Das Ende einer Dynastie

Was wir bereits wissen
Nach 26 Jahren hört Dieter Schmidt als Chef der Regattabahn auf. Vorgänger war sein Vater Gustav, der auch an zwei Olympischen Spielen mitwirkte.

Duisburg..  Nach 26 Jahren als Chef der Regattabahn hat Dieter Schmidt am Wochenende zum letzten Mal einem Kanu-Weltcup „das Wasser gereicht“. Im Sommer geht der Mann, der so viele Regatten möglich machte, in Rente. Damit endet in gewisser Weise zugleich eine Dynastie. Denn bevor Dieter Schmidt der Chef der renommierten Bahn wurde, die von viele Athletinnen und Athleten zu den besten in der Welt gezählt wird, war sein Vater Gustav der Leiter der Strecke.

„Niemand weiß so viel“

Für die Kanuten und Ruderer ist Dieter Schmidt mehr als ein Angestellter bei Duisburg Sport. Er ist eine Institution. „Niemand – ich würde sagen in der ganzen Welt – weiß so viel über Regattastrecken“, erklärt Otto Schulte, Präsident des Kanu-Regatta-Vereins Duisburg. Der gute Ruf der Bahn im Sportpark ist nicht zu einem geringen Maß dem Leiter und seiner Erfahrung zu verdanken. Dazu gehört auch, dass man eine Regattastrecke auf der Höhe der Zeit hält: Der Bau des Parallelkanals gehörte zu dieser wichtigen Modernisierung der Anlage.

Gelernt ist eben gelernt, vom Vater, der auch die Regattastrecken für die Olympischen Spiele in Mexiko 1968 und München 1972 anlegte. Aus langer Erfahrung mit der Bahn in Duisburg und weil ihm der Wassersport am Herzen liegt. 1959 hatte er bereits bei der ersten Europameisterschaft in Duisburg als Starthelfer auf dem Steg gelegen und die Boote festgehalten. Heute macht das übrigens ein automatischer Startschuh. Er selbst paddelte für Bertasee und liebt das Segeln.

Was jeder weiß, aber vor allem jeder sehen und erleben konnte: Für den angehenden Rentner war die Aufgabe „am schönsten Ort in Duisburg“ immer mehr als ein Beruf. Es war seine Berufung. Unverkennbares Markenzeichen: Das gelbe Postfahrrad, auf dem sich Dieter Schmidt für den Wassersport buchstäblich abstrampelt. Wochenendschichten, damit die Regatta läuft? Kein Problem. Umbauten innerhalb einer Woche, damit erst die Kanuten und dann die Ruderer ihren Weg ins Ziel finden? Dieter Schmidt und sein Team machten es möglich. Und seine Frau Dagmar, die als ehrenamtliche Helferin beim Weltcup dabei ist und bei allen großen Regatten dazu beiträgt, dass sich die Welt in Duisburg zu Hause fühlt.

Mirko Günther wird Nachfolger

Fragt man Dieter Schmidt nach den Höhepunkten in 26 Jahren, kommt es, wie aus der Pistole geschossen: „Die World Games 2005 und die Universiade. Dann die fünf Kanu-Weltmeisterschaften und die Ruder-WM 1981.“ Die internationalen Regatten auf der Wedau, die inzwischen Weltcup heißen, hat er von Anfang an begleitet. Nach der WM 1979, der ersten in Duisburg und die ersten für Dieter Schmidt, etablierte der Kanu-Regatta-Verein das Welttreffen im Sportpark. Die Regatta 2015 ist die 30. und eben Dieter Schmidts letzte.

Wie er den Abschied sieht: „Im Moment habe ich mit dem Weltcup so viel zu tun, dass ich noch gar nicht richtig daran denken kann.“ Was einem da schon in den Sinn kommt: Dieter Schmidt als Gast auf der Ehrentribüne? Das kann man sich irgendwie so gar nicht vorstellen.

Die Übergabe ist derweil längst geregelt: Denn Mirko Günther, ebenfalls ein Kanute vom Bertasee und Sohn von Trainerurgestein Hans „Abu“ Günther, arbeitet sich seit einem Jahr ein. Er wird die Aufgabe als Regattabahnchef übernehmen.