Bundesliga demnächst mit elf Mannschaften

Auch in der nächsten Saison werden es Philipp Kluge und die RESG mit dem HSV Krefeld zu tun bekommen.
Auch in der nächsten Saison werden es Philipp Kluge und die RESG mit dem HSV Krefeld zu tun bekommen.
Foto: Lars Fröhlich
Was wir bereits wissen
Vereine stimmten der Aufstockung zu, durch die der Tabellenletzte HSV Krefeld den Abstieg vermeidet. RESG Walsum war dagegen.

Duisburg..  Der Vergleich mag etwas unpassend sein, sei aber trotzdem zur Veranschaulichung erwähnt. Man stelle sich vor, Borussia Dortmund würde vier Spieltage vor dem Saisonende einen Abstiegsplatz in der Fußball-Bundesliga belegen und dann bei der Deutschen Fußball-Liga den Antrag stellen, in diesem Jahr den Abstieg auszusetzen und stattdessen die Liga aufzustocken. Klingt abstrus? Ist aber jetzt genau so passiert. Nur nicht im Fußball, sondern im Rollhockey. Und das auch noch mit Erfolg.

Bei der turnusmäßigen Tagung der Bundesliga-Verein am vorvergangenen Sonntag wartete der HSV Krefeld mit einem überraschenden Antrag auf. Der Aufsteiger des Vorjahres, aktuell mit ganzen vier Punkten abgeschlagener Tabellenletzter und nur theoretisch noch vor dem Wiederabstieg zu retten, schlug die Aufstockung der Bundesliga auf elf Mannschaften vor – verbunden mit dem eigenen Klassenerhalt. Der erneute Absturz in die Zweitklassigkeit sei dem Verein nicht zuzumuten, argumentierten die Hülser.

Wer sich die 2. Bundesliga Nord-West anschaut, dürfte geneigt sein, dem zuzustimmen. Die Spielklasse besteht aktuell aus sechs Mannschaften, von denen der RHC Recklinghausen sämtliche zehn Saisonspiele bereits bestritten hat und mit 30 Punkten als sofortiger Wiederaufsteiger feststeht. Derweil ist I.S.O. Remscheid seit November nicht mehr angetreten und musste fünf Spiele absagen – das als Tabellenzweiter. Das abgeschlagene Team des SV Allstedt aus Sachsen-Anhalt fühlt sich örtlich in der Liga deplatziert und würde gern in die Süd-Staffel wechseln. Blieben neben dem Erstliga-Absteiger noch drei Klubs übrig: der ERSC Schwerte, der SC Moskitos Wuppertal und der VfL Hüls aus Marl. Im Prinzip verständlich, dass der HSV für sich keine Zukunft in einer solchen Klasse sieht.

Folglich stimmten in der Tat fast alle Ligakonkurrenten dieser Ansicht zu – mit zwei Ausnahmen: Meister SK Germania Herringen und die RESG Walsum. „Ich habe nichts gegen die Krefelder, ganz im Gegenteil, aber so geht es einfach nicht. Wenn man unbedingt Bundesliga spielen möchte, dann muss man halt etwas Geld in die Hand nehmen und externe Spieler holen – so wie wir es getan haben. Auf die Dauer klappt es eben nicht nur mit dem eigenen Nachwuchs“, meint RESG-Abteilungsleiter Peter Stier, der dementsprechend gegen den Antrag votierte.

Zwölfte Mannschaft gesucht

Das ändert nichts daran: Krefeld wird in der Liga bleiben und Recklinghausen als elftes Team dazustoßen. „Ziel ist es, spätestens 2016 mit zwölf Mannschaften zu spielen“, erklärte Tim Graumann, Pressesprecher der Sportkommission Rollhockey im Deutschen Rollsport- und Inlineverband. Wo Nummer zwölf herkommen soll? Nach Vorstellungen der Verbandsoberen aus der 2. Bundesliga Süd. Die ist allerdings schon seit Jahren ein Problemfall. Die Klubs zwischen Gera und Ansbach spielen traditionell eine Sommerrunde zwischen April und September – weil der amtierende Meister ERV Schweinfurt mit seinem Kader auch noch im Winter am Eishockey-Ligabetrieb teilnimmt und eine Bundesliga-Saison daher eher nicht bestreiten könnte. Andere Vereine, denen eine Erstklassigkeit „nahegelegt“ werden könnte, wären der Chemnitzer RSC und die TSG Darmstadt.

Für Peter Stier sind das alles völlig überflüssige Gedankenspiele: „Wir haben in der Bundesliga ohnehin schon ein Terminchaos. Jetzt soll auch noch immer eine Mannschaft spielfrei sein. In Ordnung wäre es gewesen, eine Relegation zwischen Krefeld und Recklinghausen anzusetzen, wenn man die Abstiegsfrage spannend halten will. Das, was wir jetzt machen, ist ein klarer Rückschritt.“