Gewonnen – aber nicht am Ziel

Auf dem Weg zum Ziel:  Sieger Richard Ngolepus aus Kenia. Foto: Lars Fröhlichl
Auf dem Weg zum Ziel: Sieger Richard Ngolepus aus Kenia. Foto: Lars Fröhlichl
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg.. Richard Ngolepus aus Kenia siegt beim Rhein-Ruhr-Marathon und findet einen neuen Freund.

Richard Ngolepus sitzt im Vip-Raum der MSV-Arena und geht die Marathonstrecke noch einmal ab. Mit dem Finger streicht er über die Route im Programmheft. „Eine schöne Strecke. Und viel Wasser“, murmelt der Sieger des 28. Rhein-Ruhr-Marathons. Die Zuschauer am Streckenrand hatten es zuvor offenbar gut mit dem Kenianer gemeint. In 2:30,28 Stunden gewann der 32-Jährige das Rennen, war damit aber trotzdem noch nicht am Ziel.

Die Sehnsucht, nach Hause zu kommen, trug Ngolepus am Sonntag ins Ziel. Seit sieben Jahren trainiert er in Detmold in der Laufgruppe von Volker Wagner mit seinen Landsleuten. Das Geld für den Flug in die Heimat muss er sich erlaufen. Weil Ngolepus vor einer Woche in Kassel, wo es lukrative Preisgelder gab, vorzeitig ausstieg, meldete er sich am späten Samstagabend in Duisburg an. Das erhoffte Startgeld verwehrte Stadtsportbund-Geschäftsführer Uwe Busch ihm, schenkte ihm aber einen Freistart. 500 Euro gibt’s beim Rhein-Ruhr-Marathon für den Sieger. Die hat Ngolepus nun eingestrichen, muss aber weiter laufen. Das Ticket nach Kenia kostet knapp 1000 Euro.

Vorjahressieger Magnus Kreth vom ASV Duisburg bemerkte seinen ärgsten Kontrahenten erst an der Startlinie – und das nicht nur, weil sich Kommentator Burkhard Swara nicht beherrschen konnte und den Überraschungsgast mit dem Satz „Und jetzt kommt Farbe ins Spiel“ begrüßte. Kreth ahnte, dass es mit der Titelverteidigung nichts geben würde: „Ich musste meine Renntaktik überdenken.“

Der Kenianer, der eine Bestzeit von 2:13 Stunden aufweist und nach eigenem Bekunden in Duisburg fit für eine Zeit von 2:18 Stunden war, hätte einen einsamen Vormittag verleben können. Doch er blieb 30 Kilometer an der Seite von Magnus Kreth. „I ran with my friend“, so Ngolepus. Kreth gab den Ball zurück: „Ich war überrascht, mit meinem guten Freund Richard so lange mithalten zu können.“

„Einfach drauf
losgelaufen“

Bei den Frauen entschied sich die Detmolderin Silvia Krull hingegen für einen Sololauf. Auch hier wurde nichts aus der Titelverteidigung. „Als ich in der Zeitung gelesen habe, dass sie an den Start gehen würde, war für mich klar, dass ich keine Chance haben würde“, so Vorjahressiegerin Antje Möller vom ASV Duisburg. Entsprechend deutlich war das Ergebnis auch. Silvia Krull, die vor sieben Wochen noch den Bonn-Marathon gewonnen hatte, siegte in 2:46,13 Stunden. Mit dieser Zeit hätte die 32-Jährige vor einer Woche in Hamburg Deutsche Meisterin werden können. Ihre Taktik für Duisburg war simpel: „Ich bin einfach drauf losgelaufen.“

Antje Möller kam nach 2:59,21 Stunden und bejubelte frenetisch ihre Leistung. „Einfach Wahnsinn. Vor zwei Wochen habe ich den Helgoland-Marathon gewonnen und jetzt bin ich unter drei Stunden geblieben.“

6510 Teilnehmer
waren am Start

Die Verantwortlichen der Veranstalter – der Stadtsportbund und der LC Duisburg – waren zufrieden. Auch wenn die neuen Sicherheitsbestimmungen zahlreiche Veränderungen erforderten. „Wir mussten den Marathon in manchen Bereichen neu erfinden“, seufzte Uwe Busch. 6510 Teilnehmer waren insgesamt in sieben Konkurrenzen am Start – das waren rund 100 weniger als im vergangenen Jahr. „Damit können wir leben“ , so Busch, der sich vor allem darüber freut, dass die Zahlen der „echten“ Marathonläufer nach einem Durchhänger vor zwei Jahren wieder stabil im vierstelligen Bereich liegen. 1210 Marathonis waren gestern unterwegs.

Wie Polizeidirektor Wolfram Elsner erklärte, verlebten die Ordnungshüter einen ruhigen Marathon ohne große Zwischenfälle. Lediglich acht Fahrzeuge mussten abgeschleppt werden. Allerdings gingen die Startfelder erst mit gut zehnminütiger Verspätung auf die Piste. Der Grund war ein Absperrungspoller, der die Strecke der Inliner blockierte – eine Kleinigkeit mit großer Wirkung. Wolfram Elsner: „Der Teufel ist ein Eichhörnchen.“