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"Ich bin kein Duckmäuser"

20.06.2007 | 08:39 Uhr

FUSSBALL. U-17-Trainer Andre? Birker steht vor seinem letzten Spiel als FCR-01-Trainer - und kann Deutscher Meister werden.

Welche Kabine? Das ist für Andre? Birker keine Frage. "Die Eins. Schließlich sind wir am Sonntag auch die Nummer eins." Am Sonntag um 11 Uhr spielen die U-17-Fußball-Mädchen des FCR 2001 Duisburg gegen den FC Bayern München ab 11 Uhr im PCC-Stadion um die Deutsche Meisterschaft. Die Kabine eins ist dann aber auch die letzte, die er als FCR-Trainer verlässt. In der neuen Saison coacht Birker die B-Jungs des KFC Uerdingen.

NRZ: Herr Birker, machen es Ihre Mädchen besser als die erste Mannschaft des Vereins?

Andre? Birker: Ich bin da guter Dinge. Wir gehen als Favorit ins Spiel, Bayern ist aber auch keine schlechte Truppe. Auf jeden Fall haben die Mädels das Potenzial dazu, Meister zu werden. Das hatte nichts mit Glück zu tun, dort zu stehen, wo sie jetzt sind. Das haben sie sich verdient.

NRZ: Haben Sie denn schon Elfmeterschießen üben lassen?

Birker: (lacht) Nein, das brauchen wir aber auch nicht.

NRZ: Sind Ihre Spielerinnen denn schon richtig aufgeregt?

Birker: Als sie sich gegen Potsdam durchgesetzt hatten, war ihnen egal, wer nun kommt. Ich gehe mal davon aus, dass das bis Sonntag auch so bleibt. Wenn wir Freitag allerdings nochmal im PCC-Stadion trainieren, wird das große Kribbeln schon noch kommen. Alle gehen mit der Einstellung in das Spiel: Das packen wir.

NRZ: Für Sie persönlich wäre die Deutsche Meisterschaft der Höhepunkt Ihrer Trainerkarriere.

Birker: Das wäre so richtig geil.

NRZ: Schmerzt es nicht dann zu wissen, dass die Partie am Sonntag die letzte unter Ihrer Verantwortung sein wird?

Birker: Ob es der Titel wird oder nicht: Wenn ich mir die Mannschaft mit dem Umfeld so ansehe, war es die richtige Entscheidung, noch ein Jahr in der Jugend dranzuhängen. Ich wollte ja schon vor zwei Jahren in den Seniorenbereich wechseln. So haben wir jetzt alle nochmal eine Riesensaison erlebt.

NRZ: Trotzdem wollte der Verein nicht unbedingt weiter mit Ihnen zusammenarbeiten.

Birker: Zum Teil war es ja auch meine Entscheidung. Ich habe in den sieben Jahren hier viel bewegt, muss mich aber auch selbst weiterentwickeln. Mir hätte es ja schon gereicht, Co-Trainer in der 2. Bundesliga zu werden. So war es mit Jürgen Raab auch abgesprochen, da sich Thomas Obliers für die Bundesliga extern nach einem Co umsehen will.

NRZ: Was hat Sie letztlich dazu bewegt, in den Jungenbereich des KFC Uerdingen zu wechseln? Fehlte es an Wertschätzung Ihrer Arbeit?

Birker: Nein, das nicht. Der Verein hat mir im Februar ein Angebot gemacht. Ich könnte den Co machen, wenn die zweite Mannschaft in die 2. Liga aufsteigt - wenn nicht, könnte man mich nicht bezahlen. Da fehlte das Zeichen: Wir wollen mit dir weiterarbeiten. Dann hat Uerdingen ein interessantes Angebot macht, und ich habe zwei Wochen später zugesagt.

NRZ: Gehen Sie im Groll?

Birker: Ganz bestimmt nicht. Ich hatte hier sieben tolle Jahre, ich habe viel gelernt, vor allem bei Jürgen Krust. Er ist von der Fachkompetenz her nicht zu ersetzen. Trotzdem bin ich meinen eigenen Weg gegangen, auch wenn einige hier meinen, ich hätte nicht den richtigen Umgang mit den Mädels. Aber ich sage meine Meinung, ich bin kein Duckmäuser. Nun habe ich die Chance, im Jungenbereich Fuß zu fassen. Sollte es nicht klappen, habe ich mir aber einen Ruf erarbeitet, der mir eine Rückkehr in den Frauenfußball immer offen lässt.

NRZ: Mit Ihrer Arbeit haben Sie viele Spielerinnen in die Nachwuchs-Nationalmannschaften des DFB geführt. Wer kann aus Ihrer jetzigen Mannschaft den Sprung in die Bundesliga schaffen?

Birker: Das sind viele. Turid Knaak und Marith Prießen haben ja bereits einen Vertrag für die erste Mannschaft. Marith hat den Vorteil, im Bereich der ersten, zweiten und U-17-Mannschaft der einzige echte Linksfuß zu sein. Und auch Turid kann sich sicher auf Anhieb durchsetzen. Sie brauchen aber einen Trainer, der sie auch spielen lässt. So einer war Dietmar Herhaus nicht. Und dann sind da noch Ilka Pedersen, Julia Debitzki, Irini Ioannidou und einige andere. Und Abwehrspielerin Lisa Quast ist Thomas Obliers bereits aufgefallen.

NRZ: In der Vergangenheit sind viele Talente in den Bundesliga-Kader aufgerückt, die wenigsten haben sich gehalten.

Birker: Ziel des FCR 2001 ist es, Talente für die Bundesliga auzubilden. Das schaffen aber nun mal nicht alle hier, weil die Qualität der ersten Mannschaft enorm groß ist. Francesca Weber ist eine gute Spielerin, durfte aber unter Herhaus nicht spielen und hat sich nicht weiterentwickelt. Trotzdem können sie sich bei anderen Erstligisten behaupten, die Vereine lecken sich nach unseren Spielerinnen die Finger. Wenn wir aber in Duisburg jedes Jahr ein, zwei Spielerinnen für die "Erste" produzieren, ist das ein großer Erfolg.

NRZ: Die physische Stärke spielt auch im Frauenfußball eine immer größere Rolle. Es scheint aber so zu sein, als gäbe es am Niederrhein nur kleine Spielerinnen.

Birker: Wir müssen vielseitig ausbilden. Du brauchst Spielerinnen, die körperlich dagegenhalten können, aber auch filigrane Mädchen, die technisch in der Lage sind, sich aus einer Eins-gegen-Zwei-Situation lösen zu können. Die eine kann ohne die andere aber nicht überleben. Wir schaffen es, den Mittelweg zu gehen.

NRZ: Sie suchen nun Ihr Glück in Uerdingen. Wäre auch die Bundesliga-Mannschaft des FCR 2001 in Zukunft nochmal ein Thema für Sie?

Birker: In jedem Fall. Ich bin nicht mehr der Trainer, der vor sieben Jahren hier angefangen hat.

ANDREAS BERTEN FRIEDHELM THELEN

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