Die schlaflosen Nächte des Sakis Papachristos

TuRa-Trainer Sakis Papachristos schaut oft unzufrieden auf den Platz.
TuRa-Trainer Sakis Papachristos schaut oft unzufrieden auf den Platz.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Sorgen um seinen Herzensverein TuRa 88 Duisburg trieben den Coach um – auch weil er sich selbst Vorwürfe machte.

Duisburg..  Die Saison dauerte noch eine Woche an, doch Sakis Papachristos war schon weg. Kaum hatten die Bezirksliga-Kicker von TuRa 88 Duisburg den Klassenerhalt in der Gruppe 6 erreicht, flüchtete sich der Trainer in seine sonnige Heimat. Den Urlaub in Griechenland hatte er sich redlich verdient. „Ich hatte viele schlaflose Nächte“, sagt er, „man nimmt so etwas ja auch persönlich.“

Viele Trainerstationen hat der 56-Jährige schon durchlaufen. Aber kein Verein liegt ihm so am Herzen wie TuRa, wo auch seine Söhne Fotios und Stefanos, die mit ihren Toren entscheidend zum vorzeitigen Klassenerhalt beim 4:1 gegen Oberlohberg beitrugen, schon auf Kindesbeinen kickten. In Neudorf ist er praktisch das oft zitierte „Mädchen für alles“. Dass ihn diesmal bis zum vorletzten Spieltag die Sorge vor dem Absturz des Traditionsklubs in die Gefilde der Kreisliga umtrieb, heftete sich der Coach aber auch selbst an. Durch 14 teils namhafte Neuzugänge stand TuRa zu Saisonbeginn auf den Favoritenzetteln nicht weniger Trainer – am Ende bewahrte die Teufel ein Punkt vor dem Sturz in den Abgrund. „Ich habe bei fast allen Neuzugängen voll daneben gegriffen“, hadert Papachristos noch immer mit seinen Verpflichtungen von Spielern wie Musa Aliklic, Abdessamed Laktab oder den Waldbach-Brüdern, die wie drei weitere Neue allesamt schon im Winter wieder das Weite suchten. Lediglich Sergio Pinto Cruz und Jacek Niemyjski konnten ihn überzeugen. „Am schlimmsten finde ich aber, dass uns auch noch eigene Spieler wie Sascha Bereths und Paul Ihnacho im Stich gelassen haben. Sascha hat drei Jahre für uns gespielt, war dann verletzt und ist einfach nicht mehr gekommen. Und Paul dachte wohl, er könne bei uns Millionen verdienen.“

Überheblichkeit und überhöhte Ansprüche der Kicker treiben den Coach zur Weißglut. So setzte er Sergio Hector Pastor Gutierrez, der als vielversprechender Winter-Neuzugang vom DSV 1900 an den Kammerberg kam, nach wenigen Wochen wieder vor die Tür. Der machte in den Augen des Trainers lieber sein eigenes Ding, als Anweisungen zu folgen und dem Team zu dienen.

Fehlende Strukturen bemängelt

Im Frühjahr drohte der Coach gar mit seinem Rücktritt. Die Worte „wenn ich irgendwann durchdrehe, bin ich weg“, zielten aber nicht nur auf die Einstellung der Kicker, sondern auch auf die vakante Vereinsführung ab. Die Last ist dem Trainer auf zu wenige Schultern verteilt. „Die Seniorenteams finanzieren sich nahezu selbst. Einige Leute im Verein sind bemüht, aber das reicht nicht“, fehlen Sakis Papachristos die richtigen Strukturen im Verein. Und das war schon vor dem Rückzug der ersten Mannschaft aus der Verbandsliga im November 2009 so, woraufhin Papachristos mit eigenen Mitteln ein neues Team aufbaute, das in der Folgesaison mit sieben Punkten und 112 Gegentoren aus der Landesliga geschossen wurde. Seitdem hält sich TuRa unter seiner Regie in der Bezirksliga. Doch auch dieses Kapitel wäre nun beinahe beendet gewesen. An Rückzug denkt der Trainer aber nicht mehr: „Das Team im Stich zu lassen, würde weh tun. Vor fünf Jahren hatte TuRa keinen einzigen Spieler. Ich habe die ganze Sache aufgebaut, man kann aber auch nicht sagen, dass wir schon alles erreicht hätten. Also mache ich weiter.“

Etwas Hoffnung machen dem Trainer die bis zu acht A-Junioren, die in der kommenden Saison zur „Ersten“ stoßen. Durch die gute Zusammenarbeit mit A-Jugend-Coach Markus Kay, der nun auch sein Co-Trainer ist, halfen die Talente bereits in der Schlussphase der letzten Saison aus, was für den Coach das Faustpfand für den Klassenerhalt war. Eine Garantie für eine Zukunft ohne schlaflose Nächte ist das für Sakis Papachristos aber nicht. Denn er sagt auch: „Wenn der Verein so weiter macht, steigt TuRa irgendwann ab.“