Knallrote Fersen in Duisburg

Geschafft: Annika Gomell überquert beim Halbmarathon der Frauen als Erste die Ziellinie. Im Hintergrund: Freund und „Tempomat“ Torben Dietz,
Geschafft: Annika Gomell überquert beim Halbmarathon der Frauen als Erste die Ziellinie. Im Hintergrund: Freund und „Tempomat“ Torben Dietz,
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Annika Gomell kehrte erst am Mittwoch von ihrem USA-Studium nach Deutschland zurück und gewann am Sonntag den Halbmarathon. Mit dabei: Ihr Vater Thomas und ihr Freund Torben.

Ein paar Minuten nach dem Zieleinlauf hatte Halbmarathon-Siegerin Annika Gomell die Faxen dicke. Auf dem Rasen der Schauinslandreisen-Arena rief sie über den Zieleinlauf hinweg Richtung Tribüne: „Mama, ich brauche meine anderen Schuhe.“ Sabine Gomell reagierte sofort und reichte ihrer Tochter bequemere Schuhe. Das Rennen hatte bei Annika Gomell Spuren hinterlassen. Beide Fersen waren knallrot. Aber die Mühen hatten sich letztlich gelohnt. Die Wattenscheiderin legte die Zeit von einer Stunde und 18 Minuten hin – ihr bisher bestes Ergebnis.

Dabei sah es im Vorfeld nicht so überragend aus. Annika absolvierte in der Endphase ihres Studiums im amerikanischen St. Louis am vergangenen Wochenende einen Doppel-Wettkampf. Bei 30 Grad Hitze lief sie binnen zwei Tagen die fünf und zehn Kilometer Distanz. Mit bescheidenem Ergebnis. „Ich bin erst am Mittwoch wieder in Deutschland gelandet und war jetzt zum vierten Mal in Duisburg dabei. Das ist für mich fast schon wie ein Heimspiel“, lacht die Geowissenschaftsstudentin, die an der St. Louis University zweimal pro Tag trainieren konnte: „Schule und Sport sind in den USA gut aufeinander abgestimmt.“

In Duisburg war Annika Gomell aber nicht alleine unterwegs. Beim Halbmarathon begleitete sie ihr Freund Torben Dietz. Dem Referendar ging es dabei aber nicht um persönliche Bestzeit, sondern mehr um das Anspornen: „Ich wollte für Annika Tempo machen. Vorher gab es die Überlegung, ob ich sie an der Strecke an verschiedenen Punkten anfeuern soll. Aber das hätte wenig Sinn gemacht. Also bin ich selbst mitgelaufen.“

Für Torben Dietz, der für die LG Dorsten startet und zehn bis zwölf Trainingseinheiten pro Woche abspult, war die Teilnahme in Duisburg eine Premiere. „Es hat richtig Spaß gemacht. Solche Events belohnen einfach die ganze Mühe, die man in die Sportart Leichtathletik investiert.“ Zusammen mit Freundin Annika hat Torben schon einen Erfolg gefeiert: Beim Silvesterlauf in Werl/Soest rannten sie als Siegerduo über die Ziellinie. „Danach waren sie zwei Tage die Stars in der Tagespresse“, schmunzelt Thomas Gomell. Der Vater von Annika mischte ebenfalls beim Ruhrmarathon mit und verbesserte sich auf der Halbdistanz um 1:30 Minuten. „Für mich war das ganz okay. Früher bin ich noch die komplette Strecke gelaufen, hatte danach aber schon meine Probleme. Ein Schulfreund meiner Tochter fragte mich am Tag nach dem Marathon, ob ich eine Behinderung hätte. So schlecht bin ich damals die Treppe raufgekommen“, lacht der Routinier rückblickend.

Für Thomas Gomell ist Duisburg mittlerweile eine feste Einrichtung. 15 Teilnahmen stehen mittlerweile zu Buche. Irgendwann wurde Annika mit dem Laufvirus infiziert. „Als sie von einem Schüleraustausch in Kanada zurückkam, hatte sie ein paar Kilo zugelegt. Annika ist dann zusammen mit mir gelaufen. Erst zehn Kilometer, dann zwölf und immer mehr. Irgendwann haben wir an der Winterlaufserie in Duisburg teilgenommen. Meine Tochter ist mir da weggelaufen. Das war der Zeitpunkt, ab dem ich beim Lesen der Restaurantkarte eine Brille brauchte“, nimmt Vater Gomell den familiären Wettstreit mit Humor. Und für 2016 ist für ihn schon klar: „Dann wollen wir wieder dabei sein. In Duisburg ist es unheimlich familiär. Du hast keine Stars auf der Strecke, die ihr Pensum abspulen. Die Veranstaltung ist gut organisiert. Duisburg gehört für mich jedes Jahr auf den Plan.“