Duisburgs Eishallenchef Jürgen Schmitz geht von Bord

DUISBURG - Am Dienstag, den 23.12.2014 wurde Jürgen Schmitz in der Eissport Halle Scania Arena für die Geschichte über seine Zeit als Chef der Halle fotografiert. Foto: Fabian Strauch / FUNKE Foto Services
DUISBURG - Am Dienstag, den 23.12.2014 wurde Jürgen Schmitz in der Eissport Halle Scania Arena für die Geschichte über seine Zeit als Chef der Halle fotografiert. Foto: Fabian Strauch / FUNKE Foto Services
Foto: Fabian Strauch
Was wir bereits wissen
Zum Jahreswechsel endet in Duisburg eine Ära. Eishallenchef Jürgen Schmitz genht nach 23-jähriger Tätigkeit in den Ruhestand.

Duisburg..  Seit dem 27. November 1991, dem Tag der Vereinsgründung des EV Duisburg, ist Jürgen Schmitz mit dem Eishockey an der Wedau verbunden. Ununterbrochen. Erst als Vorstandsmitglied, dann als Leiter der Eissporthalle. Diese 23-jährige Ära endet zum Jahreswechsel. Denn der 62-Jährige, der den Duisburger Eissport damit maßgeblich geprägt hat, geht in den Ruhestand.

20 Jahre und drei Monate – so lange war Jürgen Schmitz der Chef der Eissporthalle Duisburg. Diesen Posten nun aufzugeben, fällt ihm nicht leicht. „Natürlich nicht. Das ist mein Baby“, sagt Schmitz. Längst ist ihm die Scania-Arena in Fleisch und Blut übergegangen. „Wenn eine Maschine hustet, weiß ich sofort, welche Krankheit sie hat“, sagt er mit einem Lächeln.

Noch vor der Eishalle kam jedoch der EVD. Schmitz ist Gründungsmitglied der Füchse, war zur Stelle als dem Duisburger SV 87 während der Saison 1991/92 die Luft ausging. „Ich hatte zuvor schon zu DSC-Zeiten geholfen, Bambini-Turniere auszurichten.“ Seine Söhne Michael und David spielten schließlich auch Eishockey. Die Rolle als Vereinsmitgründer war freilich neu. „Man hat uns damals geraten, aus der Elternschaft des DSV-Nachwuchses heraus einen neuen Verein zu gründen“, erinnert sich Schmitz. Es gab Alternativen. So gab es tatsächlich kurzzeitig das Gedankenspiel, eine Eishockey-Abteilung beim MSV Duisburg zu gründen. Und es gab noch den Amateurverein EC Duisburg. „Aber wie gesagt, es gab den klaren Ratschlag, einen eigenen Verein zu gründen.“ So verschwand der ECD kurze Zeit später von der Bildfläche, der EVD, der in seinen Anfangsjahren den Zusatz „Der mit den sechs Nachwuchsmannschaften“ führte, übernahm das Erbe des DSC und DSV.

Deutscher Meister als Ruderer

Ganz neu war Vorstandsarbeit für Schmitz allerdings nicht. Denn der Mann war früher ein Ruderer – ein erfolgreicher zudem. Los ging es bei seinem Heimatverein, der Mülheimer Ruder-Gesellschaft. Nach seinem Wechsel zum Ruderklub am Baldeneysee wurde er 1972 Deutscher Meister im Leichtgewichts-Achter. Nach seiner Rückkehr zur MRG übernahm Schmitz dort Vorstandsaufgaben, ehe es ihn der Liebe wegen nach Duisburg zog. Mit seiner Frau Annelie zog er zunächst nach Großenbaum. „Dann haben wir uns in Wedau niedergelassen.“ In seiner Zeit als Ruderer sind Freundschaften fürs Leben entstanden. Einer aus seinem Team, Peter Riedmüller, hilft auch aktuell noch bei Eishockeyspielen in Duisburg aus.

1994 folgte schließlich der Schritt, der sein Leben veränderte. Für die Eissporthalle wurde eine private Betreibergesellschaft gegründet. Die Stadt hatte bei jährlichen Kosten von damals 800.000 DM für die Eishalle angedeutet, dass entweder die Eissporthalle oder die Rheinhausenhalle nicht mehr zu betreiben wäre. „Uns war klar, dass es die Rheinhausenhalle nicht treffen würde.“

So legte der EVD-Vorstand ein Konzept vor, das die Kosten auf 500.000 DM reduzierte. Neben Dieter Jansen und Franz Renczikowski war Jürgen Schmitz einer der Gesellschafter der Eissporthallen Betriebsgesellschaft mbH Duisburg. „Wir hatten auch einen Hallenchef, der dann aber kurzfristig wegen seiner Freundin nach Mexiko zog“, berichtet Schmitz. „So schauten zwei selbstständig beschäftigte Gesellschafter den einzigen abhängig beschäftigten Gesellschafter an“, lacht er. 25 Jahre war Schmitz zuvor als Havarie-Kommissar tätig, sprich als Sachverständiger für Transsportschäden. „Freitags habe ich dort mein Jubiläum gefeiert, am folgenden Montag habe ich gekündigt“, so Schmitz – natürlich mit dem Segen der Familie.

Anerkannter Berater

Seither verliebte er sich immer mehr in seinen Job. In die Technik wie in die Geschäftsführung. So sehr, dass er zum anerkannten Experten wurde. Beim Verein der Eismeister wurde er Berater für den Bereich Westdeutschland. Bei der Internationalen Vereinigung Sport- und Freizeiteinrichtungen (IAKS), der einzigen Non-Profit-Organisation, die sich weltweit mit Themen des Sportstättenbaus befasst und vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) als „Recognised Organisation“ anerkannt wurde, ist er der Berater für Kunsteisbahnen.

Kein Wunder also, dass der Deutsche Eishockey-Bund bei der Heim-WM 2010 Jürgen Schmitz und das Team der Eissporthalle Duisburg auswählte, um für das Eröffnungsspiel gegen die USA vor 77.803 Zuschauern die mobile Eisfläche in der Arena Auf Schalke herzurichten. „Das war auch tatsächlich das Highlight meiner Laufbahn“, sagt Schmitz. Weitere Höhepunkte: Die Länderspiele gegen Kasachstan 1999 und Russland 2012, der Air-Canada-Cup der Frauen 2005, die World Games, ein Spiel der Olympia-Qualifikation – und natürlich der DEL-Aufstieg der Füchse in Straubing 2005. „Wir haben mit der Medaille um den Hals gefeiert. Das war das einzige Mal, dass ich zu spät beim Frühstück war“, lacht Schmitz.

Es ist also kein Wunder, wenn Jürgen Schmitz sagt, dass er auch künftige die Eishockey-Spiele der Füchse sehen will. Sie sind schließlich ein Teil von ihm – wie auch ihre Spielstätte.