Blutleere Blamage

Ralf Kessen schüttelte den Kopf. „Genau das, was ich befürchtet hatte“, ärgerte sich der Trainer des Fußball-Landesligisten Duisburger SV 1900 zurecht über den desaströsen Auftritt seiner Mannschaft. Gegen den bis dato sieglosen Letzten Sportfreunde Königshardt handelten sich die Wanheimerorter völlig verdient eine 1:3 (1:1)-Blamage ein. „Das war blutleer“, schimpfte der Coach.

Dabei schien alles nach Plan zu laufen – es ist ja „nur“ das Schlusslicht und dann steht es auch schon nach zwei Minuten 1:0. Emre Camdali hatte sich den Ball erkämpft, abgelegt und Deniz Hotoglu haute ihn in die Maschen. Alles gut. Läuft schon.

Lief aber nicht. Je länger die erste Halbzeit dauerte, desto verwunderter schauten sich die Zuschauer um. Denn der DSV gab völlig ohne Not das Spiel wieder aus der Hand. Gerade der frühere Homberger Daniele Kowalski machte auf der linken Königshardter Angriffsseite immer wieder Dampf – Shinya Kondo zog immer öfter gegen ihn den Kürzeren. Aber auch wenn er nach innen zog, waren die übrigen Wanheimerorter nicht in der Lage, ihn zu stoppen. In der 31. Minute stieg er schließlich zum Kopfball hoch und traf zum 1:1. Danach war die Verunsicherung bei böigen und nassen Bedingungen auf Seiten der Gastgeber spürbar. Die Gäste übernahmen das Kommando und die Duisburger hatten Glück, mit einem Unentschieden in die Pause gehen zu können. Denn in der Schlussminute der ersten Hälfte waren die DSV-Kicker nicht in der Lage zu klären, sodass Björn Hlavaty und Mirko Turp gleich mehrfach nachschießen konnten.

Ab in die warme Kabine, schütteln und dann wieder Fußball spielen – das wäre wohl der Plan gewesen. Davon war allerdings nichts zu sehen. Das „Spielerische“ auf Seiten des DSV bestand aus langen Bällen und ansonsten wenigen Ideen. Zwei Schüsse von der linken Seite durch Deniz Hotoglu und Sascha Schnecker, der im Fünfer den Gästekeeper Kevin Luft anschoss, stellten zusammengefasst die erwähnenswerten DSV-Offensivbemühungen dar. Viel zu wenig, um einen Sieg zu erzwingen.

Doch es wurde noch bitterer. Eine viel zu kurze Abwehraktion – dazu noch durch die Mitte – landete vor den Füßen von Mirko Turp, der knapp hinter der Sechzehner-Grenze abzog und über den dabei nicht gut aussehenden Keeper Julien Schneider hinweg zum 2:1 für Königshardt erfolgreich war (82.). Fünf Minuten später patzte Schneider erneut, als ein Freistoß aus riesiger Distanz unter der Latte einschlug. Nur um es mal zu erwähnen: Der Vorsprung vor den Abstiegsrängen beträgt neun Punkte.