„Dinge, auf die wir keinen Einfluss hatten“

Besorgt: FCR-Vorstandschef Thomas Hückels.
Besorgt: FCR-Vorstandschef Thomas Hückels.
Foto: WAZ FotoPool
Verein will weiter in der Bundesliga spielen. Das kann funktionieren, wenn das Insolvenzverfahren nicht eröffnet werden muss.

Duisburg..  Am Tag nach Bekanntwerden der Schocknachricht versuchte Thomas Hückels, den Ball flach zu halten. „Es ist ja nicht so, dass gar kein Geld mehr da wäre. Wir können halt nur im Moment die ausstehenden Gehälter nicht zahlen und waren daher zu diesem Schritt verpflichtet“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Frauenfußball-Bundesligisten FCR 2001 Duisburg, der am Donnerstag angekündigt hatte, in der kommenden Woche einen Insolvenzantrag stellen zu wollen.

„Eine kleinere sechsstellige Summe“ sei es, um die es geht, erklärte Hückels im Gespräch mit der Sportredaktion. Diese Lücke wollen er und seine Vorstandskollegen innerhalb der nächsten drei Monate schließen – das ist der Zeitraum, in dem die Agentur für Arbeit die Zahlung der Gehälter nach Stellung des Antrages übernimmt. „Wenn wir keine Aussicht auf eine Lösung hätten, könnten wir ja gleich ohne Umweg in die Insolvenz gehen“, so Hückels. Stattdessen suche man in Person eines Insolvenzverwalters nun „professionelle Hilfe“.

Warum diese notwendig ist? Das wird nach wie vor nicht so ganz klar. Im Sommer noch hatte Hückels die Finanzen „für die nächsten zwei Jahre“ als gesichert bezeichnet; folglich muss seitdem etwas passiert sein, durch das sich die Situation dramatisch zugespitzt hat. „Wichtig ist jetzt nicht, die Schuldfrage zu klären. Es waren Dinge, auf die wir keinen Einfluss hatten“, sagt Hückels. Das klingt, als seien externe Zusagen nicht eingehalten worden. Für die Sparkasse Duisburg, praktisch seit Vereinsgründung der Hauptsponsor des FCR, erklärt deren Sprecher Andreas Vanek jedenfalls: „Wir haben unsere finanziellen Verpflichtungen eingehalten und werden das auch weiterhin tun. Die aktuelle Entwicklung bedauern wir natürlich sehr.“

Antrag hätte keine Auswirkungen

Den Mitarbeitern des Vereins und den Spielerinnen teilte der Vorstand die bittere Wahrheit ebenfalls am Donnerstag mit. Die Reaktionen? „Es ist doch klar, dass da niemand begeistert ist. Die meisten waren erst einmal schockiert“, so Hückels. Die Frage, ob der im Sommer ohnehin schon stark kostenreduzierte Kader noch einmal verknappt werden muss, bleibt offen: „Das kann ja nicht nur von uns kommen, sondern nur von beiden Seiten ausgehen.“ Klar ist, welche Spielerinnen vermutlich die größten Posten im Etat aufweisen: die US-Amerikanerin Ashlyn Harris und die japanische Weltmeisterin Kozue Ando.

Davon wäre dann auch der nächste Punkt berührt: die sportliche Zukunft des Vereins. Der DFB ließ gestern bereits verlauten: „Sollte ein Insolvenzantrag gestellt werden, hat dies zunächst keine Auswirkungen auf den Spielbetrieb der Frauen-Bundesliga, weder auf die schon ausgetragenen Spiele des Vereins noch auf die noch zu absolvierenden. Sollte ein Insolvenzverfahren mangels Masse abgelehnt oder vor dem letzten Spieltag eröffnet werden, würde Duisburg als erster Absteiger der Saison 2012/2013 feststehen. Alle Spiele, die der Klub in der Bundesliga bis zu diesem Zeitpunkt absolviert hat und die er danach noch austrägt, würden in diesem Fall nicht gewertet werden.“ Das will die FCR-Führung verhindern; klares Ziel ist der Erhalt der Bundesliga-Zugehörigkeit.

Welchen Handlungsspielraum der Vorstand dabei besitzt, lässt sich vor Bestellung des Insolvenzverwalters durch das zuständige Amtsgericht kaum vorhersagen. Einen expliziten Finanzvorstand wird der Verwalter dann übrigens nicht mehr antreffen: Dirk Broska, gemeinsam mit Thomas Hückels Mitte 2011 angetreten, wechselt dieser Tage in den Aufsichtsrat des FCR. Damit verbleiben neben dem Vorsitzenden noch Hans-Jürgen Kohl (zuständig für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit), Dieter Weber (Jugend) und Rainer Kirberg (Gremien und Verbände).

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE