Förderer schmeißt hin – Reckzeh und Molsner übernehmen

Jörg Förderer trat in Wiesbaden als Trainer der OSC Löwen Duisburg zurück.
Jörg Förderer trat in Wiesbaden als Trainer der OSC Löwen Duisburg zurück.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Jörg Förderer trat nach der 33:41-Niederlage in Wiesbaden als Trainer der OSC Löwen Duisburg zurück. Nun Doppellösung.

Duisburg/Wiesbaden.. HSG VfR/Eintracht Wiesbaden
– OSC Löwen Duisburg 41:33 (20:17)

OSC Löwen: Broy (43. – 55. Reckzeh) – Wernicke (8), Heimansfeld (8/3), Ginters, Giesbert, Plaumann (je 4), Backhaus (3), Janus, Schneider (je 1), Flemmig, Krölls.

Jörg Förderer saß auf der Tribüne der Sporthalle Wiesbaden und starrte auf das Parkett, auf dem seine Mannschaft zuvor gegen Schlusslicht HSG VfR/Wiesbaden 33:41 (17:20) verloren hatte. Aus den Lautsprechern schallte die Band Unheilig. Der „Graf“ sang: „Es ist Zeit zu gehen.“ Genau das hatte Förderer kurz zuvor in die Tat umgesetzt. Er hatte der Mannschaft in der Kabine mitgeteilt, dass er mit sofortiger Wirkung zurücktrete. Förderer: „Was das Team heute gezeigt hat, war Arbeitsverweigerung. Das tue ich mir und meiner Familie nicht an.“

Förderers Entschluss traf die OSC Löwen überraschend. SG-Chef Klaus Schuppert: „Wir hatten viele Worst-Case-Szenarien auf dem Ticket, dieses aber nicht.“ Schuppert präsentierte bereits am Sonntag die Lösung für die letzten drei Saisonspiele. Ex-A-Jugend-Trainer Thomas Molsner und Torwart Matthias Reckzeh, der die SG im Sommer Richtung Neuss verlässt, sollen das Team vor dem Abstieg bewahren. Thomas Molsner: „Es ist ein Himmelfahrtskommando. Aber ich bin bereit, dem Verein mit Rat und Tat zu helfen.“

Schon früher an Rücktritt gedacht

Matthias Reckzeh stand in Wiesbaden noch unter der Dusche, als Förderer das Team von seinem Entschluss informierte. Der Mannschaftskapitän reagierte später empört: „Das ist feige. So etwas macht man drei Spieltage vor Schluss nicht.“ Förderer schlug gestern zurück: „Mit 41 Jahren sollte man in der Lage sein, sich Gedanken darüber zu machen, was man sagt.“

Unmittelbar mit dem Schlusspfiff sei der Entschluss zum Rücktritt gereift, so Förderer gestern. Die Mannschaft habe in Wiesbaden nicht den Abstiegskampf angenommen: „Die Art und Weise war indiskutabel. Es war kein Kampf um jeden Ball.“ Dabei war die Partie lange offen gewesen. In der 41. Minute stand es noch 25:25. Die Duisburger brachen in den letzten Minuten auseinander. Matthias Reckzeh wollte sich nicht der Sichtweise seines Ex-Trainers anschließen: „Wir wollten. Es war keine Arbeitsverweigerung.“

War Förderers Entschluss eine Kurzschluss-Reaktion? Stand die Entscheidung vielleicht schon vor der Partie fest? Der 42-Jährige erklärte, dass er schon vor sechs Wochen vor dem Schritt gestanden hatte. Damals war ein Bruch zu SG-Chef Klaus Schuppert offensichtlich geworden. Nach der Niederlage in Soest hatte Förderer erstmals die Vereinsführung öffentlich angegriffen, nachdem zuvor Schuppert das Team kritisiert hatte.

Erst im November hatte die SG eine Verlängerung des Trainer-Vertrages um zwei Jahre bekannt gegeben. Diese Vereinbarung ist nun hinfällig. Klaus Schuppert: „Wenn einer nicht mehr will, dann will er nicht mehr.“ Förderer unterstreicht, dass die Einigung nur mündlich erfolgt sei und er demnach keine Unterschrift geleistet hätte.

Die Situation in der Liga hat sich für die OSC Löwen durch die Niederlage in Wiesbaden verschärft. Da Konkurrent Gladbeck gegen Ratingen ein Remis erzielte, belegen die OSC Löwen mit einem Punkt Rückstand wieder einen Abstiegsrang. Am kommenden Sonntag dürften sie wieder leer ausgehen: Dann kommt Spitzenreiter TuS Ferndorf nach Rheinhausen. Es folgen dann noch Spiele gegen Korschenbroich (A) und Lemgo II (H).