Die Botschaft aus Darmstadt

Hier die Aufstiegsfeier auf dem Burgplatz, dort die Aufstiegsfeier auf dem Karolinenplatz. Beim Blick auf den Zweitliga-Aufstieg des MSV Duisburg lohnt es, auch auf den sensationellen Aufstieg des SV Darmstadt 98 in die Fußball-Bundesliga zu schauen. Als der MSV vor zwei Jahren im Zuge des Lizenzentzuges ins Tal der Tränen stürzte, ging es den Lilien noch wesentlich dreckiger als den Zebras. Die Hessen waren gerade als Drittletzter aus der 3. Liga in die Regionalliga abgestiegen und damit in die Bedeutungslosigkeit abgestürzt. Doch dann erhielt Kickers Offenbach keine Drittliga-Lizenz, Darmstadt blieb doch noch drin und schrieb mit zwei Aufstiegen in Folge ein Fußball-Märchen. Ein „Märchen mit ganz viel Pathos“ – wie die Welt gestern schrieb.

Natürlich ist die Darmstädter Erfolgsgeschichte eine Story, die der Fußball nur äußerst selten schreibt. Trotzdem: Sie ist eine Geschichte, die dem Zweitliga-Aufsteiger MSV Duisburg zeigt, dass vieles möglich ist, auch wenn die Mittel begrenzt sind. Fünf Millionen Euro standen Darmstadt in dieser Saison nur zur Verfügung – exakt die Summe, die auch MSV-Sportdirektor Ivica Grlic in der neuen Saison ausgeben darf. Mit wenig geht viel – so die Botschaft vom Böllenfalltor. Dazu kommt die Botschaft aus Leipzig: Geld allein ist auch keine Garantie.

Aber selbst der Darmstädter Höhenflug darf die Duisburger nicht dazu verleiten, die Bodenhaftung zu verlieren, die MSV-Präsident Ingo Wald derzeit wohltuend ausstrahlt. 2005 und 2007 konnte der MSV den Aufstieg in die Bundesliga nicht nutzen, um ein solides Fundament für die Zukunft aufzubauen. Nur der Himmel ist die Grenze – damals ein bitterer Trugschluss. „Im Erfolg macht man die meisten Fehler. Wir werden uns davor schützen“ – so Walds Aussage, die abseits der Jubelarien als Losung für die nächsten Jahre feststehen muss.

Zurück zum Darmstädter Aufstieg, der auch deshalb möglich wurde, weil ein Trainer von 2010 bis 2012 den Verein umkrempelte und die Basis für eine Professionalisierung schuf: Kosta Runjaic, der im Spätsommer 2012 von Darmstadt zum MSV gewechselt war. Groß freuen wird sich Coach Kosta darüber nicht können. Zog er doch mit seinem aktuellen Team aus Kaiserslautern im Aufstiegskampf nun ausgerechnet gegen Darmstadt den Kürzeren.