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Der spielende Croupier

31.12.2012 | 13:00 Uhr
Der spielende Croupier
Jacek Niemyjski und seine beiden Leidenschaften. Das Casino, in dem er als Croupier tätig ist – und der Fußball. Beim DSV 1900 spielt der 29-Jährige in der Abwehr.Foto: Tanja Pickartz

Duisburg. Jacek Niemyjski kam durch das Casino zum Duisburger SV 1900.

James Bond muss Le Chiffre aufhalten. Dieses Pokerturnier darf der Gauner nicht gewinnen. „Wie wollen sie Ihren Martini, Mister Bond? Geschüttelt oder gerührt?“ Der Agent taxiert den Barmann. „Sehe ich aus, als würde mich das interessieren?“

Casinos faszinieren die Menschen. Nicht nur Ian Fleming, der diese Szene vor vielen, vielen Jahren geschrieben hat, ehe sie 2006 ins Kino kam. Das ging Jacek Niemyjski nicht anders. Das Flair der Spielbank hatte ihn gepackt. „Ich hatte aber nie einen Bezug dazu, kannte das nur aus dem Fernsehen.“ Bis ihm ein Freund einen Zeitungsartikel zeigte, in dem es um Croupiers für das Casino Hohensyburg ging. Niemyjski war gefesselt, ging auf die Website – und sah, dass für das Casino Duisburg Croupiers gesucht werden. Dann eine Bewerbung, der entsprechende Kurs und – voilà – Jacek Niemyjski hat’s geschafft.

Das Roulette ist das Lieblingsspiel von Jacek Niemyjski im Casino Duisburg, wo er als Tischchef tätig ist.Foto: Tanja Pickartz

Was das mit dem Duisburger Sport zu tun hat? Damals, 2007, spielte Niemyjski noch Fußball für Vorwärts Kornharpen. Und hätte ihm damals sein Kumpel diesen Artikel nicht gezeigt, hätte er seinen Beruf kaum gewechselt. Dennoch kickte Niemyjski noch bis zur letzten Saison im heimischen Westfalen. „Das waren aber immer Strecken von 45 Minuten.“ Also suchte er etwas in der Gegend, stellte sich beim VfB Homberg und bei Jahn Hiesfeld vor. Und schließlich schrieb er per Mail eine Bewerbung an den Landesligisten Duisburger SV 1900. Nach dem Probetraining war Trainer Heiko Heinlein begeistert. Seither spielt der 29-Jährige beim DSV, ist durch seine ruhige, abgeklärte Spielweise ein bärenstarker Außenverteidiger.

Ruhig, abgeklärt – und höflich

Ruhig, abgeklärt, dazu noch höflich – das sind auch Eigenschaften, die einen Croupier ausmachen. Seit dem 1. Juli 2007 ist Niemyjski nun schon im Duisburger Casino beschäftigt. Und in seiner silber-grauen Croupier-Weste mit dem zurückhaltenden Lächeln passt er genau in die Atmosphäre. Dabei kann er alle Spiele betreuen, seine Leidenschaft gehört aber dem Roulette. „Das ist einfach immer anders. Man muss sehr aufmerksam sein, weil es eben auch schnell geht“, ist Niemyjski von seinem Job begeistert. Das haben offenbar auch seine Vorgesetzten bemerkt. Nach vier Jahren ist er zum Tischchef befördert worden. Damit ist er dann für drei Roulette-Tische gleichzeitig verantwortlich.

Mit der Fußballmannschaft des Casinos Duisburg wurde Jacek Niemyjski zweimal Deutscher Meister.Foto: Tanja Pickartz

Der Umgang mit den Gästen macht ihm aber ebenso viel Spaß. Sei es das kleine Gespräch am Rande, oder auch, wenn es mal nicht so läuft. „Da gibt es manchmal Verschwörungstheorien“, schmunzelt Niemyjski. „Das hört man sich mit einem Lächeln an.“

Seine andere große Leidenschaft ist der Fußball. Als er noch ein kleiner Junge war, kam er mit seinen Eltern aus dem polnischen Allenstein (Olsztyn) nach Deutschland. Dann hat er schon früh mit dem Fußball angefangen. „Beim STV Horst-Emscher“, berichtet Niemyjski. Und auch im Spiel mit dem großen Ball hat er Talent. Sechs Jahre spielte er in der Verbandsliga, erst in Horst-Emscher, dann bei Germania Gladbeck und Vorwärts Kornharpen. Zuletzt konnte er sogar drei Aufstiege in Folge feiern. „Mit dem SV Zweckel in die Landesliga und mit dem TSV Marl-Hüls gleich zwei von der Bezirks- bis in die Verbandsliga.“

Hier am Niederrhein Fuß zu fassen, war dennoch nicht so leicht. „Viel kommt ja dadurch zustande, dass man gesehen wird“, berichtet Niemyjski. Und weil Westfalen nun einmal vergleichsweise weit weg ist, war er für viele so unbekannt und rätselhaft wie Le Chiffre für James Bond. Am Ende ist er für den DSV 1900 aber ein echter Glücksfall. „Mir gefällt es dort sehr gut. Der Verein ist familiär; der Vorstand hat einen guten Bezug zum Team. Die Leute kümmern sich“, schätzt er sein fußballerisches Umfeld.

Zweimal Deutscher Meister

Und so ganz nebenbei hat er sogar sein Hobby und seinen Beruf zusammengebracht. Denn tatsächlich gibt es eine Deutsche Hallenfußball-Meisterschaft für Spielbanken – die Duisburgs Team 2010 und 2011 gewonnen hat. Und 2011 waren die Duisburger in der Halle an der Krefelder Straße sogar der Gastgeber. „Ich wurde in den letzten drei Jahren zum besten Spieler des Turniers gewählt“, freut sich Niemyjski. Das dürfte auch Heiko Heinlein gerne hören. Schließlich beginnt am Donnerstag der Hallenfußball-Stadtpokal. Ebenfalls in Rheinhausen. Da passt ein zweifacher Deutscher Meister doch gut ins Team.

Friedhelm Thelen



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