Drei Kästen auf den Schultern

Normalerweise dienen Mineralwasserflaschen in der Umkleidekabine als Halbzeiterfrischung für die Oberliga-Fußballer des VfB Homberg. Doch Trainer Günter Abel beobachtete beim 1:2 (0:1) gegen den SV Hönnepel-Niedermörmter noch eine andere Funktion des Sprudels. „Die Jungs haben gespielt, als hätten sie drei Kästen Mineralwasser auf den Schultern. Wir waren überhaupt nicht frei im Kopf. Das hat man gleich von den ersten Minute an gemerkt.“

Warum die Gelb-Schwarzen den Hemmschuh angezogen hatten, ließ sich unmittelbar nach Spielende nur schwer ergründen. „Wir sind alle sehr enttäuscht“, meinte Verteidiger Dennis Konarski, der einer von Abels ausgemachten „Wasserschleppern“ war und deutlich unter Normalform agierte. „Dennis hat in den letzten Begegnungen richtig gut und konzentriert gespielt. Diesmal war es nicht der Fall. Wir haben insgesamt viel zu spät geschaltet, waren viel zu passiv in unseren Aktionen. Uns hat die notwendige Präsenz gefehlt“, bemängelte Abel.

Zu passiv, zu spät geschaltet

Über weite Strecken der ersten Halbzeit ging es noch irgendwie gut für den VfB, der nur ansatzweise in die Gefahrenzone der Gäste vorstoßen konnte. Nach einem dicken Patzer von Oguzhan Cuhaci landete der Ball genau auf dem Fuß von Hö-Nie-Knipser André Trienenjost, der Hombergs jungem Keeper Fabian Groß in der 37. Minute keine Abwehrchance ließ.

Aufregung gab es Sekunden vor dem Halbzeitpfiff: Hönnepel-Niedermörmters Torwart Tim Weichelt sprang der Ball außerhalb des Strafraums an die Hand, der Pfiff von Schiedsrichter Benjamin Keck blieb aus. VfB-Stürmer Almir Sogolj zirkelte den Ball über das leere Tor. Im zweiten Durchgang drängte Hö-Nie auf eine frühe Entscheidung. 2,04-Meter-Riese Daniel Boldt gelang per Kopf das 0:2 (55.). Georg Mewes, Trainer des amtierenden Meisters: „Dass Boldt ein Kopfballtor macht, ist eher selten. Defensiv macht er einen guten Job. Nach vorne passiert eigentlich nicht so viel. Trotzdem sind wir anschließend noch mal ans Zittern gekommen.“

Homberg schaffte nach einem Freistoß des eingewechselten Sebastian Schweers, dessen Ball Fabian Hastedt ins Netz köpfte, das 1:2 (72.). Mit etwas Glück hätte Jura Adolf noch ausgleichen können, doch sein 16-Meter-Knaller klatschte ans Lattenkreuz (81.).

„Der VfB hat in der Endphase richtig Gas gegeben, aber wir waren das eine Tor besser und hatten noch zwei, drei richtig dicke Konterchancen“, analysierte Mewes. Günter Abel fand bei der Bewertung keinen Widerspruch. „Hö-Nie hat verdient gewonnen. Bei uns ist das gleiche Phänomen aufgetreten wie beim 0:3-Zwischenstand gegen Baumberg: Auf einmal sind alle gerannt wie die Wahnsinnigen. Wir müssen das in den Griff kriegen. Bei uns muss eine Scheiß-Egal-Einstellung Einzug halten.“ Abel schob kämpferisch nach: „Ob wir jetzt fünf oder sechs Punkte aufholen müssen, macht kaum einen Unterschied. Wir geben weiterhin alles.“