Der lächelnde Absteiger

Schlusspfiff, Abstieg. Auf der Bank des nun ehemaligen Fußball-A-Kreisligisten Hertha Hamborn gibt es nach der 1:2 (0:1)-Niederlage im Entscheidungsspiel gegen Union Mülheim Spieler, die trotzdem noch lächeln. Der lächelnde Absteiger. Und Mustafa Alkurt (44), bei Hertha als Spieler, Co-Trainer und Dolmetscher von Spielertrainer Tekin Kiran (42) in mehreren Funktionen tätig, verrät die Philosophie des Klubs aus Neumühl, die auch nach nun zwei unterirdischen Spielzeiten mit dem zweiten Abstieg in Folge offenbar weiter Bestand hat. „Wir wollen Spaß haben.“ Alkurt ergänzt: „Auch in der Kreisliga B werden wir antreten, um Spaß zu haben.“

Rund 100 Zuschauer drückten gestern auf der Platzanlage des DSV 1900 jeweils zwei Euro Eintrittsgeld ab und verspürten nur bedingt Spaß, zumal das Gewitter die persönliche Situation der Betrachter noch weiter verschlechterte. Viele Besucher werden auf die eine zentrale Frage keine Antwort erhalten haben: Warum darf eine von zwei Mannschaften, die in der A-Liga auf dem vorletzten Platz landete, trotzdem noch in der Folgesaison in derselben Liga weitergurken?

Es war das Spiel zweier Klubs, die früher Spaß hatten, wenn sie B-Ligisten in der Saisonvorbereitung zweistellig nach Hause schicken konnten. Bei Hertha Hamborn und Union Mülheim, das in der Blütezeit sogar Verbandsliga spielte, floss früher Geld. Quellen, die versiegt sind. Bei Hertha Hamborn verstarb schon vor vielen Jahren Mäzen Günter Birken, bei Union ging der Hauptsponsor von Bord.

Hertha Hamborn profitierte in der A-Liga vom Rückzug der dritten Mannschaft von Hamborn 07 – sonst wäre das Team abgeschlagen Letzter geworden. Hinter der Hertha liegt ein Jahr mit 54:144 Toren und nur 15 Punkten aus 30 Spielen. Die Teilnahme am gestrigen Entscheidungsspiel war ein Geschenk des Fußball-Gottes.

Elfmeter verschossen

„Wir haben eine schlechte Saison gespielt. Da gibt es nichts zu beschönigen. Zudem haben wir ein Durchschnittsalter von 38 Jahren. Aber es gab auch viele Schiedsrichter-Entscheidungen und unberechtigte Sperren gegen uns“, blickt Alkurt zurück.

Auch gestern erhöhte der Schiedsrichter auf Hamborner Seite nicht den Spaßfaktor. Sportkamerad Oliver Klostermann aus Oberlohberg hätte in der ersten Halbzeit nach einer Mülheimer Notbremse die rote Karte zeigen müssen, beließ es aber bei Gelb. Dafür gab er aber in der Schlussminute einen Foulelfmeter für Hertha, den viele seiner Kollegen nicht gegeben hätten. Doch die Hertha nahm das letzte Geschenk dieser Saison nicht an: Muhammet Yildirim verschoss, Hertha verpasste damit die Verlängerung.

Am Ende ging der Sieg der Mülheimer in Ordnung, weil die Hamborner in der Offensive zu wenige Akzente setzen konnten. Ugur Iskefiyeli brachte Mülheim früh in Führung (7.), Mete Coban glich aus (49.). Umut Akpolat erzielte den Mülheimer Siegtreffer (57.).