzte mit dem 3:5 den Schlusspunkt. Für einige Fans ging's dann auf die Lautrer Kerwe. Auch ohne Achterbahn.

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