Das Duell von einst

Seit Ende Januar ist Lance Nethery der Teamchef der Füchse. Vor 32 Jahren war der Kanadier der Torjäger der DSC.
Seit Ende Januar ist Lance Nethery der Teamchef der Füchse. Vor 32 Jahren war der Kanadier der Torjäger der DSC.
Foto: Lars Heidrich
Als Lance Nethery in der Saison 1982/83 für den DSC spielte, war Freiburg der große Konkurrent. Das könnte auch diesmal so sein. Am Wochenende spielen die Füchse gegen den Herner EV (Freitag) und Tornado Niesky (Sonntag).

Duisburg..  Gedankenverloren stöbert Lance Nethery durch alte Schwarz-Weiß-Fotos. „Hier, das ist aus dem Spiel gegen Freiburg“, sagt der Teamchef des Eishockey-Oberligisten EV Duisburg. Zu sehen sind nicht Spieler der Füchse oder des EHC Freiburg. Damals, in der Saison 1982/83, hießen die Vereine noch Duisburger SC und ERC Freiburg. „Das war das große Duell.“ Die Duisburger und die Breisgauer gaben damals den Ton in der 2. Bundesliga an. Und Lance Nethery war mittendrin.

„Das war eine andere Zeit“, schaut Nethery auf eine Spielzeit zurück, die nun schon 32 Jahre in der Vergangenheit liegt. Duisburg, das war die erste Europa-Station des Kanadiers, der später zweimal Schweizer Meister mit dem HC Davos wurde, als Trainer und Manager folgten später noch vier Deutsche Meisterschaften mit Mannheim (drei in Folge) und Frankfurt und der Spengler-Cup-Sieg der Kölner Haie 1999. „Meine Frau Liz und ich hatten gerade erst geheiratet. Das war im Juni 1982. Und Anfang August sind wir dann nach Deutschland gekommen“, so der heute 57-Jährige. „Unser Plan war, dass wir nur für ein Jahr bleiben.“ Das 33. Jahr macht Nethery mit Saisonende voll.

Aktuell haben Kanadier oder Amerikaner, die des Eishockeys wegen nach Deutschland kommen, kaum Sprachprobleme. „Aber damals sprachen noch nicht so viele Leute hier Englisch“, so Nethery. „Ein Student von der Uni gab uns dreimal pro Woche Deutsch-Unterricht. Immer dann, wenn wir morgens kein Training hatten. Das war auch wichtig.“ Für die Verständigung auf dem Eis – und für das Leben abseits des Eises. Das Freizeitangebot war damals schließlich nicht gerade ausgeprägt. „Drei Programme gab’s nur im Fernsehen. Aber das Fernsehen haben wir damals gar nicht gebraucht.“ Öfter ging es damals nach Venlo. „Wir sind einfach viel herumgefahren.“

Torjägerduo mit Drew Callander

Wir – das hieß damals auch Drew Callander, der andere Kanadier im Team des DSC. Und beide hatten eine eingebaute Torgarantie. In 40 Zweitliga-Spielen langte Callander 55 Mal zu, bereitete 58 weitere Tore vor. Nethery traf in 48 Spielen gleich 72 Mal und verbuchte 86 Torvorlagen. Um die Rechnerei zu ersparen: Das sind satte 158 Scorerpunkte in nur einer Zweitliga-Saison. „Drew und ich sind heute noch miteinander befreundet. Er ging später nach Köln, wurde mit dem KEC Meister.“ Als er nach zwei Jahren in Köln und einem weiteren in Bayreuth zurückging, wechselte er kurz darauf den Beruf. „Drew ist Polizist geworden.“ Dem Eishockey blieb auch er verbunden – erst als Co-Trainer der Regina Pats in der WHL, einer der kanadischen Top-Juniorenligen, dann beim Uni-Team von Regina.

Dass Nethery derart beim DSC einschlug, verwundert kaum. Denn er spielte in der NHL für die New York Rangers und erreichte 1980/81 mit den „Broadway Blue­shirts“ das Halbfinale. Spieler dieser Kategorie in der deutschen 2. Liga? Das wäre heute kaum denkbar. „Aber wie gesagt, die Zeiten waren anders. Als ich später in der Schweiz spielte, habe ich mehr verdient als in der NHL. Schon damals begannen die Schweizer übrigens hauptamtliche Nachwuchstrainer zu beschäftigen. Zum damaligen Zeitpunkt waren die Schweizer noch nicht besser als die Deutschen.“

Doch auch die Zeit beim DSC hat Nethery noch bestens in Erinnerung. „Wir hatten immer 3000, 4000 Zuschauer“, berichtet der Kanadier. „Wir hatten eine tolle Truppe. Georg Kink war unser Kapitän, Otto Schneitberger unser Trainer.“ Sportlich verpassten die Duisburger nach dem Bundesliga-Aus 1981 den Wiederaufstieg 1983 nur knapp. Vielleicht auch, weil sich Callander am Saisonende verletzte und Nethery gesperrt war.

Nur vier Punkte fehlten

„Es haben uns gegenüber Freiburg nur ein paar Punkte gefehlt.“ Vier waren es am Ende. So stiegen die Breisgauer direkt auf. In einer Relegation spielten die Erstligisten Iserlohn und Füssen sowie Duisburg und Bad Tölz um einen weiteren Erstliga-Platz. Die beiden bayerischen Clubs ließ der DSC hinter sich, doch Iserlohn war nicht zu stoppen.

Verrückt genug: Aktuell gelten der EVD und der EHC Freiburg als Favoriten für den einen Aufstiegsplatz zur 2. Liga. Beide haben sich den Sprung nach oben auf die Fahne geschrieben. „Das könnte sein“, sagt Nethery, „aber erst einmal geht es um die aktuelle Runde. Hier müssen wir erst einmal Zweiter werden. Und dann kommen Viertelfinale, Halbfinale, Finale, alles Best of Five. Das ist ein weiter Weg, der auch mal wehtun wird. Aber erst einmal müssen wir so weit kommen.“

Gelingt dies aber, würde der EVD am Ende tatsächlich ganz vorne und damit auch vor Freiburg landen – Lance Nethery hätte 32 Jahre nach seiner ersten Saison in Duisburg sicher ein breites Grinsen im Gesicht.

Zwei Heimspiele am Wochenende

Der EVD bestreitet am Wochenende zwei Heimspiele gegen den Herner EV (Freitag, 19.30 Uhr) und Tornado Niesky (So., 18.30 Uhr). „Herne ist ein ernstzunehmender Gegner, der eine starke Runde gespielt hat“, sagt Füchse-Trainer Uli Egen. Der HEV muss auf Jakub Rumpel aufgrund einer Schultereckgelenksprengung verzichten, während der EVD wahrscheinlich auf die Förderlizenzspieler Pascal Zerressen und Dominik Meisinger zurückgreifen kann. „Wir wollen offensiv spielen, natürlich nach hinten abgesichert. Das haben wir unter der Woche trainiert“, so Egen. „Zudem ging es um die Überzahl.“ Am Sonntag trifft der EVD erstmals überhaupt in der 44-jährigen Duisburger Eishockeygeschichte auf ein Team aus Niesky.

Zum Sonntagsheimspiel gegen Niesky bieten die Füchse eine „Freunde-Aktion“ an. Wer ein Stehplatz-Ticket kauft, erhält ein weiteres Stehplatz-Ticket kostenlos hinzu.

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