Gino Lettieri hat beim MSV eine neue Rolle - als Prellbock

Kingsley Onuegbu traf zwar zum 1:0 und war ein ständiger Unruheherd, aber beim Cottbuser Anschlusstor deckte er den nach vorne gelaufenen Uwe Möhrle nicht ab. „So richtig freuen konnte ich mich deswegen nicht über den Sieg“, grantelte der King.
Kingsley Onuegbu traf zwar zum 1:0 und war ein ständiger Unruheherd, aber beim Cottbuser Anschlusstor deckte er den nach vorne gelaufenen Uwe Möhrle nicht ab. „So richtig freuen konnte ich mich deswegen nicht über den Sieg“, grantelte der King.
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Was wir bereits wissen
Mit dem 3:2-Sieg über Cottbus konnte der MSV einige Wogen, die durch das Pokalaus entstanden waren, glätten - doch gegen den Trainer gab es Pfiffe.

Duisburg.. 17 Spiele, zehn Siege, sieben Unentschieden: Der MSV Duisburg verteidigte auch nach dem 3:2 (1:1) über den FC Energie Cottbus seinen Festungsnimbus in der 3. Fußball-Liga. Zwar feierten Torjäger Zlatko Janjic & Co. nach dem wichtigen Dreier im Aufstiegsrennen ausgelassen mit den Zebra-Fans, aber trotzdem wollte die ganz große Jubelstimmung nicht aufkommen.

„Wir hätten höher gewinnen können. Und mussten es vielleicht auch“, strich der erneut überzeugende Martin Dausch, dem per Außenristflanke die Vorarbeit zum 1:0 durch Kingsley Onuegbu gelang (8.), heraus. Dausch: „Es ist auch schon die ganze Saison über unser Problem, dass wir es nicht schaffen, kein Gegentor zu kriegen. Es fehlt einfach mal frühzeitig das Gefühl: Jetzt sind wir durch.“

Spielbericht Nach dem 1:1 durch Torsten Mattuschka, der einen von MSV-Abwehrchef Branimir Bajic verursachten Strafstoß verwandelte (31.), fanden die Zebras durch Kevin Wolze (48.) und Bajic (59.) zurück in die Spur. Doch Sekunden vor Schluss trübte die Ergebniskosmetik des völlig unbeachteten Energie-Abräumers Uwe Möhrle das Sieggefühl. „Das Resultat macht mich traurig“, gestand Duisburgs Trainer Gino Lettieri ein, „wir hätten etwas für das Torverhältnis tun können und die Kiste früher zumachen können. Das ist das Einzige, was ich anzukreiden habe.“ Ironisch schon er nach: „Anscheinend machen wir es immer schön spannend, damit die Zuschauer auf ihre Kosten kommen.“

„Dresden-Spiele sind eklig“

Womit der Deutsch-Italiener ein heißes Thema anschnitt. Teile der 8000 mitgereisten Fans, die sich unter der Woche das Pokal-Aus in Oberhausen antaten und jetzt gegen Energie wieder im Stadion waren, entluden ihren Unmut beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung. Erstmals gab es bei der Nennung des Trainernamens Pfiffe gegen Gino Lettieri. „Das, was nach dem Pokalspiel rübergekommen ist, hat mir so nicht gefallen“, meinte der Coach nach dem Meisterschaftssieg und wiegelte ab: „Zum Pokal sage ich nichts mehr.“

Einzelkritik Dafür scheint Lettieri mit der Rolle des Blitzableiters keine Probleme zu haben. „Gewinnt die Mannschaft, ist alles super. Verliert die Mannschaft, ist der Trainer der Depp. Das wird man auch in zehn Jahren nicht ändern. Ich stelle mich aber gerne als Prellbock hin.“

Antreiber Martin Dausch wagte dann doch den Rückblick. „Natürlich wollten wir den Fans etwas zurückgeben. Aber das Aus in Oberhausen war nicht nur für die Fans bitter, auch für uns. Für die, die gespielt und auch die, die nicht gespielt haben. Gegen Cottbus ist uns ein richtig gutes Spiel gelungen.“

Kevin Wolze mutierte zum Zaunkönig

Für Kevin Wolze begann nach dem Dreier die dritte Halbzeit. Der Linksverteidiger mutierte vor der Fantribüne zum Zaunkönig und stimmte mit den Anhängern Jubelgesänge an. „Und das alles ohne Verletzung“, zwinkerte Wolze, dem sein letzter Treffer in der Hinrunde beim 3:1 in Rostock gelungen war. „Tore von mir kommen nicht so häufig vor. Wenn wir dann noch gewinnen, muss man das richtig feiern. Es hat großen Spaß gemacht“, meinte der 25-Jährige.

Auch Wolze zeigte sich bei der Analyse des Torspektakels selbstkritisch. „Wir hatten noch sehr viele Szenen zu weiteren Treffern, die wir aber nicht genutzt haben. Der Sieg war hochverdient, aber wir hätten es leichter haben können.“ Dass er mit seinen Mitstreitern einen weiteren Schritt Richtung Aufstieg gemacht hat, freute Wolze. Was auf den Plätzen der Konkurrenz passiert, liegt nicht in Duisburgs Macht. Wolze: „Auf die anderen schauen wir gar nicht. Wir konzentrieren uns auf die eigene Leistung. Ab Dienstag beginnt für uns die Vorbereitung auf Dresden. Dort sind Spiele immer sehr eklig, die Stimmung ist aufgeheizt. Darauf stellen wir uns ein.“