Hertha Hamborn verliert eine komplette Mannschaft

So sah das Hertha-Team zu Saisonbeginn aus – jetzt ist Trainer Tino Nitto (hinten rechts) mit fast allen Spielern zu Genc Osman gewechselt. In der Kritik steht bei ihrem ehemaligen Verein daher vor allem Betreuer Turan Yildirim (vorn links).
So sah das Hertha-Team zu Saisonbeginn aus – jetzt ist Trainer Tino Nitto (hinten rechts) mit fast allen Spielern zu Genc Osman gewechselt. In der Kritik steht bei ihrem ehemaligen Verein daher vor allem Betreuer Turan Yildirim (vorn links).
Foto: WAZ-Fotopool
Was wir bereits wissen
14 Spieler und der Trainer gingen in der Winterpause in Neumühl von Bord. Hertha-Chef Christian Birken spricht von einer „Riesen-Schweinerei“.

Duisburg..  Die Vereinsgröße von Hertha Hamborn wird immer überschaubarer. Zwei Fußballteams stellt der Traditionsklub aus dem Iltispark nun noch. Die dritte Mannschaft musste Christian Birken jüngst aus der Kreisliga C abmelden. Notgedrungen. Das Team übernimmt die Rolle der zweiten Mannschaft, weil die ehemalige Reserve nun als „Erste“ in der Kreisliga A weitermachen muss. 14 Spieler des A-Liga-Teams haben sich inklusive des Trainers Tino Nitto zur Winterpause verabschiedet. Und das ist nach Ansicht des Vorsitzenden nicht mit rechten Dingen zugegangen. Birken und Geschäftsführer Uwe Berner sprechen von einem „erschlichenen Vereinswechsel“.

Birkens Vorwurf gilt insbesondere Betreuer Turan Yildirim. „Er hat ohne Absprache mit dem Vorstand hinter unserem Rücken die Freigaben für die Spieler erteilt“, so Birken. Dabei habe Yildirim sein Passwort für die Pass-Online-Anwendung des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletik-Verbands „missbräuchlich dazu benutzt, unter anderem seinen Söhnen einen Vereinswechsel im Zeitrahmen der 2. Transferperiode zu ermöglichen“, erklärt der Vorstand in einer E-Mail an den WFLV.

100 Euro Gebühr pro Einspruch

Zudem führt der Vorstand in dieser Nachricht auf, das Mitgliedsbeiträge einiger dieser Spieler ausstünden, sowie Vereinseigentum in Form von Trainings- und Spielmaterialien entwendet worden seien. Der Bitte der Herthaner, die Freigaben zu verweigern oder bis zum Ausgleich der Rückstände auszusetzen, konnte der WLFV jedoch nicht nachkommen, da es sich um einen internen Vereinsvorgang handele, berichtet Birken: „Die Antwort, wir könnten gegen eine Gebühr von 100 Euro pro Spielberechtigung Einspruch bei der WLFV-Passstelle einreichen, finde ist mir schon etwas unverständlich“, so der Hertha-Boss. „Das könnte man auch mit einem Sammeleinspruch lösen. Von der Summe könnte ich ja mehrere Monate die Strom- und Spielbetriebskosten decken, für die wir unter anderem die ausstehenden Mitgliedsbeiträge benötigen.“ Etwas sarkastisch schiebt Birken nach: „Wenn wir einen Sponsor für den Einspruch finden, schauen wir mal weiter.“

Acht Spieler nun bei Genc Osman

Der Vorwurf des Vorsitzenden zielt auch in Richtung des SV Genc Osman, der acht der Hertha-Abgänge unter der Regie von Coach Tino Nitto in seiner Reserve unterbrachte. Dessen zweiter Vorsitzender Erkan Üstünay will aber nichts von einem abgekarteten Spiel wissen: „Es ist alles sauber über die Bühne gegangen“, beteuert Üstünay, „wir sind ja nicht verantwortlich dafür, das uns ein anderer Verein die Freigaben für Spieler erteilt, die zu uns kommen. Wir haben auch mehrere Spieler im Winter abgegeben. Und die Freigaben dazu sind auch nicht alle über meinen Tisch gegangen.“ So sieht Üstünay die Verantwortung für die Wechsel auf Seiten der Hertha, in deren Namen Turan Yildirim, der für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, gehandelt habe.

Vielleicht waren wir auch etwas blauäugig“, gesteht Christian Birken ein, „aber es bleibt eine Riesen-Schweinerei, was unser Betreuer da abgezogen hat.“

Dass der Traditionsklub noch weiter schrumpfen könnte, glaubt der Hertha-Boss aber nicht. „Die Jungs aus unser ehemaligen Reserve sind schon seit vielen Jahren bei uns. Ich bin sicher, dass sie die Klasse halten und mehr zustande kriegen werden als die vorherige Erste.“

Sollte der Vorsitzende allerdings erneut enttäuscht werden, könnten auf dem Klubgelände im Iltispark die Lichter auch ganz ausgehen. „Irgendwann habe auch ich die Schnauze voll“, stellt Christian Birken klar.